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09.08.2019

„Momentan ist vieles in Bewegung“ Das von Eichstätt unterstützte Pastoral- und Sozialzentrum in Bugendana boomt

So eine Hitze“, ruft Abbé Privat Nduhirubusa, und das will etwas heißen. Denn das Heimatland des Geistlichen, der derzeit im Eichstätter Priesterseminar wohnt und Urlaubsaushilfe im Bistum leistet, ist der afrikanische Staat Burundi. Nduhirubusa, der in Eichstätt studiert hat, leitet seit 2017 die Pfarrei Bugendana in der Erzdiözese Gitega, wo seit 2012 mit Unterstützung der Diözese Eichstätt das Sozial- und Pastoralzentrum St. Willibald und Walburga entsteht.

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Nicht nur bei der Firmung ist die Kirche von Bugendana mit Leben erfüllt. Auch zur regulären Sonntagsmesse füllen tausende von Gläubigen das mit Eichstätter Hilfe erbaute Gotteshaus, erzählte Pfarrer Abbé Privat Nduhirubusa Foto: pf

Wie es mit dem Ausbau vorangeht und wie die neuen Möglichkeiten genutzt werden, berichtete Abbé Privat bei einem Redaktionsbesuch in der KiZ. 

 

Tausende feiern

In ganz Burundi gebe es keine Kirche, die von der Größe her an das neue Gotteshaus von Bugendana herankommt, berichtet Nduhirubusa. Die vor rund drei Jahren eröffnete Kirche fasse bis zu 8.000 Menschen und sei bei den Sonntagsmessen um 7.30 Uhr regelmäßig voll. Für die 25.000 Gläubigen der Pfarrei stehen weitere sieben Filialkirchen zur Verfügung, aber durch den Bau der großen Pfarrkirche hätten für viele die weiten Wege zum Gottesdienst und Sakramentenempfang ein Ende, freut sich der Pfarrer. 

Am Sonntag vor seiner Abreise nach Bayern hat er noch 38 Taufen gehalten. Heuer in der Osternacht waren es 600, was „schon ein bisserl gedauert“ habe. Die Gemeinde trägt ein junges Antlitz: 70 Prozent der Einwohner Burundis seien unter 25 Jahre alt, berichtet Nduhirubusa. Andererseits erreichten nur die wenigsten das 70. Lebensjahr. Um die medizi-nische Versorgung zu verbessern, war das neue Gemeindezentrum Bugendana von vornherein mit Gesundheitsstation geplant worden. Nun ist daraus ein richtiges  Krankenhaus geworden, das heuer im Februar eingeweiht wurde. „Seither sind die Menschen in Strömen gekommen“, berichtet Abbé Privat. Viele suchten bei der kirchlichen Einrichtung nicht nur ärztlichen, sondern auch seelischen Rat. Der Vollausbau zur Klinik geschah auf höchstpersönliche Anweisung des Präsidenten von Burundi, was wiederum dem guten Ruf des neuen Pastoralzentrums von Bugendana geschuldet war: Weil der dortige Pfarrsaal der größte Versammlungsraum in der ganzen Region ist, wählte ihn der Präsident für ein Treffen mit Kommunalpolitikern – und stellte fest, welche Möglichkeiten in der geplanten Gesundheitsstation steckten. Der Haken dabei: Für die zusätzlichen Aufwendungen, wie etwa einen zweiten Operationssaal oder ein Ultraschallgerät, gab es keinerlei staatliche Zuschüsse. Umso dankbarer ist Abbé Privat für die Unterstützung durch das Eichstätter Referat Weltkirche. Er selbst geht routinemäßig jeden Abend durchs neue Krankenhaus und steht für Gespräche zur Verfügung, ebenso wie die sieben Ordensfrauen, die mittlerweile das neue Schwesternhaus bezogen haben. „Sie sind total engagiert“, lobt der Pfarrer und berichtet, dass sich bereits weitere Frauen und Männer aus der Pfarrei Bugendana für den Ordensstand entschieden haben. „Pastoral ist momentan vieles in Bewegung“, sagt er. 15 Gruppen hätten sich bereits in der Pfarrei gebildet, zum Beispiel zur Ehevorbereitung. „Befähigung der Laien“ ist im Bistum Eichstätt ein großes Thema. In Burundi, wo es den Beruf des Pastoralreferenten nicht gibt, „da können wir gar nicht anders“, sagt Abbé Privat. Schon sein Vater, der sich seit 40 Jahren ehrenamtlich in seiner Pfarrei engagiert, ist auf die Katechistenschule gegangen.

 

Leuchtturmprojekt

Hohen Stellenwert hat die Kinder- und Jugendarbeit. Zum Pastoral- und Sozialzentrum gehört auch eine Volksschule, wie es sie immer noch nicht in ausreichender Zahl im Land gibt. Deshalb sind Klassen mit 60 Schülern keine Ausnahme. Um das Selbstwertgefühl der Kinder und Jugendlichen zu stärken, bietet die Pfarrei die Möglichkeit, Fußball, Basketball oder Volleyball zu spielen. Bälle und Trikots, die Abbé Privat aus Eichstätt mitbringt, sind heiß begehrt und werden auch an andere Gemeinden weitergegeben. Denn, so stimmt Nduhirubusa mit Eichstätts Weltkirchereferent Dr. Gerhard Rott überein, Bugendana soll keine isolierte „Wohlstands-Insel“ werden. „Wir tun sehr viel für die Entwicklung in allen Teilen des Landes“, verweist Rott auf die Partnerschaft der Diözese mit ganz Burundi. Gleichwohl sei Bugendana ein Leuchtturmprojekt. Stolz ist Rott etwa auf ein gerade laufendes Wiederaufforstungsprojekt. Das Pastoral- und Sozialzentrum soll noch um zwei Bildungseinrichtungen erweitert werden: ein Gymnasium, mit dessen Bau wohl noch heuer begonnen wird, und ein Berufsbildungszentrum.

Bugendana hat harte Zeiten erlebt: Eines der schlimmsten Massaker im Bürgerkrieg zwischen Hutu und Tutsi fand dort statt. Menschen, die das Gebiet noch aus dieser Zeit kennen, „besuchen heute unser Zentrum“, erzählt Abbé Privat, „und staunen.“

Gabi Gess


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 32/33 vom 11. und 18. August 2019

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