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18.01.2019

Warum es gut tut, Christ zu sein JugendAlpha beantwortet jungen Leuten Fragen zum Glauben

Getauft, gefirmt, gelegentlich auch im Gottesdienst. Aber oft nur mit halbem Ohr dabei. „Was bringt mir das?“ Bei dieser Frage setzt Jonas Reißmann an. Der 20-Jährige wünscht sich, „dass die Jugendlichen wissen, was sie eigentlich glauben“. Deswegen engagiert sich der junge Rother beim Projekt JugendAlpha im Dekanat Roth-Schwabach, das unlängst mit dem Bischof Alois Brems-Preis ausgezeichnet wurde (die KiZ berichtete).

Foto: vb

Alles Alpha oder was? Ein Team um Sebastian Stanclik (l.), Jonas Reißmann (hinten, M.) und Patricia Gerngroß (vorne, 2. v. r.) gestaltet im Dekanat Roth-Schwabach Glaubensgespräche für junge Leute. Foto: vb

Reißmann ist durch den Ministrantendienst in die kirchliche Jugendarbeit hineingewachsen. Er absolvierte Gruppenleiterschulungen, wurde Mitglied im Vorstand des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend im Dekanat Roth-Schwabach. In Jugendseelsorger Kaplan Sebastian Stanclik fand Reißmann einen Ansprechpartner in Sachen Glaube, Gott, Sinn des Lebens. Im erweiterten Kreis setzten sich die Gespräche dann in einem regelmäßigen Treff unter dem Motto „Tankstelle“ fort. Nach etwa einem Jahr aber „war die Luft raus“, erzählt Reißmann. Wenngleich sich einige durchaus wünschten, weiterhin in Gemeinschaft über Glaubens und Sinnfragen zu sprechen. Deshalb habe der Kaplan einen Alpha-Kurs ins Spiel gebracht.

 

Pizza im Pfarrheim

Er habe das Konzept schon länger gekannt, meint Stanclik im Gespräch mit der KiZ, „und es gibt auch andere im Bistum, die das bereits machen“ (siehe Beitrag S. 5). Ihm selbst führte ein Aufenthalt in einer kanadischen Pfarrei vor Augen, welche vielfältigen Einsatzmöglichkeiten Alpha bietet. Der Glaubenskurs wolle nicht belehrend daherkommen, sondern stelle den Austausch in den Mittelpunkt: „Oft sind wir das nicht gewohnt, über den persönlichen Glauben zu sprechen.“ Im Dekanat Roth-Schwabach formierte sich ein Team, das beim ersten von insgesamt einem Dutzend Treffen im Schwabacher Pfarrheim Arche 15 Interessierte begrüßen konnte. Per selbstgedrehtem Videoclip war auf Facebook und Instagram geworben worden. Auch das persönliche Ansprechen im Bekanntenkreis hatte Erfolg. Man hätte aber noch gezielter Leute außerhalb des eigenen Dunstkreises ansprechen sollen, meint Reißmann im Nachhinein selbstkritisch.

Dass ein Teilnehmer katholisch ist, das ist bei JugendAlpha keine Zugangsvoraussetzung. So seien in Schwabach zwei, drei Teilnehmer dabei gewesen, „die mit Kirche nix am Hut hatten“, erzählt Reißmann. Und doch blieben sie die ganze Zeit über am Ball und kamen jeden Montagabend in die Arche. Zum Auftakt ließ sich die Runde jedesmal schmecken, was freiwillige Helfer aus der Pfarrei in der Küche des Pfarrheims gekocht hatten. Bei Pizza oder Nudeln fiel das Kennenlernen leicht, weshalb das Essen für Reißmann „definitiv ein wichtiger Bestandteil“ ist. Es folgte ein etwa 20-minütiger Impuls mit anschließendem, doppelt so langem Austausch. Die jungen Leute wurden dabei altersmäßig in drei Gruppen aufgeteilt, wobei die m ittlere Gruppe der 16-18- Jährigen am stärksten vertreten war. Oft zeigten die Moderatoren als Einstieg einen der Kurzfilme, die bei Alpha Deutschland erhältlich sind. „Wir haben aber auch Geschichten aus unserem eigenen Leben mit eingeflochten, damit es für die Jugendlichen griffiger wird“, berichtet Patricia Gerngroß (26), die zusammen mit Jonas Reißmann Hauptansprecherin beim Kurs in Schwabach war und mit ihm nun auch in Roth das Leitungsduo bildet. Geschichten, die nicht nur von Frömmigkeit, sondern auch von Zweifeln und von Grenzen erzählen, an die junge Leute heute in der Kirche stoßen.

 

Meinungen stehen lassen

Auch Gerngroß hat eine lange Zeit als Ministrantin und Gruppenleiterin hinter sich. Sie singt im Jugendchor der Pfarrei Roth und engagiert sich im Jugendausschuss. Im Rahmen der Firmvorbereitung kam sie mit Kaplan Stanclik ins Gespräch über JugendAlpha: „Mir gefiel die Idee, damit auch Leute anzusprechen, die nicht so nah am Glauben dran sind.“ So schloss sich Gerngroß, die nach ihrem Wirtschaftspädagogik- Studium im Kolping-Bildungszentrum Roth arbeitet, dem Team an, „und dann ging es auch schon los in Schwabach“. Dass ein bekennender Atheist unter den Teilnehmern war, verstand sie nicht als Problem, sondern als Bereicherung. Zumal er kritische Nachfragen auf nette, angenehme Art angebracht habe. „Es war eine ganz spannende Mischung“, blickt Gerngroß zurück, „und schön, mit welcher Offenheit die Runde miteinander umging“. Der Fokus sei auch gar nicht darauf gelegen, „dass man Meinungen ändert oder korrigiert“. Jugend Alpha bedeute vielmehr, „dass Aussagen und Meinungen stehen bleiben dürfen“. 

Mitte Februar endet JugendAlpha in Roth. Wo die nächste Gesprächsreihe stattfinden wird, steht noch nicht fest. Für die, die schon dabei waren, gibt es Angebote zum „Dranbleiben“. In Schwabachist das ein monatliches Treffen mit thematischem Impuls und Musik. Die Rother überlegen, in ihrem Jugendtreff „Utopia“ mit einem Gesprächsangebot an den Alpha-Kurs anzuknüpfen. Jonas Reißmann hat auch für sich ganz persönlich Nägel mit Köpfen gemacht: Er wechselt gerade von einem technischen Studiengang zur Religionspädagogik.

Gabi Gess

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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 16 vom 21. April 2019

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