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02.06.2017

Kräfte sammeln, Rucksack packen

Zu Fuß nach Flüeli, Altötting oder Gößweinstein: Pilger aus dem Bistum erzählen vor dem Start.

Konrad Maier aus Woffenbach ist vergangenes Wochenende mit den Oberpfälzer Fußwallfahrern nach Altötting aufgebrochen. 28 Mal hat der 51-Jährige die 160 Kilometer lange Strecke schon zurückgelegt und spürt jedes Mal beim Einzug in den Gnadenort eine innere Freude, die er gar nicht beschreiben kann.

Bereit zum Aufbruch: Rudolf Dürgner und Tochter Cornelia gehen nach Gößweinstein. Foto: pr

Dabei hatte er als 16-Jähriger nach seiner ersten Altötting-Wallfahrt beschlossen, „dass ich da nie wieder runtergeh’“. Sein älterer Bruder hatte die Wallfahrt zum Dank für seine bestandene Meisterprüfung angetreten. „Und ich bin mitgegangen, aber wir hatten beide  eigentlich überhaupt keine Ahnung,  wie weit das ist“, schildert er schmunzelnd seine Premiere, „da ist es uns wirklich extrem schlecht gegangen“. Irgendwie scheint er sich damals dennoch mit dem Altötting-Virus infiziert zu haben. Der Glaube treibe ihn an, sagt er, aber auch „das Drumherum“.  Früher habe er die Leute nicht verstanden, die sagten, es sei für sie wie Urlaub, nach Altötting zu gehen:  „Heute seh’ ich es genauso.“

Nadel im Gepäck

Vier Tage lang ist er mit der Daßwanger Gruppe unterwegs, ehe man schließlich feierlich in Altötting einzieht. Maier, der sich das Jahr über mit Joggen fit hält, hat schon jedes Wetter beim Wallfahren erlebt, von Hundskälte und Hagelschauer bis zur Hitzewelle. Auch heuer sagt der Wetterbericht viel Sonnenschein voraus. „Da weiß man dann, das gibt eine heiße  Sohle“, erklärte Maier kurz vor dem Start und packt aus Erfahrung eine Nadel und ein Stück weißen Faden in seinen Rucksack. Damit lassen sich Blasen an den Füßen entwässern, sagt ein alter Wallfahrer-Geheimtipp. Franzbranntwein für die Gelenke verstaut Maier ebenso in seinem Pilgerrucksack, wie seinen Fotoapparat. Er ist der Chronist der Daßwanger Gruppe und hält jedes Jahr beim Wallfahrer-Nachtreffen einen Bildervortrag, den er mit  aktuellen Hits der jeweiligen Saison musikalisch untermalt. „Da investiere ich viel Zeit“, meint der Woffenbacher, für den die Wallfahrt heuer eine richtige Familienangelegenheit ist: „Wir sind sechs Geschwister. Von denen gehen heuer drei mit und von zweien schon wieder die Kinder.“

Auch Rita Heislbetz aus  Dietfurt ist schon oft zu Fuß nach Altötting gegangen. Irgendwann stellten sie und ihre Pilgerkameradin Agnes übereinstimmend fest, „dass uns auch Flüeli mal reizen würde“, erzählt Heislbetz. Der Premiere vor zehn Jahren folgten drei weitere Wallfahrten mit der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) der Diözese Eichstätt in die Heimat des heiligen  Bruder Klaus. Am 3. Juni ist es nun zum fünften Mal so weit.

Probepilgern mit KLB

Wer elf Tage hintereinander auf  Schusters Rappen unterwegs sein will, „der muss schon vorher was tun“, weiß Heislbetz. Und die 60-jährige sechsfache Großmutter tut so einiges für ihre Fitness. Seit fast 20 Jahren geht sie mehrmals pro Woche Walken. Vor dem Aufbruch nach Flüeli unternimmt sie außerdem regelmäßig drei- bis vierstündige Wanderungen in zackigem Tempo. Nicht zu vergessen der circa 30 Kilometer lange Probemarsch, zu dem sich die Flüeli-Pilger stets etwa vier Wochen vor dem Start treffen. Dennoch „hab’ ich die Wallfahrt nie vom Sportlichen her gesehen“, hebt die Mitarbeiterin des Dietfurter Franziskanerklosters hervor. Eher sei das Pilgern eine innere Kraftquelle. Ihren vor zweieinhalb Jahren verstorbenen Mann trägt sie im Herzen mit nach Flüeli, so wie sie es schon zu seinen Lebzeiten getan hat. Nach einem Autounfall körperlich beeinträchtigt, hatte der Ehemann selbst keine Fußwallfahrten mehr machen können. „Aber er war immer richtig stolz auf mich, dass ich es geschafft habe“, erzählt Heislbetz und erinnert sich, wie einmal nach ihrer Rückkehr aus Flüeli ein riesiger Blumenstrauß als Anerkennung auf dem Tisch stand.

Etwa 40 Frauen und Männer  aus dem Bistum Eichstätt ziehen heuer wieder zu Fuß in die  Schweiz. „Es ist immer eine  schöne Gemeinschaft“, weiß Heislbetz. Übernachtet wird in Turnhallen, Pfarrsälen, Kindergärten. Ein eigenes Küchenteam reist täglich voraus, um für die hungrigen Pilger ein warmes Abendessen in der Küche der jeweiligen Unterkunft vorzubereiten. Beim Frühstück am nächsten Morgen richtet sich jeder selbst seine Brote für den Tagesbedarf her. In Heislbetz Rucksack liegen außer dem Proviant auch Stirnband und Handschuhe für Pass-Überquerungen. „Da haben wir schon Schneemann gebaut“, erinnert sie sich.

In den Tagen vor dem Start steigt die innere Unruhe: Nichts Verkehrtes essen, was einem unterwegs im Magen liegen könnte. Und aufpassen, dass man sich nicht noch im letzten Moment den Knöchel verdreht. Wenn es dann um drei Uhr nachts Zeit ist, zum Abmarschort in Pfünz aufzubrechen, „dann zieh ich die Tür hinter mir zu“, erzählt Heislbetz, „und atme erst mal ganz tief durch“.

Von Illschwang nach Gößweinstein sind es zu Fuß 60 Kilometer. Die Pilger aus der Pfarrei St. Vitus, die heuer am 10. Juni um zwei Uhr nachts aufbrechen, bewältigen diese Strecke an einem einzigen Tag. Mittendrin: Rudolf Dürgner mit Familie. Der 55-Jährige war einer von drei Mitgliedern der Reservistenkameradschaft Illschwang, die die vergessene Wallfahrt 1985 wiederbelebt haben.

Generationswechsel

Seither hat er jedes Mal teilgenommen, davon einige Jahre als Pilgerführer. 2016 hat er dieses Amt an seine Tochter Cornelia weitergegeben. Die 22-Jährige hat schließlich seit ihrer Kindheit mitbekommen, was es vor einer großen Wallfahrt alles zu organisieren gibt. Da müssen zum Beispiel Wegegenehmigungen eingeholt werden, mit denen das Begleitfahrzeug offiziell gesperrte Wege im Staatsforst passieren darf. Im Wald findet auch die traditionelle Mittagsrast statt, für die die Reservistenkameradschaft ein Zelt aufstellt und aufkocht – nicht nur für die etwa 60 Fußwallfahrer, sondern auch für diejenigen, die mit dem Bus zum Mittags- Treffpunkt kommen.

Die Liste der Vorbereitungen ist aber noch länger: Warnwesten und Lampen für die Verkehrssicherung bereithalten, Batterien aufladen, Lautsprecher checken, Vorbeter einteilen, Urkunden und kleine Geschenke für die Ehrung langjähriger Teilnehmer nach dem abendlichen Gottesdienst am Ziel. Schon rund ein halbes Jahr, bevor sich die Pilger auf den Weg machen, muss ihr Besuch in Gößweinstein angemeldet werden. „Wir gehen ja zum Hauptfest am Dreifaltigkeitssonntag“, erläutert Rudolf Dürgner, „da kommen bis zu 26 Gruppen an, das muss koordiniert werden“.

Viel Lob gab es im vergangenen Jahr für die Premiere von Pilgerführerin Cornelia. Die packt in  ihren Rucksack neben polizeilichen Wegegenehmigungen und Sonnencreme auch ihr Gebetsmäppchen. Vorbeterin zu sein, habe einen Vorteil, lacht sie: „Da bemerkt man seine Wehwehchen gar nicht.“    

Gabi GessKirchenzeitung Nr. 23 vom 4. Juni 2017

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