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08.06.2018

Pendler zwischen Anden und Altmühl

Weihbischof Adolf Bittschi aus Bolivien hält als Firmspender Kontakt mit der Heimatdiözese Eichstätt.

Ankunft UX1515 MAD MUC 09.40“ steht im Terminplan von Adolf Bittschi. Vielflieger können daraus ersehen, dass der Eichstätter Diözesanpriester und Weihbischof von Sucre (Bolivien) in Madrid zwischengelandet und nach München weitergeflogen ist.

 

Foto: T. Guttenberger

Besuch am Habsberg: Weihbischof Adolf Bittschi zelebrierte dort an Pfingsten mit Wallfahrtsrektor Dekan Elmar Spöttle. Foto: T. Guttenberger

Seit Anfang Mai weilt Bittschi nun in seinem Heimatbistum. Der 67-Jährige ist im Auftrag von Bischof Gregor Maria Hanke als Firmspender unterwegs und nutzt die Gelegenheit, über ein Land zu berichten, in dem große Teile der Bevölkerung in Armut leben.

Missionar seit 1983

Geboren in Ingolstadt, zog Polizistensohn Bittschi mit seiner Familie 1962 nach Eichstätt und schlug dort Wurzeln. Nach der Priesterweihe 1977 und sechs Jahren Kaplanszeit wurde er freigestellt für den Einsatz in Bolivien, wo bereits weitere Eichstätter Priester wirkten (siehe Beitrag S. 5). Er ging auf in seiner Rolle als Seelsorger einer Landgemeinde. Nur alle drei Jahre flog er in seine alte Heimat Bayern. Seit er vor zehn Jahren zum Weihbischof der Erzdiözese Sucre ernannt wurde, kommt er jedes Jahr als Firmspender nach Eichstätt. Mehr als einmal pro Jahr ist er aber seit 1983 nur in wenigen Ausnahmefällen über den Atlantik geflogen: Zur Bischofsweihe in Eichstätt etwa, zur letzten Audienz von Papst Benedikt im Vatikan, oder zur Sternsingeraussendung in Eichstätt, als das Beispielland Bolivien lautete. Als Gnade empfindet es der Geistliche, dass er bei beiden Eltern noch rechtzeitig am Sterbebett eintraf, um Abschied nehmen zu können.

„Deutschland ist halt ein bisschen abgelegen“, lächelt Bittschi. Und Sucre mit seinen 300.000 Einwohnern ist zwar die nominelle Hauptstadt von Bolivien, aber von dort aus gibt es keinen Direktflug nach Europa. Also muss Bittschi jedes Mal zunächst einen Inlandsflug zur Dreimillionen-Metropole Santa Cruz im Tiefland von Bolivien antreten, ehe er von dort aus nonstop nach Madrid fliegen kann. Mit dem Bus würde die Fahrt von Sucre nach Santa Cruz 16 Stunden dauern, berichtet er.

„... lasst mich durch!“

Für Bittschi, der als Landpfarrer seine entlegenen Filialgemeinden oft nur mit dem Maultier erreichen konnte, ist die Fliegerei längst Routine geworden. Nur einmal, vor wenigen Jahren, erlebte er gleich zwei Zwischenfälle hintereinander. Der erste Flieger musste umkehren, weil die Druckverhältnisse an Bord nicht stimmten, der zweite wegen schlechter Sicht. Heuer hingegen gab es auf der Fahrt zum Flughafen Probleme. Schuld waren die Straßensperren in Sucre, Ausdruck des Protests der Opposition gegen eine weitere Amtszeit von Regierungschef Evo Morales.

Bittschi versteht die Empörung der Bevölkerung: „Wir leben in einer Diktatur“, verweist er auf fehlende Gewaltenteilung und auf eine Auslegung des Gesetzes, „wie es dem Präsidenten gerade passt“. Der Weihbischof, der als katholischer Würdenträger dem Staatschef ein Dorn im Auge ist, hat selbst schon bei der Errichtung solcher Straßensperren mitgemacht. Auf dem Weg zum Airport sollten sie sich aber als Hindernis erweisen. Eigentlich hatte Bittschi für die Zeit seiner Abreise mit einer Lockerung der Kontrollen gerechnet, doch das Gegenteil war der Fall. Nachdem die Straßen für Autos komplett unpassierbar waren, nahm er kurzfristig das Angebot eines Bekannten aus einem Gebetskreis an: Sein Sohn würde ihn mit dem Motorrad zum Flughafen bringen. Mit Mütze, Windjacke, Handkoffer in der einen und Reisetasche in der anderen Hand nahm Bittschi als Sozius auf der geländegängigen Enduro Platz. Den Kontrollposten rief er zu: „Lasst mich durch, ich bin der Padre. Ich muss in Deutschland bei den Firmungen helfen.“

Neunmal steht Bittschi heuer im Firmkalender des Bistums Eichstätt. Den Plan bekommt er jeweils bereits im Herbst des Vorjahres zugesandt. Für den Weihbischof, dessen festes Quartier bei seinen Gastaufenthalten das Eichstätter Priesterseminar ist, bedeutet das Spenden des Sakraments oft auch eine Rückkehr zu seinen eigenen Wurzeln.

In Lauterhofen etwa, wo er nächste Woche Firmspender ist, war er früher Kaplan. In Wettstetten, wo er tags darauf zum Gottesdienst kommt, wohnt sein Bruder mit Familie. Nach Möglichkeit stellt Bittschi sich seinen Firmlingen schon vorab bei einem Begegnungsnachmittag vor und erzählt von seiner Arbeit in Bolivien, wo die junge Generation noch so stark bei den Heiligen Messen vertreten ist, dass diese fast automatisch zu Jugendgottesdiensten werden. Aber auch in Deutschland trifft Bittschi immer wieder auf Jugendliche, die am Glauben Interesse zeigen „und interessante Fragen stellen“. So wollte ein Firmbewerber von ihm wissen, was ihn an Jesus begeistere: „Da hab’ ich g’schaut!“ Gefreut hat er sich, als ihm jetzt die Denkendorfer Firmlinge 250 Euro für seine Arbeit in Bolivien überreichten. Das Geld stammte aus dem Verkauf selbst bedruckter Taschen.

Trauungen und Taufen

Natürlich stehen für den Diözesanpriester, dessen Eltern in Wellheim beerdigt sind, auch private Termine, Trauungen, Taufen im Verwandtenkreis, auf dem Programm. Per E-Mail lässt sich das heute problemlos vorher absprechen. Aber das war nicht immer so. „15 Jahre lang war das nächstgelegene Telefon 265 Kilometer weg“, erinnert sich Bittschi. 

Diesen Sonntag tauft er in Schernfeld den Enkel von Peter Schuster. Der hatte auf einem Motorradtrip durch Bolivien die Arbeit Bittschis kennengelernt und sammelt seither Spenden dafür. Beim jüngsten Reisevortrag in der Eichstätter Dompfarrei konnte der Weihbischof selbst mit dabei sein und Danke sagen für jede Unterstützung in Form von Gebet als auch von Zuwendungen für die kirchlichen Hilfswerke. So entsteht in Surce gerade in Zusammenarbeit mit Adveniat ein Palliativ-Krankenhaus, das erste seiner Art in ganz Bolivien.

Gerne würde Bittschi wieder einmal die Willibalds-Festwoche in Eichstätt mitfeiern. Aber er wird in seiner neuen Heimat gebraucht, wo im Juli der gesamtamerikanische Missionskongress stattfindet. Er sitzt dabei in der theologischen Kommission. Am 8. August jährt sich dann zum zehnten Mal der Tag seiner Bischofsweihe. „Ich habe nicht vor, groß zu feiern“, sagt er. Eine Art vorzeitiges Geschenk hat er sich bereits in diesen Tagen gemacht: Eine Wallfahrt nach Fatima. Das erste Mal besuchte er den portugiesischen Wallfahrtsort vor 35 Jahren, kurz vor seiner Ausreise nach Bolivien. Beim zweiten Mal, 2017, begleitete er eine Wallfahrt des Bayerischen Pilgerbüros anlässlich des 100. Jahrestags der Erscheinungen. „Nach der Rückkehr haben sie mich gleich gebeten, wieder eine Reiseleitung zu übernehmen, berichtet der große Verehrer der Mutter Gottes von Fatima, zu dessen festem Besuchs- programm auch die Teilnahme am Fatimatag in Wemding gehört. 

Zurück von der einwöchigen Pilgerreise, ging es für Bittschi gleich weiter mit dem nächsten Firmvorbereitungstreffen. Für den 19. Juni lautet der Eintrag dann: „19.25 MUC MAD 22.15“. Was nichts anderes heißt, als: Weihbischof Bittschi fliegt wieder heim nach Bolivien. 

Gabi Gess, Kirchenzeitung Nr. 23 vom 10. Juni 2018

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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 32/33 vom 12./19.08.2018

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