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05.10.2018

Laienarbeit weltweit: Von der Kraft Ehrenamtlicher lernen

Dr. Bettina-Sophia Karwath nahm im Auftrag der Bischofskonferenz an einer Tagung im Vatikan teil.

Wie kann man die Laien stärker für ihre Berufung und besondere Sendung sensibilisieren, fördern und befähigen? Dieses Anliegen von Papst Franziskus griff jetzt das vatikanische Dikasterium für die Laien, die Familie und das Leben auf und lud Experten aus der ganzen Welt zu einer Tagung nach Rom ein.

 

Foto: va

Papst Franziskus bei den Delegierten aus aller Welt, darunter Dr. Bettina-Sophia Karwath vom Bischöflichen Ordinariat Eichstätt. Foto: va

Eine der beiden Delegierten, die die Deutsche Bischofskonferenz entsandt hatte, war Dr. Bettina-Sophia Karwath. Die promovierte Theologin und Referentin im Tagungshaus Schloss Hirschberg der Diözese Eichstätt hat heuer die Leitung der Abteilung für Fort- und Weiterbildung des pastoralen Personals in der Diözese Eichstätt übernommen.

Die dreitägige Konferenz im Vatikan befasste sich mit den Herausforderungen für die Bildung der Laien in verschiedenen Ländern, stellte Initiativen der einzelnen Bischofskonferenzen vor und gab Anregungen zu Ausbildungsprogrammen für Laien. Das Dikasterium ist eine Art vatikanisches Ministerium, das in dieser Form erst seit zwei Jahren besteht und unter anderem den Weltjugendtag organisiert. Zu wechselnden Themen werden einmal jährlich Bischöfe aus der ganzen Welt eingeladen. Dass bei dem Kongress nun auch Laien zu Wort kamen, „war eine absolute Premiere“, hebt Karwath im Gespräch mit der KiZ hervor.

Weltweit hatte das Dikasterium bei den nationalen Bischofskonferenzen für die Tagung geworben, mit eher verhaltener Resonanz. Aus ganz Europa waren nur drei Delegationen vertreten. „Insgesamt waren 15 unterschiedliche Länder beteiligt, von allen fünf Kontinenten“, berichtet die Eichstätter Theologin, die gemeinsam mit dem Priester Monsignore Dr. Michael Bredeck aus der Erzdiözese Paderborn vor knapp 50 Zuhörerinnen und Zuhörern die Situation in Deutschland beschrieb. Bredeck nannte konkrete Beispiele wie etwa Kurse für Ehrenamtliche im Beerdigungsdienst, wie es sie bereits in vielen deutschen Diözesen gebe. Seine Eichstätter Kollegin ging in ihrem Statement auf grundsätzliche Tendenzen ein, erläuterte das Bischofswort „Gemeinsam Kirche sein“ von 2015, das der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke mit erarbeitet hat. Sie gab zu bedenken, dass hierzulande nicht nur Priesterund Ordensberufungen drastisch zurückgingen, sondern dass in einer schrumpfenden Glaubensgemeinde auch immer weniger Laien als Hauptamtliche in der Kirche arbeiten wollten. Wobei dieser Status weltweit eine absolute Ausnahme sei: „Dass es bei uns bezahlte, hauptamtliche Laien gibt, haben die meisten gar nicht verstanden. Ohne den Einsatz haupt- oder ehrenamtlicher Laien im eigenen Bistum schmälern zu wollen, verweist Karwath auf weltweite Beispiele ehrenamtlicher Arbeit, die bei der Konferenz vorgestellt wurden und bei denen sie respektvoll gedacht habe: „Meine Güte, was die alles auf die Beine stellen!“

Was sie aus den Vorträgen und Gesprächen mitgenommen hat: „In anderen Ländern und Kontinenten steht die Arbeit der Kirche für die Gesellschaft weit mehr im Mittelpunkt als bei uns.“ Die Bereitschaft, „sich in weltliche und gesellschaftliche Probleme einzumischen“, sei groß. Beispiele seien etwa kirchliche Hilfsprojekte gegen Aids in Südafrika oder die Sorge um sozial schwache Familien inmitten der Pfarrgemeinde. Auf den Philippinen etwa sei dies „in einem ganz anderen Ausmaß als bei uns“ zu finden, ganz ohne Unterstützung durch professionelle Wohlfahrtsverbände.

Was ihr auch auffiel: Laien, die noch direkt an der Basis arbeiten, haben in vielen Ländern eine Interessenvertretung, die der Ebene der Bischofskonferenz gleichkommt. So sei etwa die Präsidentin eines solchen Gremiums aus Manila mit ihrem Bischof nach Rom gekommen. Überschattet worden sei die Konferenz vom Thema „Sexueller Missbrauch und Klerikalismus“, sagt Karwath. „Das ist ein weltweites Problem, von dem alle berichtet haben.“ 

Von ihren Erfahrungen in Rom wird die Theologin demnächst der Deutschen Bischofskonferenz berichten: Sie gehört als Beraterin der Kommission IV für geistliche Berufe und kirchliche Dienste an.

Gabriele Gess, Kirchenzeitung Nr. 40 vom 7. September 2018

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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 42 vom 21.10.2018

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