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25.05.2018

Pflegen, was der Pfarrer pflanzte

Franz Federl liebte seinen „Kühbichl“ – Jugend der Pfarrei Böhmfeld hilft beim Wiederaufforsten.

 

Als er 2011 Pfarrer in Böhmfeld wurde, erkundete Anton Schatz auf einem Rundgang auch ein Waldstück, das der Kirchenstiftung gehört. Die Försterin, die ihn begleitete, war voll des Lobes: Wächst doch am „Kühbichl“ im Nordosten von Böhmfeld keine Fichten-Monokultur, sondern ein Mischwald mit einer großen Vielfalt an Laubbäumen.

Foto: pde/Olivares

Ein Vorgänger von Böhmfelds Pfarrer Anton Schatz (r.) legte einst den Pfarrwald am Kühbichl an, den Reinhard Strehler (l.) von der Kirchenverwaltung jetzt mit Jugendlichen aufforstete. Foto: pde/Olivares

Was heute als Musterbeispiel für nachhaltige Forstwirtschaft gilt, hat einer von Schatz’ Amtsvorgängern bereits vor Jahrzehnten geschaffen: Franz Federl war nicht nur fast 60 Jahre lang Seelsorger in Böhmfeld, sondern auch ein vorausschauender Waldbauer. Die Erinnerung daran wurde wach, als jetzt Pflege- und Wiederaufforstungsarbeiten im Wald zu erledigen waren, bei denen Jugendliche aus der Pfarrei kräftig mit anpackten.

Einst Ödland

„Wenn Ihr mal Kinder habt, könnt Ihr sagen: Da hab’ ich vor vielen Jahren beim Pflanzen geholfen“, lobte Reinhard Strehler die zwölf- bis 17-Jährigen. Strehler kümmert sich als Mitglied der Kirchenverwaltung um den Kühbichl. Letzten Winter zum Beispiel hat er mit seinem Bruder und seinem Neffen Bäume herausgeholt, die vom Wind gefällt oder vom Borkenkäfer befallen waren. Dabei entstand die Idee, die Lücken im Baumbestand mit Hilfe der Pfarrjugend wiederaufzuforsten.

Fachkundige Unterstützung kam von Michaela Beck. Die 36-jährige Böhmfelderin, eine ausgebildete Realschullehrerin, hat in eine Land- und Forstwirtschaft eingeheiratet und absolviert jetzt nebenbei ein Studium der Forstwissenschaften in Freising. In ihrer Freizeit hilft sie bei der Betreuung der Böhmfelder Ministranten. Beck kann sich gut erinnern, wie Pfarrer Federl noch in hohem Alter mit seinem alten Kreidler-Moped in den Wald hinausfuhr. „Der Kühbichl, das war der schönste Ort für ihn“, erzählt sie. Nachzulesen ist dies auch in Federls Lebenserinnerungen, die er unter dem Titel „Im Steinacker Gottes“ niedergeschrieben hat. Darin berichtet er, wie er 1950 eine Obstplantage anlegte, deren Ertrag zur Finanzierung des Kindergartens dienen sollte. Als weitere Erwerbsquelle wollte er auf einer pfarreieigenen Magerrasenfläche am Rand des Kühbichls ein Stück Nutzwald kultivieren. „Als ich mich am Abend auf einen der dortigen Felsblöcke setzte, um auszuruhen, kam unten der Mojerbauer vorüber und rief herauf: ‚Meinen Platz daneben schenke ich Ihnen, wenn Sie ihn aufforsten‘. Wir beide
lachten wie über einen Witz, weil jeder wusste, dass auf dem steilen und steinigen Südhang kein Wald durchzubringen ist.“

Raupen und Käfer

Und doch war Federls Ehrgeiz geweckt: In Eichstätt kaufte er sich ein Buch über Ödlandaufforstung und begann mit der Aufforstung, unterstützt durch fleißige Frauen aus der Pfarrei und mitunter auch durch Schulkinder. Immer mehr vertiefte er seine Kenntnisse im Waldbau, studierte Fachbücher über Düngung und Schädlingsbekämpfung. Als 1970 Massen von Raupen seine Kiefern kahlzufressen drohten, sammelte er mit seiner Pfarrhaushälterin Theres Buchberger die Plagegeister per Hand ein: „Wir hängten uns einen Plastikeimer um den Hals und zogen Gummihandschuhe an. Mit der linken Hand bogen wir einen Zweig mit Raupen über den Eimer, hieben mit der rechten darauf.“

Der Geistliche war auch ein begeisterter Imker. Seine 50 Bienenvölker fanden am Kühbichl einen reich gedeckten Tisch: Weiden und Wildkirschen, Roterlen und Silberpappeln, Bergahorn und Lärchen. Auch Blumen ließ Federl für seine Bienen wachsen. Märzenbecher oder Maiglöckchen findet man noch heute am Waldrand. Aufmerksame Wanderer entdecken auch Nisthöhlen von Spechten in alten Birkenstämmen.

Was in jüngerer Zeit aber auch offensichtlich wurde, waren kahle Stellen im Wald. „Der Käfer öffnet den Bestand und dann fährt der Sturm ein“, erklärt Beck die Schäden. „Das ist in den letzten fünf Jahren immer schlimmer geworden.“ Weil am Kühbichl aber nur wenige Fichten zwischen den Laubbäumen stehen, hält sich der Schaden in Grenzen. Bei der Wiederaufforstung wurden nun neben 1.500 Buchen auch 100 Tannen, 100 Erlen, 50 Eiben und 50 Birken gepflanzt. Letztere werden vielleicht schon bald gebraucht: „In zehn Jahren“, sagt Beck, „können wir die für die Fronleichnamsprozession holen“.

Gabi Gess, Kirchenzeitung Nr. 21 vom 27. Mai 2018

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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 42 vom 21.10.2018

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