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13.12.2017

Voller die Glocken nie klangen

Neuer Glockenstuhl und neues Geläut für die Pfarrkirche St. Walburga in Beilngries.

 

Bereits vor zehn Jahren kam der Glockensachverständige der Diözese, Thomas Winkelbauer, zu dem Urteil, dass der Glockenstuhl der Pfarrkirche dringend reparaturbedürftig ist. Das Stahlgerüst war von minderer Qualität und wies statische Mängel auf. Jetzt konnte er endlich erneuert werden.

Foto Franzetti

In der Glockenstube im Südturm setzten Matthias Riedel (l.) und Armin Gruber die massiven Eichenbalken zusammen. Foto: Franzetti

Gut drei Tonnen Stahlträger mussten runter von der Glockenstube im Südturm. Zerlegt in zwei bis drei Meter lange Stücke traten die teilweise schon angerosteten Träger die Reise nach unten im Außenaufzug an. Mechaniker der Turmuhrenfabrik Georg Rauscher sorgten für die Demontage des gut 60 Jahre alten Glockenstuhls in Beilngries. Das Stahlgerüst war von minderer Qualität und wies statische Mängel auf.

Gefährliche Schwingung

Zudem war der Glockenstuhl mit dem Dachstuhl des Turms verbunden. Bei jeder Schwingung gingen die Kräfte auf das Mauerwerk. Die einzelnen Mängel an sich hätten alle auf irgendeine Weise behoben werden können, erklärt Thomas Winkelbauer im Gespräch mit der Kirchenzeitung. Der Glockensachverständige der Diözese Eichstätt kam jedoch zu dem Schluss, dass ein Neubau besser als eine Sanierung der vorhandenen Substanz sei. Schon vor knapp zehn Jahren hatte er in einem ersten umfangreichen Gutachten auf die Schäden hingewiesen. Doch die Kirchenstiftung der Pfarrei war zunächst mit  anderen Aufgaben beschäftigt: der Orgelrestaurierung und der Renovierung nach dem Brand eines Beichtstuhls. Erst nach Abschluss dieser Maßnahmen ging es an das Glockenprojekt. Um die  Finanzierung stemmen zu können, gründete sich Ende September ein neuer Freundeskreis St. Walburga (die KiZ berichtete).

Freundeskreis gegründet

Mit Benefizkonzerten und anderen Aktionen sollen Spenden gesammelt werden, um den Eigenanteil aufzubringen. In der Bühler- halle gastiert am 5. Mai 2018 das Audi-Philharmonieorchester und am 22. Juli führen Chor, Solisten und Streicher die Cäcilienmesse  und das „Stabat Mater“ in der Pfarrkirche auf.

Bei der Orgelsanierung hat die Idee eines Freundeskreises bereits funktioniert. Dekan Domkapitular  Josef Funk und die Kirchenstiftung hoffen, dass dies auch mit den Glocken klappt. Besonders für ein kleines Extra muss die Pfarrei nämlich selbst aufkommen: eine achte Glocke. Winkelbauer hatte in seinen Unterlagen von 1940 eine Glocke entdeckt, die weder im Nord- noch im Südturm hing. Im Zweiten Weltkrieg waren deutschlandweit sämtliche Geläute inventarisiert worden, da das NS- Regime Glocken für die Kriegsführung beschlagnahmen und einschmelzen wollte. Etliche Glocken landeten im Schmelzofen, andere blieben verschont und kamen auf den Hamburger Glockenfriedhof. Einige Beilngrieser Glocken waren damals eingeschmolzen worden. Erst 1958 konnten sie durch neue Glocken der Gießerei Schilling aus Heidelberg ersetzt werden.

Im Jugendheim gefunden

Auf Anregung Winkelbauers machte sich die Pfarrei auf die Suche nach der Bronze-Glocke, die laut Meldebogen noch vorhanden sein musste. Auf dem Dachboden des Jugendheims im ehemaligen Franziskanerkloster stand das gut 180 Kilogramm schwere Teil. Die wohl aus dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts stammende Glocke fuhr am Haken eines Autokrans erst vom Dachboden hinunter auf die Ladefläche eines Lastwagens und dann am Nordturm wieder hinauf in die Glockenstube des alten Turms. Dort wird sie zu den vier bereits vorhandenen Glocken gehängt.

Der Glockenstuhl im alten Turm stammt aus dem 15./16. Jahr- hundert, vermutet Winkelbauer. Die massiven dunklen Eichenbalken seien „in einem Top-Zustand“. Deshalb werde hier auch wenig verändert. Lediglich an den Aufhängungen und den Klöppeln legen die Glockenbauer Matthias Riedel und Armin Gruber Hand an.

Letzte Lösung in Arbeit

Im neuen Turm sind sie bereits weitestgehend fertig mit der Arbeit. Nach dem Abbau des Stahlstuhls bauten sie hier einen neuen Glockenstuhl aus Eichenbalken zusammen. Im Gegensatz zu dem im alten Turm ist der neue keine direkte Handarbeit. Anhand einer Konstruktionszeichnung entstand an einer CNC-Fräse der komplette  Glockenstuhl. Riedel spricht von „CNC-Abbund“. Verbunden sind die einzelnen Träger und Balken  mit sogenannten Nachspannern. Per Hand lassen sich hier Gewinde  enger stellen und ziehen die Balken zusammen. Bei Handabgebundenen-Glockenstühlen (siehe auch Beitrag auf Seite 4) ist das nicht notwendig. Manche der Balken sind 220 Kilogramm schwer, andere bringen nur 35 Kilo auf die Waage.  

Bis Weihnachten soll das  Geläut „zum Großteil“ wieder erklingen, sagt Winkelbauer. Die meisten Glocken hängen bereits wieder an neu gefertigten Jochen. Im Südturm ist bei einer Glocke aus dem Jahr 1505 mit einem Durchmesser von 1,20 Meter  allerdings noch nicht geklärt, wie sie künftig hängen soll. Hier arbeitet Winkelbauer in Absprache mit den Glockenbauern noch an einer Lösung.

Andrea Franzetti, Kirchenzeitung Nr. 51 17. Dezember 2017

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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 21 vom 27.05.2018

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