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05.04.2019

So wie ich bin, nimmt Gott mich an „Nacht der Versöhnung“ lud zu Besinnung und Begegnung in den Eichstätter Dom

Knapp 50 Menschen hatten sich vor kurzem im Eichstätter Dom eingefunden, um an der ersten „Nacht der Versöhnung“ teilzunehmen. Gotteshaus und Dompfarrheim standen den Besuchern dabei offen, um sich an verschiedenen Stationen den Themen Versöhnung, Schuld und Leid zu nähern – in Workshops, mit Gesang oder an ruhigen Orten.

Foto: Schiavone

In stimmungsvolles Licht war der Dom bei der ersten „Nacht der Versöhnung“ getaucht. Eine Reihe von Mitmachstationen luden die Besucher zu Nachdenken, Stille und Begegnung ein. An einem alten Spiegel konnten sie Blicke aus verschiedenen Perspektiven auf sich werfen. Foto: Schiavone

Was ist Versöhnung? Für Dompfarrer Domkapitular Josef Blomenhofer steckt die tiefere Bedeutung bereits im Wort: „Wieder ganz Sohn beziehungsweise, ganz Tochter werden im Vertrauen, dass ich geliebt bin. Denn wenn ich Frieden im Herzen habe, kann ich mich auch leichter versöhnen mit jemandem, mit dem ich im Streit bin oder der mir weh getan hat. Es geht auch darum, jemandem, der mich nicht beachtet hat, trotzdem Achtung zu zeigen.“

Der alte Spiegel

So wurde der Dom zu einem Ort der Kontemplation und der Begegnung, mit einer Reihe von Mitmachstationen in den Seitenkapellen. Ein alter Spiegel lud etwa ein, sich selbst aus verschiedenen Perspektiven wahrzunehmen. An einer kleinen Klagemauer konnten die Besucher ihre Gebete formulieren. Wem das zu aktiv war, der konnte im Rahmen der Liturgiewerkstatt „Taizé-Gesang“ unter Leitung von Maria Frey den Chorgesängen lauschen. Vielfältig waren auch die Workshops. Neben Bibel- und Beichtgesprächen wurde das Thema Versöhnung auf verschiedene Weise aufgegriffen. Im Kurzfilmkino wurden Spielfilme sowie Animations- und Musikfilme gezeigt, die sich den Augenblicken zwischen Streit und Versöhnung widmeten. Im Workshop „Löst Konflikte als Team“ gab die Diplom-Psychologin Dr. Birgit Rank Eltern Ratschläge und Techniken für Konf liktgespräche mit Kindern und Jugendlichen. Der Journalist und Schauspieler Benedikt Anzeneder zeigte im Workshop „Klarer rüberkommen – meine Körpersprache“, wie wir ganz ohne Sprache, sondern nur durch Haltung, Gestik und Mimik bereits auf unser Gegenüber wirken.

Berührend waren die Geschichten im Workshop von Diakon Anselm Blumberg, mit Zeugnissen von Menschen, die zeigten, wie Mitgefühl und Vergebung das Leid in scheinbar ausweglosen Situationen heilen können. Bianca Vögele aus Berching-Pollanten bekam mit 24 Jahren die Diagnose Tumor – für die Mutter zweier Kinder ein Schock, doch ihr Vertrauen ins Leben und in Gott halfen ihr. Für Vögele war es allerdings kein leichter Weg. Ihr „Dickschädel“ stand ihr oft im Weg, wie sie sagt. Diese Eigensinnigkeit stehe zwar im Beichtspiegel nicht als Sünde, doch sei sie gegen die Liebe.

Immer wieder bekannte sie dies auch in der Beichte. „Ich kam mir schon etwas blöd vor, weil ich gar nicht frei wurde davon“, so die Pollanter Pfarrgemeinderätin. Die Kehrtwende kam mit einem Satz ihres Mannes, dass sie wie ihr Vater sei. „Da dämmerte es mir. Ich kann mich zurücklehnen und mir sagen, dass ich das vererbt bekommen habe, oder ich vergebe meinem Vater, den ich als viel zu dominant empfunden habe“, so Vögele. Blumberg las danach aus dem Buch „Meinen Hass bekommt ihr nicht“ des französischen Autors Antoine Leiris, dessen Frau bei den Terroranschlägen 2015 in Paris starb. Er beschreibt die Momente des Wartens und der Ungewissheit sowie den Umgang mit seiner Wut, die in eine beispiellose Geste der Versöhnung münden.

Die Idee zur Versöhnungsnacht hatte Gemeindereferentin Lioba Henke. Zur Freude von Blomenhofer, denn das Sakrament der Versöhnung, die Beichte, ist bei den Menschen nicht mehr allzu präsent: „Es ist ein langes Thema, mit dem viele Leute überhaupt nichts mehr anfangen können. Doch gibt es viele, die nicht versöhnt leben. Manchmal spielt das Materielle so ins Leben hinein, dass Menschen zerstritten sind. Das fängt bei einer kleinen Erbschaft an oder bei der Kindererziehung. Da sind Konflikte vorprogrammiert.“ 

Dinge nicht verdrängen

Für den Dompfarrer geht es nicht nur um das Wissen, dass Gott einen so annimmt, wie man ist: „Es tut auch gut, wenn ich das ausspreche, mir jemand zuhört“. Man wolle Wege aufzeigen, um zur Versöhnung zu finden, so Blomenhofer: „Der Abend bietet eine Möglichkeit, um zu reflektieren. Schließlich gibt es nicht nur Schönes und Gutes, sondern auch Schweres und Fehlerhaftes. Dann ist es gut zu wissen, wie man das bearbeiten kann, statt zu verdrängen.“

Maria Lisa Schiavone / Bernd Buchner

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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 25 vom 23. Juni 2019

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