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20.02.2019

Weil Lachen hilft, das Eis zu brechen

Florian Leppert, Seelsorger im Pfarrverband Nassenfels, ist ein gefragter Witzeerzähler.

Würde Ihnen zu so gegensätzlichen Begriffen wie „Kanzelpredigt“ und „Kammerfensterln“ spontan ein Witz einfallen? Florian Leppert jedenfalls hat damit keinerlei Probleme. Der junge Geistliche, der als Pfarrvikar im Pfarrverband Nassenfels im Einsatz ist, ...

Foto: privat

Ein Priester, der sich bestens aufs Witze erzählen versteht – das interessierte im vergangenen Jahr auch das Bayerische Fernsehen. Unser Bild zeigt Florian Leppert (2. v. l.) mit „Wirtshausmusikanten“- Moderatorin Traudi Siferlinger, dem Liedermacher Fredl Fesl sowie Markus Moosburger (r.) und Stefan Brock vom Deininger Duo „Säißer Sempf“. Foto: privat

... verfügt über ein Repertoire, mit dem er stundenlang die Lachmuskeln seiner Zuhörer strapazieren kann. Diese Fähigkeit, „hilft mir auch in der pfarrlichen Arbeit, weil sie Brücken baut und das Eis brechen hilft“, sagt der gebürtige Bayreuther, der seit 2013 Priester der Diözese Eichstätt ist.

Gleich weitererzählen!

Das Talent, Leute zum Lachen zu bringen, hat Leppert von seinem Vater geerbt. „Er war quasi der Witzeerzähler schlechthin“, erinnert er sich, „und er war, im positiven Sinn, für jeden Unsinn zu haben“. Im Sportverein engagierte sich sein Vater ebenso wie im Kindergartenvorstand der Pfarrei. Oft nahm er zu seinen Terminen den Filius mit, der sich schon im Vorschulalter die ersten Witze merken konnte und gleich wieder zum Besten gab. „Sofort weitererzählen“ lautet denn auch sein Tipp für Leute, die sich partout keine Witze merken können. Optimal sei es, wenn sich in einer fröhlichen Runde gleich mehrere Witzexperten abwechseln, sich Stichwörter geben und die Bälle zuspielen. Auf diese Weise fällt es Leppert leicht, das Publikum zwei, drei Stunden am Stück zu unterhalten.

Entertainer unter sich

Ein Witz sei Kabarett im Kleinen, erläutert er, „man muss eine Geschichte erzählen“. Das bedeute auch, in wechselnde Rollen und verschiedene Stimmlagen zu schlüpfen, am besten in Mundart. Da traf es sich bestens, dass Leppert ausgerechnet Kaplan in Deining wurde, der Heimat der Dialekt-Kabaretttruppe „Säißer Sempf“ um Markus Moosburger. Der baute den jungen Geistlichen gleich ins Programm ein. Höhepunkt war vor einem Jahr ein gemeinsamer Auftritt in der bekannten Serie „Wirtshausmusikanten beim Hirzinger“ im Bayerischen Fernsehen. Einen witzeerzählenden Pfarrer, so jemand hatte Moderatorin Traudi Siferlinger noch nicht in ihrer Sendung gehabt. Ein Höhepunkt im Kalender eines Witzeerzählers ist natürlich die fünfte Jahreszeit. Der Deininger Elferrat hatte Kaplan Leppert bereits als Moderator des nächsten Faschingszugs im Visier, als der Geistliche nach Egweil versetzt wurde. Eine echte Faschingshochburg, in der Leppert am Rosenmontag die Gelegenheit nutzen möchte, auf der Bühne Witze zu erzählen. Nicht zu anzüglich, zu derb oder unter der Gürtellinie – an diesen Grundsatz hält sich der Geistliche aus Prinzip. Umgekehrt rümpft er aber auch nicht gleich die Nase, wenn ein anderer einen deftigen Witz erzählt: „Ich will ja signalisieren, dass ich in der Lebenswirklichkeit steh.“ An einen allzu zimperlich wirkenden Seelsorger würden sich die Leute auch nicht mit privaten Problemen wenden, meint Leppert.

Befreiend und reinigend

Auf sein Gespür verlässt er sich auch bei der Frage, wann ein Witz angebracht ist und wann nicht. So sei Lachen auch auf einem Leichenschmaus kein Tabu, „aber Sie müssen halt fühlen, ob der Moment gerade passt“. Geradezu befreiend könne ein Witz zur rechten Zeit bei langwierigen Pfarrgemeinderatssitzungen wirken. Aus manch verfahrener Diskussion nehme er die Verbissenheit. Mehr noch: Ein Witz könne reinigende, therapeutische Wirkung haben, verweist Leppert auf den DDR-Witz, der den Leuten half, mit Mängeln im System klarzukommen. Auch der von Selbstironie und schwarzem Humor geprägte jüdische Witz zeige eindrucksvoll, „wie sich Menschen mit ihrer eigenen Existenz auseinandersetzen“, erläutert Leppert. Er selbst würde aber nie einen jüdischen Witz erzählen, „weil ich das Feeling dafür nicht mitbringe“.

Über sich selbst lachen

Ganz anders auf dem vertrauten Feld der Kirche: Als Insider möchte Leppert vermitteln, dass die Vielen so unnahbar und bierernst scheinende Institution auch einmal über sich selbst lachen kann. „Giovanni, nimm Dich nicht so wichtig!“, lautet ein berühmter Ausspruch von Papst Johannes XXIII. Dieses Zitat „hat mich schon immer beeindruckt“, sagt der Egweiler Pfarrvikar: „Das Wissen, dass man Vieles nicht in der Hand hält, dass es nicht allein auf einen selbst ankommt.“ Lachen sei die beste Medizin, ist die feste Überzeugung Lepperts, der ein Fan des saarländischen Komikers Gerd Dudenhöffer alias Heinz Becker ist. Darum erzählt er Witze, wann immer er darum gebeten wird – bei Kolping- und KAB-Sitzungen, bei Buswallfahrten oder beim Pfarrfest. An Krankenbetten, im Altenheim, im Kindergarten oder auch im Gefängnis in Kaisheim, wo er sich seit sieben Jahren ehrenamtlich engagiert. Auch im Gottesdienst darf gelacht werden: An Ostern und anderen hohen kirchlichen Festtagen beendet Leppert die Feier traditionell mit einem Witz. Nicht als Zeichen fehlenden Respekts in den heiligen Hallen, sondern als puren Ausdruck der Freude am Glauben.

Gabi Gess

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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 20 vom 19. Mai 2019

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