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06.04.2018

Radikaler ökologischer Wandel

Der Politiker und Katholik Josef Göppel und „Laudato si’“.

 

Teilnehmer aus allen Erdteilen kamen Anfang März zu einer Konferenz an der Päpstlichen Universität Gregoriana zusammen, die sich mit dem „radikalen ökologischen Wandel nach ‚Laudato si’„ befasste.

Foto: Heberling

Engagierter Umweltpolitiker: Josef Göppel aus Herrieden war bis 2017 Mitglied des Bundestages. Foto: Heberling

Eingeladen war etwa ein Team der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler, das schon unterschiedlichste Projekte zur Umweltenzyklika durchgeführt hat. 

Für den ehemaligen CSU-Bundestagsabgeordneten Josef Göppel aus Herrieden wurde wahr, was er und eine Reihe von Mitstreitern schon vor drei Jahren beim Erscheinen des Papstschreibens ins Auge gefasst hatten: die Übergabe eines Diskussionspapiers an den Heiligen Vater, das die Spitzen der deutschen Umweltverbände nach der Lektüre der Enzyklika verfasst hatten. Unter dem Titel „Verantwortung im Zeitalter des Menschen“ sahen sie die Menschheit angesichts des Zuwachses an technisch ökonomischer Macht und dem Überschreiten „planetarer Grenzen“ vor die Alternative gestellt: „Selbstvernichtung oder sozial-ökologische Transformation“.

„Die Thesen der Enzyklika waren für uns nicht neu“, meint Josef Göppel im Gespräch mit der KiZ, „das meiste war vor acht, zehn Jahren schon in der internationalen Umweltbewegung formuliert worden“. Das Bedeutende seien der Absender und die von ihm gewählte Sprache gewesen: „Franziskus benennt in aller Schärfe und doch zugleich in einer liebenden Sprache gegenüber allen Irrenden die Fehlentwicklungen, spricht von der Diktatur des Kapitals, der Vergötterung der Finanzmärkte“. „Laudato si’“ habe „eine Basis und eine Sprache, die auch Leute herausfordert, mitzudenken und mitzutun, die keine besondere Nähe zur Religion haben“. 

In den Thesen des Papiers habe jeder der vier großen Verbände, BUND, NABU, die Deutsche Umwelthilfe und die Dachorganisation Deutscher Naturschutzring, „das Anliegen aus seiner Sicht aufgegriffen, Erfahrungen mitgeteilt und Perspektiven formuliert“. Vor allem sei man auf die verstärkt zu beobachtenden Fluchtbewegungen nach Europa eingegangen, erklärt Göppel. Der Zusammenhang von Migration und Umweltfragen sei, ähnlich wie bei den Themen Entwicklungszusammenarbeit und Ökologie, etwas, das in der europäischen Öffentlichkeit nicht so wahrgenommen würde, wie seine Brisanz es erforderte. In Rom seien Umwelt und Flucht Thema mehrerer Referate gewesen.

Das Bündnis um Göppel wird weiterbestehen und -arbeiten, die Enzyklika „in die Projektarbeit der Verbände einbeziehen, ihre Thesen verbreitern und ins allgemeine Bewusstsein bringen“. Man wolle die in Brüssel akkreditierten Dachorganisationen, den europäischen Rat und die Regierungen miteinbeziehen, um in den Mitgliedsstaaten das abzurufen, was in dieser Sache schon angelegt und erreicht wurde. „Die großen Ideen der Zeit werden nicht in den Parlamenten geboren, sie dringen von außen in die Parlamente ein“, ist sich Göppel nach vielen Jahrzehnten durchaus erfolgreicher parlamentarischer Arbeit mittlerweile sicher.

In Deutschland gebe es ein Interesse quer durch alle Fraktionen meint Göppel, auch wenn er „mit Schmerzen Schwachstellen in den Koalitionsvereinbarungen“ sieht und die handelnden Personen den Eindruck müder Krieger“ machten: „Der gesamt Vertrag hat den Geist der Abarbeitung einer Summe von Kleinigkeiten, kein geschlossener Wurf, kein roter Faden“.Aber auch innerkirchlich dürfe die Auseinandersetzung mit der Umweltenzyklika nicht nachlassen. Hier müssten sich nicht nur die Bischöfe mit größerer Deutlichkeit als bisher positionieren. Die Pfarreien hätten „das allergrößte Defizit“. Die meisten Veranstaltungen zu „Laudato si’“ seien in den Agenda 21-Gruppen, und Eine Welt-Gruppen gelaufen. Die neugewählten Pfarrgemeinderäte hätten da „eine vornehme Aufgabe, wenigstens in jeder Pfarrei einmal eine Veranstaltung zur Enzyklika zu machen“.

Zum Beispiel Burundi ...

Die Frage nach einer menschlicheren Globalisierung, „weg von den zentralistischen Großstrukturen, hin zu den regionalen Wirtschaftskreisläufen“ beschäftigt Göppel auch als „Energiebeauftragter des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für Afrika“. Im Auftrag des Bundesministers Gerd Müller begleitet Göppel konkrete Projekte, die Strukturen schaffen sollen, die „Zukunftsperspektiven für tüchtige junge Menschen bieten“, beschreibt Göppel seine Tätigkeit. Unter den drei konkreten Projekten, die Göppel auch bei Reisen nach Afrika in Augenschein nimmt, befindet sich auch ein Ausbildungszweig Elektrotechnik an der landwirtschaftlichen Berufsschule in Bugendana. Hierzu hält der Eichstätter Diözesane enge Verbindung mit dem Weltkirchereferat seines Heimatbistums. 

Michael Heberling, Kirchenzeitung Nr. 14 vom 8. April 2018

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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 50 vom 16.12.2018

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