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13.03.2020

Unterwegs zur Gemeinschaft mit Gott – Erwachsene Taufbewerber bereiten sich eingehend auf die Taufe vor / Begegnung mit dem Bischof

Eine fast familiäre Gemeinschaft hatte sich zusammengefunden, vor wenigen Tagen in der Eichstätter Heilig-Kreuz-Kirche: Zehn erwachsene Taufbewerber, sogenannte Katechumenen, mit ihren Begleitern und Angehörigen, dazu Bischof Gregor Maria Hanke und Pastoralreferent Georg Brigl. Von einer „schönen Feier“ in kleinem Rahmen berichtet Brigl, der in der Diözese für Gemeindekatechese und Sakramentenpastoral verantwortlich ist:

Stärkung für die Katechumenen

Stärkung für die Katechumenen: Zehn Frauen und Männer, deren Taufe bevorsteht, kamen zur Feier der Zulassung mit dem Bischof.              Foto: Brigl

„Die Teilnehmer konnten sich gut darauf einlassen.“ Konnten erleben, wie der Bischof ihnen zuspricht, wie Familie und Freunde hinter ihnen stehen auf dem Weg, den sie gerade gehen.

 

Zuspruch statt Strenge

Dieser Weg führt sie in die Kirche. Es sind Menschen, die nicht als Kind getauft wurden, in einer zunächst kirchenfernen Umgebung aufwuchsen. Irgendwann, immer auf eigene Weise, fand sich ein Zugang zu Glaube und Gott, zur frohen Botschaft Jesu, zur Kirche. Deren erstes, grundlegendes Sakrament ist die Taufe. Der Weg dorthin nennt sich Katechumenat, das Wort stammt vom griechischen Verb „katechein“, was so viel bedeutet wie: entgegentönen. Wer in die Kirche hinein ruft, so ließe sich der fremd klingende Begriff ausdeuten, wird Antwort finden, ein Echo erhalten. 

Die Feier der Taufzulassung nennt Brigl einen „Markstein“. Wichtig ist dabei der Zuspruch für die Bewerber, nicht die strenge Prüfung, wie der eine oder andere unterwegs ist. „Notfalls könnte die Kirche auch Nein zur Taufe sagen, aber das habe ich noch nie erlebt“, so der Theologe, der auch als Dekanatsreferent in Roth-Schwabach tätig ist. Das Katechumenat für die zehn aktuellen Bewerber hat im vergangenen Sommer begonnen.Es sei ratsam, dabei gemeinsam ein ganzes Kirchenjahr zu erleben, sagt Brigl. Der Eintritt in die Fastenzeit, in die die Feier fiel, markiert nach seinen Worten die „Zeit einer intensiveren Vorbereitung“. Der Weg ist für jeden anders, der Pastoralreferent hat schon einmal drei Jahre lang eine Frau auf dem Weg begleitet, den er in Anlehnung an Karl Rahner „mystagogisch“ nennt, in ein Geheimnis unterweisend. 

Der Gottesdienst in Eichstätt habe den Taufbewerbern Rückenwind verliehen, meint Pfarrer Markus Fiedler aus Postbauer-Heng: „Es war wirklich eine würdige Feier und es waren gute Worte des Bischofs“. Dieser hatte als Einstieg in seine Predigt von den Krokussen im Garten des Bischofshauses erzählt. Solche Frühlingsboten mitten im Winter, das seien auch die Taufbewerber. Ein treffendes Bild findet Fiedler, der gerade selbst einen Katechumenen auf den Weg in die katholische Kirche begleitet. Der junge Familienvater Thomas Rümmler war vor einem Jahr auf den Pfarrer zugekommen, weil er seine beiden Kinder taufen lassen wollte. Wie sich aus den folgenden Gesprächen ergab, spielte er aber auch selbst mit dem Gedanken, diesen Schritt zu gehen.

 

Aus Ostdeutschland

Der 37-jährige, der für ein IT-Unternehmen im Projektmanagement arbeitet, stammt, wie viele erwachsene Taufbewerber, aus Ostdeutschland. Nach der Wende hatte er zwar Religionsunterricht, sei sich aber ziemlich verloren vorgekommen. „Ich habe gespürt, dass da noch etwas ist, aber ich konnte es nicht richtig greifen“. Mit 19 zog er ausbildungsbedingt nach Nürnberg, wo er einen sehr guten Freund fand, der nun sein Taufpate sein wird.  Mit Frau und Kindern lebt er seit Jahren in Postbauer-Heng, wo er  derzeit Elternbeiratsvorsitzender des katholischen Kindergartens  St. Elisabeth ist. Mit der Geburt seiner Kinder habe sich auch ganz massiv die Auseinandersetzung mit dem Glauben verstärkt, erzählt er. 

Rümmler, der im Nebenberuf Hochschuldozent ist, begann auf eigene Faust, sich Glaubenswissen anzueignen, aber manch tiefere Fragen blieben. Deshalb griff er gern den Vorschlag des Pfarrers auf, am gerade beginnenden Kurs „Wege erwachsenen Glaubens“ teilzunehmen. Danach begann der eigentliche katechumenale Weg. Ein festes Konzept brauchte sich Pfarrer Fiedler für die regelmäßigen Gespräche gar nicht erst vornehmen, „denn ich kam schon mit 20 Fragen an“, lacht Rümmler. 

 

Pfarrer nimmt sich Zeit

Eigentlich sei für die Treffen eine Stunde veranschlagt, „aber neulich waren zweieinhalb Stunden vergangen, als wir auf die Uhr schauten“. Er wisse es sehr zu schätzen, dass der Pfarrer sich so viel Zeit für ihn nehme. Fiedler findet es umgekehrt „spannend, wenn ein Taufbewerber erst mal zu allem eine Frage hat“. Und es fordere ihn heraus, kirchliche Formulierungen, die oft einer Fremdsprache glichen, in verständliche Worte zu fassen. 

Fester Bestandteil der Vorbereitungszeit waren auch einige Gottesdienste, in denen der Bewerber vor den Augen der Gläubigen in den Katechumenat aufgenommen wurde, die Texte von Glaubensbekenntnis und Vaterunser überreicht bekam. Vor der Feier der Zulassung in Eichstätt „haben wir uns zusammen Eichstätt angeschaut“, erzählt Pfarrer Fiedler. Er führte den Taufbewerber, der von seiner Ehefrau und seinem Paten begleitet wurde, durch den Dom, der an diesem Tag letztmals vor der Sanierung geöffnet war. In der Schutzengelkirche hatte es Hobbymusiker Rümmler vor allem die Orgel angetan. In der Heilig Kreuz-Kirche traf er dann erstmals Bischof Gregor Maria Hanke. Die Gesichter der meisten Katechumenen kannte er bereits von einem Treffen, zu dem Georg Brigl im Januar nach Abenberg eingeladen hatte. Bei solchen Gelegenheiten merke man, „dass sich da mehr Menschen mit ähnlichen Geschichten auf den Weg machen“. 

Sein Weg zum Glauben war für Rümmler eine ganz persönliche Angelegenheit, „mit der er nicht hausieren geht“, wie Pfarrer Fiedler schnell feststellte. Deshalb fanden die Gottesdienste während des Katechumenats in kleinen Filialkirchen statt. Viele Leute wissen aber mittlerweile von seinem Plan. Nicht zuletzt, weil der Ortspfarrer im Sonntagsgottesdienst vor der gemeinsamen Fahrt nach Eichstätt die Gläubigen um ihr begleitendes Gebet bat. Deshalb hat Thomas Rümmler, nach langem Ringen, einen Entschluss gefasst: Seine Taufe in der Osternacht findet in der Pfarrkirche St. Elisabeth in Postbauer-Heng statt.

 

Die Türen stehen offen

In der Osternacht ist es für die meisten der zehn Katechumenen so weit: Die Zeit der Vorbereitung, der Prüfung ist vorbei, nun bittet sie die Kirche herein. Die Taufe in der Osternacht ist eine uralte Tradition. Die Türen stehen offen, wie es in der Osterliturgie auf dem Weg vom nächtlichen Feuer in das zunächst dunkle Gotteshaus versinnbildlicht wird. Die Täuflinge werden zugleich gefirmt und erhalten die Erstkommunion. Ihr Weg geht weiter: Die Beichte, das Sakrament der Versöhnung, können nur Getaufte empfangen.

Nach Einschätzung von Georg Brigl (Foto: pr) könnte die Begleitung der Bewerber noch ausgeweitet werden, in Richtung einer „Taufgruppe“ aus Angehörigen, Freunden und Gemeindemitgliedern, die um den Katechumenen herum zu gründen wäre. „Das wird dann mehr zum Glaubensgespräch“, sagt der Pastoralreferent. Dabei spiele auch Glaubenswissen eine Rolle, mehr aber das Zeugnis, das zu vertiefen und weiterzugeben ist. „Dann ist auch die Einführung in die Pfarrei leichter“, so Brigl.

Gabi Gess/Bernd Buchner


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 31 vom 2.8.2020

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