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30.12.2016

Traktoren und Pflüge für die Mönche

Das Katholisches Landvolk und die Diözese Eichstätt helfen orthodoxen Christen in Georgien.

Herbert Bauernfeind testete in Tiflis die Traktoren vor dem Kauf.

In Geschäften und bei Händlern wird anders als auf dem Basar nicht gefeilscht, hatte Thomas Schneider von seinem georgischen Dolmetscher gesagt bekommen. Schneider probierte es dennoch aus und konnte am Ende den Preis um 3.000 Euro senken. Darauf ist der Vorsitzende der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) im Bistum Eichstätt stolz.

Schneider war vor einigen  Monaten zusammen mit Herbert Bauernfeind in dem kleinen Staat im Kaukasus. Ihr Auftrag: Traktoren für Klöster der georgisch-orthodoxen Diözese Surami-Khashuri zu besorgen. Bis jedoch der Zuschlag bei einem Händler erfolgte, war es ein langer Weg. An dessen Anfang stand Givi Lomidze. Bischof Svimeon Tsakashvili hatte ihn nach Eichstätt ans Collegium Orientale (COr) geschickt, um zu promovieren, und um einen  Traktor für Georgien zu besorgen. Das mit der Doktorarbeit klappte  relativ zügig. Nur der zweite Auftrag erwies sich als etwas komplizierter.

30.000 Euro Etat

Über den damaligen COr-Rektor Domkapitular Paul Schmidt erreichte den KLB-Diözesanverband die Anfrage, ob er nicht bei der Traktorensuche helfen könne. Schneider klemmte sich zusammen mit seinem KLB-Kollegen Bauernfeind hinter die Angelegenheit. Im Vorstand des Landvolks fiel die Entscheidung: Wir stellen 15.000 Euro zur Verfügung. Die KLBler sprachen mit Lomidze, um zunächst einmal zu erfahren, wie die Felder in Georgien beschaffen sind, und welche Landmaschinen notwendig sind. Ein übertechnisierter Traktor schied von Anfang an aus. Gesucht wurde vielmehr nach einem kleinen, wendigen und robusten Gefährt. Es sollte den Schwestern und Mönchen der über 20 Klöster der Diözese Surami die Arbeit auf den zwischen zwei und zehn Hektar großen Flächen erleichtern. Ins Auge fassten Schneider und Bauernfeind gebrauchte japanische Kubota-Traktoren. Bei einem Händler in Aue begutachteten sie einige Modelle. Für den KFZ-Meister Bauernfeind ein Leichtes. Kopfschmerzen machte der KLB jedoch der geplante Transport nach Georgien. Dafür wäre ein Großteil der Gelder draufgegangen, auch wenn sich der Etat mittlerweile verdoppelt hatte: Die Diözese  Eichstätt sagte über das Referat Weltkirche eine Förderung von 15.000 Euro zu.

Wein- und Bohnenanbau

Schneider und sein Kollege überlegten weiter und entschieden sich schließlich für einen Kauf in Georgien. Über das Deutsch-Georgische Wirtschaftsforum stießen sie auf einen Gebrauchtfahrzeughändler in Tiflis und  planten schließlich eine Einkaufstour in den Kaukasus.

Begleitet von ihren Ehefrauen flogen sie von München über Istanbul in die Hauptstadt Georgiens. Dass die Koffer der Frauen nicht dort ankamen, war ärgerlich, stand der Traktorensuche aber nicht im Weg, versicherte Schneider. Das Empfangskomitee für die KLBler aus der Diözese Eichstätt bestand aus Dolmetscher Erekle Turqadze und einem Chauffeur. Der brachte sie zunächst ins Bischofshaus nach Surami. Nach dem Abendessen und einem Gespräch mit Bischof Svimeon war für die Gäste aus Deutschland Nachtruhe in einem Hotel angesagt.

Am zweiten Tag dann begann der Großeinkauf. Über die Autobahn, auf dessen Mittelstreifen Kühe grasten, ging es wieder nach Tiflis. Bauernfeind testete die Traktoren auf Herz und Nieren und gab am Ende grünes Licht  für drei gebrauchte Modelle. Diese markierte Schneider und schrieb drauf, wer für den Kauf zuständig ist: KLB Eichstätt. Auf der Einkaufsliste standen allerdings noch Zusatzgeräte für die Arbeit auf den Feldern. Am Ende besorgten Schneider und Bauernfeind je drei neue Kunstdüngerstreuer und Pflüge, zwei Unkrautspritzen, eine Kartoffellegemaschine, und einen Schüttelroder. Bei einem anderen Händler schließlich holten sie noch eine spezielle Unkrautspritze die sich für den Wein- und Obstanbau eignet. Wie der Bischof den Gästen versicherte, wolle er besonders  den Weinanbau fördern, um neue Einnahmequellen für die Klöster zu eröffnen.

Schneider erfuhr einige Tage nach der Rückkehr nach Deutschland, dass die Diözese Surami die landwirtschaftlichen Geräte kurz nach dem Kauf mit einem Lastwagen abgeholt habe. Zwei Traktoren gingen an abseits gelegene Klöster, einer ist in der Diözese zentral stationiert und kann von den Klöstern bei Bedarf ausgeliehen werden.

Fahrt im Bischofs-Jeep

Wie die Klöster aussehen, die selbst Landwirtschaft betreiben, wollten die deutschen Besucher natürlich auch wissen. Bischof Svimeon steuerte sie mit seinem Geländewagen durch die Berge zu einem auf 1.400 Metern gelegenen Kloster. Die Spurrinnen auf dem Weg dorthin seien bis zu einem  halben Meter tief gewesen, erinnert sich Schneider mit ein wenig Schrecken zurück. Auf ihrer Tour machte die KLB-Delegation auch Halt im Kloster Korangedi, zu deutsch: Rabenspitze. Dort wirkte Svimeon vor seiner Bischofsweihe als Abt. Das Kloster ist mit gut 13 Hektar Feldern eines der größten in der Diözese.

In der Klosterkirche besuchten die Gäste den Gottesdienst. Schneider schreibt dazu in seinem Reisetagebuch: „Die Liturgie dauerte über zwei Stunden. Bänke gibt es keine in der georgischen Kirche. Die ganze Messe findet hinter der Ikonenwand statt. Ab und zu sieht man einen Geistlichen, doch was hinter dem Vorhang geschieht, bleibt dem gemeinen Gottesdienstbesucher verborgen. Alleine die Gesänge lassen erahnen, an welcher Stelle die Liturgie gerade ist.“ Danach sei ihm bewusst geworden, „wie schön es in unserer Kirche ist, gemeinsam Eucharistie zu feiern“. In Deutschland sei man mehr in die Feier mit eingebunden.

Weitere Stationen der Reise waren das Thermalbad Borjomi und die Stadt Kutaissi. Dolmetscher Erekle brachte die Gruppe dort in einem Gästehaus der Caritas unter. Beim Besuch im nahegelegenen Kloster Gelati fiel Schneider eine Frau auf, die barfuß, ein Schaf tragend, um die Kirche lief. Erekle erklärte, dass dies eine besondere Form der Danksagung sei. Und das Schaf  sei die Opfergabe für die Mönche.

Schneiders Bilanz der Reise fällt durchweg positiv aus. Er habe Menschen kennengelernt, „die nicht  jammern, sondern oft abends bis 22 Uhr arbeiten“. Die Landwirtschaft sei auf einem Stand, der in Deutschland vor 50 bis 70 Jahren geherrscht habe. Durch eine leichte Mechanisierung könnten die Erträge gesteigert werden, könne effizienter angebaut werden. Die KLB wolle mit den Traktoren dazu beitragen. Weitere Projekte seien in Planung, erklärte der KLB- Diözesanvorsitzende im Gespräch mit der Kirchenzeitung. „Unsere Glaubensbrüder haben es verdient, dass wir sie auf ihrem weiteren Weg begleiten und in ihrer Entwicklung  fördern“, endet Schneiders siebenseitiger Bericht der achttägigen Reise.

Andrea Franzetti, Kirchenzeitung Nr. 1 vom 1. Januar 2017

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