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27.09.2019

Wirken in verschiedenen Lebenswelten Berufsziel Seelsorge: Anna Wagner und Eugen Gerasimenko werden Pastoralreferenten

Sie sind jung und wissen recht genau, was sie wollen: Seelsorgerin, Seelsorger werden, nah bei den Menschen sein, und mit ihnen nah bei Gott. Anna Wagner und Eugen Gerasimenko sind seit kurzem in Pfarreien des Bistums Eichstätt tätig. Sie haben soeben ihr Theologiestudium abgeschlossen und durchlaufen nun die dreijährige Ausbildung zu Pastoralreferenten. Der Berufseinstieg begann mit einer Einführungswoche, zu der die beiden jungen Theologen mit ihren Kollegen aus dem Erzbistum Bamberg und der Diözese Würzburg jüngst in Nürnberg waren.

Foto: psn/Pilkenroth

Ausbildung mit Anleitung: Maria Lechner vom Bischöflichen Ordinariat (r.) begleitet Anna Wagner und Eugen Gerasimenko in ihrer dreijährigen Zeit als Pastoralassistenten. Foto: psn/Pilkenroth

Christus begegnen

Welche Erwartungen haben sie an ihren künftigen Beruf? Anna Wagner freut sich darauf, Menschen in unterschiedlichen Feldern begegnen zu dürfen. „Durch mich selbst darf ich in die Welt bringen, was ich vom Evangelium verstanden habe“, sagt die 27-Jährige, „und kann so für die Menschen jemand sein, durch den man Christus begegnen könnte.“ Die gebürtige Augsburgerin hat schon mal ein Jahr in einer Pfarrgemeinde mitgearbeitet, da habe sich in ihr „viel geändert“, berichtet sie: „Ich habe die Kirche von anderer Perspektive kennengelernt.“

Für Eugen Gerasimenko, der in Südrussland geboren wurde und mit vier Jahren nach Deutschland kam, ist es wichtig, zu lernen, völlig unterschiedlichen Lebenswelten gerecht zu werden, wie er sagt: „Ich will das Evangelium verkünden können und bekomme dafür ein Instrumentarium an die Hand, auf dem ich aufbauen kann.“ Der heute 28-Jährige hat einen Glaubenswandel hinter sich, spielte mit dem Gedanken, Priester zu werden und in einen Orden einzutreten – schließlich entschied er sich für das Berufsziel Pastoralreferent. „Da habe ich Wucht in meinem Leben erfahren“, schildert Gerasimenko die Entscheidung. Der Glaube, so seine feste Überzeugung, hat Relevanz für die ganze Gesellschaft. Wie Anna Wagner studierte er Theologie in Eichstätt. „Ich hatte den Wunsch, in die Tiefe zu gehen.“ 

Tiefe erfahre man im Studium auf jeden Fall, sagt Maria Lechner, die selbst Pastoralreferentin ist und Ausbildungsleiterin der Diözese. Auch kritisches Denken, „man kommt um Zweifel nicht herum“. Der Kinderglaube trage einen nicht mehr durch das Studium, unterstreicht Lechner. Das bereitet gleichzeitig auf die zuweilen rauhe Kirchenwirklichkeit vor. Was machen negative Schlagzeilen mit einem? „Mich bestärken sie darin, weiter für die Kirche zu arbeiten und ein positives Bild der Frohen Botschaft zu vermitteln“, sagt Anna Wagner. Sicherlich gebe es Momente, in denen man mit der Institution hadere: „Im Großen und Ganzen stehe ich aber dahinter.“ Eugen Gerasimenko spricht von einem Konglomerat aus Betroffenheit, Ärger, Wut, Traurigkeit: „Mit großen Ansprüchen groß scheitern, das fällt doppelt auf uns zurück.“ Er habe jedoch auch eine andere Kirche kennengelernt: „Wir können ein anderes Bild vermitteln.“

Maria Lechner, die die Ausbildung der angehenden Pastoralreferenten seit vielen Jahren leitet, bezeichnet es als Novum, dass es auf dem Ausbildungsmarkt Bewegung zwischen den Bistümern gibt. Beide Eichstätter Pastoralreferenten stammen nicht aus dem Bistum. Ihr Ziel ist es, individueller auszubilden: „Die Leute bringen ganz unterschiedliche Dinge mit, darauf müssen wir Rücksicht nehmen.“ Eine gute Begleitung in den Pfarreien sei wichtig für Berufungen, es brauche „Vorbildmenschen“. Lechners Haupterkenntnis ist jedoch, dass die Gemeindepastoral nichts an Bedeutung für die pastoralen Berufe verloren hat. Die Leute kämen nach wie vor überwiegend aus der Jugend- oder Ministrantenarbeit, nicht aus geistlichen Bewegungen. 

„Wie erreicht man sie?“

Gerasimenko wagt einen Blick in die Zukunft: „Ich bin gespannt, wie sich Kirche auf dem Land ändert. Die Menschen haben weite Anreisewege. Wie erreicht man sie?“ Seine Zeit als Pastoralassistent verbringt er im Pfarrverband St. Anton-St. Salvator in Ingolstadt, während Anna Wagner seit Anfang September in St. Pius, ebenfalls in Ingolstadt, tätig ist. Über spätere Schwerpunkte macht sie sich noch keine Gedanken: „Ich bin im Moment ganz offen.“

Lechner spricht von einer Umbruchphase in der Kirche. „Die größte Herausforderung für die jungen Leute ist es, die Pastoral der Zukunft zu gestalten. Wir stellen hier die Weichen“, sagt sie mit Blick auf die Eichstätter Reformpläne. Das Berufsbild des Pastoralreferenten passe zu dieser Dynamik: „Damit ist es der spannendste Beruf, den man sich vorstellen kann.“

Bernd Buchner/Elke Pilkenroth


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 42 vom 20. Oktober 2019

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