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02.08.2019

Rückbesinnung auf Gründer Vor 1.000 Jahren wurde der Eichstätter Bischof Gundekar II. geboren

Die Wohnungs- und Siedlungsbaugesellschaft mbH der Diözese Eichstätt, das St. Gundekarwerk, startete in eine neue Ära der Öffentlichkeitsarbeit: Der Bericht über das 65. Geschäftsjahr 2018 war der letzte, der in gedruckter Form versandt wurde. Künftig wird der jeweilige Geschäftsbericht auf der Webseite im Netz nachzulesen sein und zum Download bereitstehen. Diese Neuerung fällt in das Jubiläumsjahr des Patrons des Werks, Bischof Gundekar II., der am10. August vor 1.000 Jahren das Licht der Welt erblickte und dessen Regierungszeit von neuen Ideen geprägt war. Herkunft und Geburtsort des 18. Eichstätter Oberhirten sind nicht bekannt.

Bischof Gundekar II. ist Patron des St. Gundekar- Werk Eichstätt.

Bischof Gundekar II. ist Patron des St. Gundekar- Werk Eichstätt. Das moderne Signet des Wohnungs- und Städtebaugesellschaft mbH zeigt ihn mit seinem berühmtesten Bauwerk, dem Eichstätter Dom. Foto: St. Gundekar-Werk

Wahrscheinlich stammte Gundekar aus einer in der Regio Eichstätt sitzenden Adelsfamilie, die im Ries oder im Sualafeld begütert war. Seine Ausbildung erhielt er an der Domschule in Eichstätt bei dem von Bischof Heribert geschmähten Magister Gunderam. Mit 26 Jahren wurde der junge Adelsspross als Nachfolger seines Verwandten Bischof Egilbert von Passau Hofkaplan der Kaiserin Agnes. 

 

Glanzepoche Eichstätts 

Die Herrscherin dürfte Gundekar auch als Nachfolger Bischof Gebhard I. von Eichstätt vorgeschlagen haben, der von 1042 - 57 Nachfolger des heiligen Willibald und 1055/57 als Viktor II. Nachfolger des heiligen Petrus war. Die Nachfolge ging rasch über die Bühne, so berichtet uns der Geschichtsschreiber Anonymus von Herrieden, dass der in der Kaiserpfalz Tribur neuernannte Bischof Gundekar gleichzeitig mit den Boten aus Italien in Eichstätt eintraf, die den Tod Gebhards bekanntmachen wollten.

Am 20. August 1057 erfolgte die Investitur Gundekars mit dem Ring als Bischof von Eichstätt, am 5. Oktober wurde er in Speyer mit dem Hirtenstab in sein Amt eingeführt und am 17. Oktober inthronisiert. Zum Bischof geweiht wurde er schließlich in Königspfalz Pöhlde bei Duderstadt am 27. Dezember. 

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger richtete Gundekar sein Hauptaugenmerk nicht auf die Politik, sondern auf die Reform. Für ihn war Papsttum und Königtum eine Einheit. Es ging um die Seelen seiner Diözesanen und deswegen sorgte er sich um die Seelsorge und hier vor allem um eine gültige Vermittlung des sakramentalen Heils. Zeugnis dafür geben bis heute das von ihm 1071/72 angelegte „Liber Gundekarii“, das sogenannte Gundekarianum, und der von ihm durchgeführte Dombau. Das Gundekarianum enthält als Hauptteil ein Pontifikale, also einen liturgischen Teil mit Vorschriften und Gebeten, dazu noch Listen von Bischöfen, die aus dem Eichstätter Domkapitel hervorgingen, von verstorbenen Eichstätter Domkanonikern und Bischöfen, die während der Regierungszeit Gundekars gestorben waren. Seine Sorge um den Ausbau der Kirche belegt in diesem Prachtkodex die Liste der 126 Kirch- und Altarweihen, die der Eichstätter Oberhirte spendete oder an denen er mitwirkte, wie beispielsweise bei der Weihe des Domchors in Speyer 1061 oder die der Augsburger Kathedrale 1065.

Sein größtes Bauvorhaben war der Wiederaufbau der Eichstätter Bischofskirche, deren Ostchor sein Vorgänger Gebhard noch hatte abreißen lassen. Ganz im Gegensatz zu Reginold und Heribert ließ Gundekar die Kathedrale genau an der Stelle der unter Willibald errichteten Kirche erbauen. Um seine Idee beim Dombau in Stein umsetzen zu können, nahm Gundekar sogar in Kauf, dass sein Neubau mit seiner Doppelchor-Anlage altmodisch war. Denn Kathedralen mit Ost-und Westchor waren seit Jahren aus der Mode, seit den Saliern wurden Dome mit Westeingang gebaut. Gundekar aber musste einen Westchor an den Dom anbauen lassen, um das Grab des heiligen Bistumsgründers wieder einzubinden.

Durch sein am Dom verwirklichtes Bauprogramm machte der 17. Nachfolger des heiligen Willibald deutlich, dass sich Eichstätt an seinem Gründer orientierte, der zudem als Bischof von königlichem Blute die Einheit von Priestertum und Herrschaft in seiner Person perfekt vereinte. Nach 18 Regierungsjahren, der Glanzepoche Eichstätts, starb Gundekar am 2. August 1075.

Klaus Kreitmeir


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 49 vom 08. Dezember 2019

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