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20.05.2016

Mit den Firmlingen ins Fußballstadion

Was es bedeutet, einen Bundesliga-Erstligisten im Bistum zu haben, schwante den Organisatoren der Patrona Bavariae-Wallfahrt, als sie erfuhren: Am 7. Mai 2016 empfängt der FC Ingolstadt daheim die Münchner Bayern und tausende auswärtiger Fans. So wurde die zeitgleich geplante Wallfahrt nach Eichstätt verlegt.

Ministrantin Carina als Torfrau

Zweimal Carina Kirzinger: Die 15-Jährige ministriert regelmäßig in ihrer Ingolstädter Heimatpfarrei St. Augustin, wo sich auch das Stadion des FC Ingolstadt befindet. Carina unterstützt den Verein als Torfrau bei den U-16-Juniorinnen.

Generell aber, so erfuhr die KiZ von Insidern, sind die Berührungspunkte zwischen Profifußball und Kirche positiv. Allenthalben herrschte zum Saisonende Freude, wie souverän die Mannschaft den Klassenerhalt geschafft hat.

Fußball-Business

Dass die Punkte reichen würden, war noch nicht klar, als Rudi Schmidt, Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung Ingolstadt, den FCI-Präsidenten Peter Jackwerth als Gast eines Gesprächsabends über den Ingolstädter Bundesligaverein einlud. Jackwerth hatte 2004 die Fusion der beiden Ingolstädter Traditionsvereine ESV und MTV vorangetrieben. Anfangs, so erzählte er, habe es noch Probleme mit den anderen Vereinen in der Region gegeben, die Konkurrenz fürchteten. Doch mittlerweile sei das Verhältnis gut, denn über den FCI bekämen Nachwuchskicker aus der Region eine gute Ausbildung, was für die anderen Vereine nur von Vorteil sei. Generell warb Jackwerth für mehr städtische Zuschüsse für die Fußballjugend. Vergleichsweise schmal für einen Erstligisten sei der Geldbeutel des FC Ingolstadt, der Etat der Schanzer sei der zweitniedrigste in der Bundesliga.

Für Schmidt steht gleichwohl fest, dass in Ingolstadt „jetzt Schluss ist mit der Aufstiegsromantik“. Der Verein sei „im Haifischbecken“ des Profigeschäfts angekommen, Trainer-Transfers und Spieler-Verkäufe inbegriffen. Theologe Schmidt, der als Jugendlicher selbst gekickt hat, ist stolzer Besitzer gleich zweier Dauerkarten für die Spiele des FCI und lädt gern andere Fußballbegeisterte ein – auch immer wieder Geistliche. Zum Schlagerspiel gegen den FC Bayern durfte sein Patenkind mit einem Freund gehen – war Schmidt doch an diesem Tag bei der Patrona-Wallfahrt in Eichstätt.

Mini ganz groß

Auch Carina Kirzinger nimmt sich Zeit für den Sport und die Kirche. Die 15-Jährige ist nicht nur talentierte Fußballerin in einem Nachwuchsteam des FC Ingolstadt, sondern auch eine zuverlässige Ministrantin. Seit ihrer Erstkommunion leistet sie Altardienst in St. Augustin in Ingolstadt. „Ich ministriere immer Samstag abends“, erzählt die Realschülerin. Somit lasse sich dieses Ehrenamt gut mit den Fußballspielen verbinden, die normalerweise Samstag vormittags oder Freitag abends stattfinden. „Fußball ist für mich das Größte“, schwärmt Carina, die schon fast zehn Jahre im Verein kickt. Vom SV Manching wechselte sie zum FCI, wo sie bei einer Talentsichtung auffiel. Dass ihr Verein sich in der ersten Bundesliga gehalten hat, macht sie natürlich stolz. Und sie freut sich, wenn Profis wie Hinterseer oder Matip die Mädels von der U16 bei Begegnungen auf dem Trainingsgelände mit einem kollegialen Servus grüßen.

Pfarrer Erich Schredl, bei dem Carina ministriert, weiß das schöne neue Stadion des FCI zwar auf dem Territorium seiner Pfarrei, war aber erst einmal dort zu Gast: als er mit seinen Firmlingen eine Stadionführung unternahm. Dabei entdeckte er auch eine Statue des heiligen Luigi Scrosoppi (Patron der Fußballer) in der Kabine der Profis. Dass der Fankult im Fußball mitunter fast religiöse Züge annimmt, „das ist halt Teil unserer Kultur“, meint Schredl nüchtern. Und gewonnene Fußballspiele seien für die Anhänger „Glückshormon-Ausstoß-Veranstaltungen“. Persönlich freut er sich über den Erfolg der Ingolstädter, „weil ich ein gebürtiger Schanzer bin“.

Sein Mitbruder Martin Geistbeck, der die Ingolstädter Pfarrei St. Pius leitet, ist hingegen als gebürtiger Nürnberger im Herzen ein „Clubberer“ geblieben. Schon als Kind „bin ich mit dem Papa mit Fähnchen und Schal ins Stadion gegangen“. Weil Geistbeck aber kein fanatischer Fan ist, gilt sein Wohlwollen auch dem FCI, den er heuer bei zwei Heimspielen angefeuert hat. Dabei traf er auch Trainer Ralph Hasenhüttl, dessen Abschied er „sehr schade“ findet.

Sport und Pädagogik

Viel Ahnung von der Kirche haben die beiden hauptamtlichen Fanbetreuer des FCI: Sowohl Sebastian Wagner (34) als auch sein zehn Jahre jüngerer Kollege Vincent Ludwig haben in Eichstätt Religionspädagogik studiert. Wagner schrieb seine Diplomarbeit übers Pilgern und hat dazu eine Wallfahrt auf dem St. Rupertus-Weg im Salzburger Land begleitet. Deshalb war es ihm auch ein Leichtes, die „Schanzer Wallfahrt“ des FCI zum Kloster Scheyern am Pfingstwochenende vorzubereiten. Im Gespräch mit dem Scheyerner Fanclub war die Idee 2015, als der Aufstieg gelang, entstanden. Die jetzige Wallfahrt hätte auch bei einem Wiederabstieg stattgefunden, meint Wagner. Dass die Saison ohne schlimme Unfälle verlief, sei auch ein Grund zu danken. Die pädagogischen Kenntnisse, die sie im Studium erworben haben, helfen den FCI-Mitarbeitern auch im Umgang mit Fans. Ludwig bietet zum Beispiel ein Gewaltpräventionstraining für Jugendliche an und plant mit ihnen eine Gedenkstätten-Fahrt nach Dachau.

Gabi Gess, Kirchenzeitung Nr. 21 vom 22. Mai 2016

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