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03.06.2016

„Siegeswille, aber keine bösen Fouls“

Bei der Bayerischen Fußballmeisterschaft der Seelsorger in Eichstätt verteidigt Augsburg den Titel. Das Durchschnittsalter der Spieler liegt beim Fußball-Bayernligisten VfB Eichstätt laut Statistik bei knapp 24 Jahren. Viele der Aktiven, die sich am Montag nach Fronleichnam auf dem Sportgelände des VfB warmlaufen, sind hingegen mehr als doppelt so alt.

Möge die Meisterschaft beginnen! Die Teams vor dem Start des Tuniers. Die Eichstätter Mannschaft wurde von Franz Geitner (4. v. l., in Gelb) angeführt. Rechts neben ihm der ranghöchste Geistliche auf dem Spielfeld, der Regensburger Domkapitular Thomas

Möge die Meisterschaft beginnen! Die Teams vor dem Start des Tuniers. Die Eichstätter Mannschaft wurde von Franz Geitner (4. v. l., in Gelb) angeführt. Rechts neben ihm der ranghöchste Geistliche auf dem Spielfeld, der Regensburger Domkapitular Thomas Pinzer. Foto: Gess

Sie gehören den sieben bayerischen Seelsorge-Fußballmannschaften an, die in Eichstätt ihren Meister ermitteln. In jedem Team, so verlangen es die Regeln, müssen mindestens drei Priester, Diakone oder Ordensleute spielen.

Seit 1994 gibt es den Wettbewerb. Die bayerischen Bistümer wechseln sich bei der Ausrichtung ab, Eichstätt ist zum vierten Mal Gastgeber. Sechsmal hat es den Sieg-Pokal geholt. Einige Spieler aus der Anfangszeit sind heute noch dabei: Priester wie Elmar Spöttle, oder Pastoralreferenten wie der amtierende Mannschaftskapitän Georg Brigl oder Franz Geitner, der das Turnier in Eichstätt organisiert hat. „Es haben schon immer Laien und Priester gut und erfolgreich zusammengespielt“, berichtet Geitner. „Es ist immer eine freundschaftliche, heitere Atmosphäre, bei der aber auch Einsatz zu spüren ist.“

Sabine Greineder und Nina Föckersperger aus der Diözese Passau können das bestätigen. Die Gemeindereferentin in Vilshofen und die Mitarbeiterin im Bischöflichen Schulreferat gehören zu den wenigen Frauen, die bei den Klerusmeisterschaften mitkicken. Die Männer nähmen den Wettbewerb immer so ernst, lachen die zwei Hobbyfußballerinnen. Hubert Solfrank aus der Eichstätter Mannschaft meint dazu: „Wir wollen keine bösen Fouls haben, aber ein gewisser Siegeswille ist schon da.“ Der Ingolstädter Pastoralreferent, der gerade erst die bayernweite Patrona Bavariae-Wallfahrt gemanagt hat, hat sich vor vier Jahren der Klerusmannschaft angeschlossen. Früher hat er aktiv im Verein gespielt, beim SV Eintracht Seubersdorf.

Auf eine lange Fußballerkarriere blickt auch der ranghöchste Geistliche auf dem Rasen des VfB Eichstätt zurück: Domkapitular Thomas Pinzer, stellvertretender Leiter des Bischöflichen Seelsorgeamts Regensburg, hat als Kaplan und auch noch als Pfarrer in seinen Wirkungsorten aktiv gekickt – erste Mannschaft, bis zur Bezirksliga-Ebene. Mittlerweile habe er wegen Lendenwirbel-Arthrose von Feldspieler auf Torwart „umgeschult“ erzählt der 51-Jährige, der sich jedes Jahr auf die Begegnung mit Sportsfreunden aus anderen Diözesen freut. Rassistische Hetze im Internet gegen Fußballer wie Nationalspieler Jerome Boateng findet der Domkapitular „unsäglich“. Sport verbinde die Menschen, „genau wie der Glaube“.

Aus dem fußballverrückten Brasilien stammt der „Edeljoker“, den die Regensburger den ersatzgeschwächten Eichstättern für die Meisterschaften ausgeliehen haben: Anderson Gomes (28) hat Theologie studiert und ist Hilfsmesner in St. Emmeram in Regensburg. Auf welcher Position er heute eingesetzt ist? „Ein Brasilianer spielt immer vorn“, lacht er.

Kicken für guten Zweck

Aus den Meisterschaften ist die Bayerische Klerusauswahl hervorgegangen, die es seit genau zehn Jahren gibt. Seither hat sie viele Spiele in Pfarreien absolviert, aber auch schon gegen den FC Bundestag oder die Schweizer Garde im Vatikan gespielt. Die Meisterschaften wurden schon bald mit einem sozialen Projekt verbunden. Der Erlös ging stets an ein Projekt von missio München. Derzeit unterstützt die Klerusauswahl ein Gefängnisprojekt für Frauen in Burkina Faso. Aus der Diözese Eichstätt spielen derzeit die Priester Elmar Spöttle, Mieczyslaw Bobras und Thomas Swat in der Mannschaft. Die Truppe, die am Vortag der Klerusmeisterschaften ein Benefizspiel gegen eine Eichstätter Prominentenauswahl bestritt, hat einen rührigen ehrenamtlichen Manager. Helmut Kormann, Schulrat im Kirchendienst im Erzbistum Bamberg, kann ein Lied davon singen, wie schwierig es ist, Spieler aus sieben Bistümern (im Gegensatz zu den Seelsorge-Mannschaften ausschließlich Geistliche) zu einem gemeinsamen Termin zusammenzutrommeln.

Fünf Stunden nach Anpfiff sind alle Gruppenspiele absolviert. „Olé! Super Augsburg!“, hallt es über den Platz, denn die Schwaben stehen im Finale gegen München auf dem Spielfeld und schaffen am Ende die Titelverteidigung. Auf den weiteren Plätzen landen die Diözesen Regensburg, Bamberg, Würzburg sowie Eichstätt und Passau, die sich Platz sechs teilen. Im Namen der Bistumsleitung überreicht Domkapitular Franz Mattes den Wanderpokal. Besonderer Dank gilt zum Schluss den Schiedsrichtern, die die Partien geleitet haben. Im kommenden Jahr wird die Erzdiözese München-Freising die Meisterschaft ausrichten.

Gabi Gess, Kirchenzeitung Nr. 23 vom 5. Juni 2016

Die bayerische Seelsorger-Meisterschaft in Eichstätt ist auch Thema im ökumenischen Sonntagsmagazin „Kirche in Bayern“, zu sehen auf intv am Sonntag, 5. Juni von 20.30 bis 21 Uhr.

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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 42 vom 20. Oktober 2019

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