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13.04.2017

Suchen nach einem, der längst da ist

Christa Werner begleitet Erwachsene auf ihrem Weg zur Taufe. Immanuel, eineinhalb, hat eine Schale mit Nüssen gefunden, die er jetzt großzügig auf dem Fußboden von Christa Werners Wohnung in Ingolstadt verteilt. Aber die 73-Jährige lässt sich davon nicht stören, sondern freut sich über das Leben in ihren vier Wänden.

„Sie ist immer für mich da, wie eine Mama“, sagt Eunice (l., mit Sohn Immanuel) über Christa Werner (r.). Die 73-Jährige, die lange Zeit in Afrika als Krankenschwester gearbeitet hat, bereitete Eunice in der Ingolstädter Pfarrei St. Josef auf die Taufe vor. Foto: Gess

Immanuel kommt regelmäßig zu Besuch mit seinen Geschwistern und seiner Mama Eunice, mit der Werner ein besonderes Erlebnis verbindet: Sie hat die junge Frau, die aus Nigeria stammt, auf ihrem Weg zur Taufe begleitet.Vier Jahre ist das mittlerweile her und Werner hat seither vier weitere erwachsene Taufbewerber (Katechumenen) betreut.

Wissen ist nur Bruchteil

Die gebürtige Dietfurterin arbeitete als Mitglied einer internationalen christlichen Frauengemeinschaft 26 Jahre lang als Krankenschwester und Hebamme in Uganda. 1995 kehrte sie nach Deutschland zurück, um im Krankenhaus Rottweil als Unterrichtsschwester zu arbeiten. Bis heute reist sie regelmäßig an ihre ehemalige Wirkungsstätte in Ostafrika und besucht Bekannte in ganz Europa.

Deshalb entschied sie sich 2008, als Ruheständlerin nicht in ihre Geburtsstadt Dietfurt zu ziehen, sondern der besseren Verkehrsanbindung wegen nach Ingolstadt. Schnell knüpfte sie Kontakte in ihrer neuen Pfarrei St. Josef. Als dann eine Begleitung für Taufbewerberin Eunice gesucht wurde, „da hat der Pfarrer mich gefragt, weil ich Englisch kann“. Auf Eunice folgten eine weitere Nigerianerin, ein Alevit aus der Türkei und zuletzt eine Serbin und ein Russlanddeutscher.

Für jeden ihrer Katechumenen, denen sie auch bei Arztbesuchen, Behördengängen oder Wohnungssuche zur Seite steht, nimmt sich Werner individuell Zeit, weil jeder seine ganz eigene Vorgeschichte mitbringt. „Da ist ja schon allerhand passiert in ihrem Leben, ehe sie hingehen zum Pfarrer und getauft werden wollen“, überlegt Werner und es kommt ihr dabei ein Gemälde in den Sinn, das sie einmal in einer Kapelle in Papua-Neuguinea gesehen hat: Die ersten Missionare kommen in Booten angerudert, die Einheimischen winken ihnen vom Ufer aus zu. Mittendrin steht Christus, „denn der ist längst da“, sagt Werner, „und das ist er auch bei den Katechumenen.“ Natürlich vermittelt sie ihnen während 20, 30 Treffen auch Glaubenswissen. „Aber das ist das Allerwenigste“, meint sie. Im Kern gehe es darum, „dass wir gemeinsam diesen Christus suchen“.

Flucht, Angst vor Abschiebung, Krankheit – die Menschen, die nach der Taufe fragen, haben manchmal Schlimmes hinter sich und leben in Ungewissheit. Umso mehr beeindruckt Werner ihr Gottvertrauen, das in Sätzen zum Ausdruck kommt wie: „Ich wusste nicht mehr weiter und habe mich eine Stunde in die Kirche gesetzt“ oder „Ich war so durcheinander, dass ich abends noch in der Bibel gelesen habe“. Da kriege sie manchmal eine Gänsehaut, erzählt die Katechumenatsbegleiterin: „Da profitiert man selbst, weil man merkt, wie mittelmäßig man geworden ist“.

Die zwei jungen Leute, die heuer in der Osternacht zur Taufe gehen, sind der Gemeinde kurz nach Weihnachten offiziell im Gottesdienst vorgestellt worden. Sie waren bei mehreren Bußgottesdiensten dabei und haben schließlich die Texte des Vaterunser und des Glaubensbekenntnisses überreicht bekommen. „Es ist schön, wenn hinterher Leute aus der Pfarrei auf sie zukommen und sie willkommen heißen“, bemerkt Werner. Eunice ist mittlerweile in die Pfarrei St. Pius gezogen. „Aber sie kommen öfter mal in den Gottesdienst zu uns“, erzählt ihre Taufbegleiterin über die Familie mit drei kleinen Kindern, in der regelmäßig vorm Essen und vorm Schlafengehen gebetet wird.

Neue Handreichung

„Als Pfarrer bin ich Frau Werner sehr dankbar, dass sie schon mehrfach erwachsene Taufbewerber auf ihrem Weg hin zur Aufnahme in die katholische Kirche begleitet  hat“, lobt der Seelsorger von St. Josef, Dr. Clemens Hergenröder. „Sie ist dabei auf die jeweilige Lebensgeschichte der Katechumenen eingegangen und hat sich ihrer wirklich angenommen.“ Deswegen freut es ihn auch, dass ihr Wirken beispielhaft in der neuen „Handreichung Erwachsenen-Katechumenat“ zur Sprache komme. Die Handreichung sei eine Ergänzung zur demnächst in Kraft tretenden neuen Katechumenatsordnung, gibt der zuständige Referent für Gemeindekatechese, Georg Brigl, Auskunft. Diese Checkliste mit Materialien und Quellen anzufordern, sei nicht nur für die Pfarrer als Hauptverantwortliche in der Taufvorbereitung sinnvoll, sondern auch für ehrenamtliche Begleiter.       

Die Handreichung ist erhältlich  bei „gbrigl@bistum-eichstaett.de.

Gabi Gess, Kirchenzeitung Nr. 16 vom 16.4.2017

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