Zum Inhalt springen
23.11.2018

Wo noch begeistert gesungen wird

Kleine Orte, große Chöre: Spurensuche in den Pfarreien Ochsenfeld und Böhmfeld

In vielen (Kirchen-)Chören im Bistum stehen dieser Tage Ehrungen treuer Sänger auf dem Programm. Rund um den Gedenktag der heiligen Cäcilia (22. November) sind Ehrenabende und kleine Feiern geplant. Neben dem Domchor und anderen bekannten, oftmals in der Kirchenzeitung erwähnten Chören, gibt es auch in kleinen Ortschaften begeisterte Frauen und Männer, die sich zu Singgemeinschaften zusammengeschlossen haben. Unsere Spurensuche führte ins Dekanat Eichstätt.

Foto: pr/Bilder vom Leben

Der Chor Kunterbunt aus der Pfarrei Ochsenfeld-Biesenhard singt immer wieder bei Taufen und Hochzeiten. Foto: pr/Bilder vom Leben

Gemeinsames Konzert

In der Pfarrei Ochsenfeld-Biesenhard gibt es zwei aktive Chöre. Bis vor kurzem waren es sogar drei. Pfarrer Andriy Mykhaleyko sieht sie als Geschenk, als „enorme Bereicherung für die Pfarrei“, und als „Ausdruck einer lebendigen Pfarrgemeinde“.

Anfang Oktober traten alle drei Chöre bei einem gemeinsamen Konzert in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Ochsenfeld auf. Adalbert Lina aus Eichstätt hatte dieses im Rahmen seiner Benefiz-Veranstaltungsreihe samt Kirchenführung organisiert. Beteiligt waren der Kirchenchor Ochsenfeld-Biesenhard, der Chor Kunterbunt und der Kinderchor Smarties. Eine Zuhörerin meinte im Nachhinein: „Jeder Chor hat sich selbst übertroffen und war auf seine ganz bestimmte, eigene Art schön.“ Genau diese Authentizität kommt beim Publikum an, denn gesungen wird das, was nicht nur den Chorleitern, sondern auch den Sängern gefällt. Daniela Dier, unter deren Führung der Chor Kunterbunt vor allem bei Taufen und Hochzeiten singt, lässt Stücke von ihren Chormitgliedern auswählen. Beim Kirchenchor Ochsenfeld-Biesenhard legt Leiterin Franziska Heigl ebenfalls viel Wert darauf, dass ihre Sänger die Lieder  auch singen wollen. „Wenn mein Chor mir sagt, dass er das ein oder andere Stück nicht singen möchte, ist das nicht weiter schlimm. Meistens sind es ohnehin die Lieder, die auch ich nicht übermäßig schön finde“, gibt sie mit einem Augenzwinkern zu. 

Angefangen hat alles mit der ersten Probe am 20. Februar 1979. Zuvor hatte Heigl, seit sie im September 1977 nach Ochsenfeld geheiratet hatte, bereits den Organistendienst übernommen. „Unserem damaligen Pfarrer Georg Köbl war es ein großes Anliegen, einen Kirchenchor zu gründen“, erinnert sich Heigl. „Und da fragte er relativ schnell bei mir an, ob ich die Leitung übernehmen könnte.“ Die Entscheidung fiel der gebürtigen Arnsbergerin nicht schwer, schließlich war sie bereits in jungen Jahren Teil einer Gruppe, welche Heimatabende musikalisch umrahmte. „Musik ist einfach mein Leben und den Chor leite ich nun ohne Unterbrechung seit über 39 Jahren“, stellt sie im Gespräch mit der Kirchenzeitung sichtlich zufrieden fest. War es anfangs ein reiner Frauenchor, kamen ab 1988 Männer dazu. Man sang auf Hochzeiten, an kirchlichen Festtagen, auf Beerdigungen. Als gemischter Chor folgte der erste Auftritt 2003. Ein schöner Brauch ist mittlerweile das Singen in Meilenhofen alle zwei Jahre zum Patrozinium St. Michael.

Auch digital dabei

Etliche Sänger sind bereits Jahrzehnte oder gar von Beginn an mit dabei: „Natürlich tun sich hin und wieder Lücken auf, wenn jemand krankheits- oder altersbedingt ausscheidet, aber diese haben wir glücklicherweise mit jungen Leuten wieder schließen können.“ Aktuell zählt der Chor 13 Sängerinnen und fünf Sänger. Auch Dier kennt das Problem mit den Lücken: „Bei uns gibt es sehr viele junge Mamas und Papas, da kann man nicht erwarten, dass alle Chormitglieder bei jedem Auftritt mit dabei sein können. Außerdem sind so gut wie alle berufstätig, so dass wir uns keine langen Probenphasen leisten können.“ Man müsse daher mit der Zeit gehen, meint die Musikerin, und die einzelnen Auftritte als Projekte sehen. So tragen die Chormitglieder im Internet in einer Tabelle ein, welche Termine sie wahrnehmen können. Um die Probezeiten zu verkürzen, werden Stimmen einzeln eingesungen und als Audio-Datei verschickt. Dennoch ist die Probe am Freitagabend ein fester Bestandteil für alle, die Zeit haben. Da kann es schon einmal passieren, dass mangels Babysitter ein paar Kinder mitkommen und in der Spielecke Platz nehmen. Die gibt es praktischerweise im Ochsenfelder Pfarrheim, weil sich dort wöchentlich eine Krabbelgruppe trifft. Die Frage nach dem Gründungsjahr des Chors Kunterbunt lässt sich nicht leicht beantworten: Keimzelle war Mitte der 1990er-Jahre die Ochsenfelder Landjugend, die jedes Jahr eine Maiandacht gestaltete. Bald kamen Auftritte an Ostern und Weihnachten sowie Taufen und Hochzeiten hinzu, auch mit externen Sängern aus Landjugend-Gruppen anderer Orte. „Es gab keine Gründung, es war eher ein Prozess“, resümiert die Chorleiterin. Zeitgleich versuchte der Ochsenfelder Organist Dieter Fritz, junge Orgelspieler nachzuziehen. Infolgedessen ließ sich Daniela Dier über das Amt für Kirchenmusik in Eichstätt zur nebenberuflichen Kirchenmusikerin ausbilden (siehe Beitrag Seite 4). Sie erlernte so die Grundlagen der Chorleitung. Heute blickt sie dankbar zurück: „Mein Musik-Abitur ging dadurch viel leichter von der Hand, und für mein Grundschulstudium mit Hauptfach Musik habe ich gerade in punkto Chorleitung auf diese Weise das notwendige Know-how bereits mitbringen können.“

Passend zum Chornamen ist das Repertoire bunt gemischt: Egal ob eher klassisch, wie Rheinberger- oder Praetorius-Kompositionen, Hits aus Sister Act oder Neues Geistliches Liedgut. Zu Diers Favoriten zählen Stücke von Kathi Stimmer-Salzeder, weil sie „leicht zu singen und etwas fürs Herz sind“. Auch Heigl und ihr Kirchenchor haben Lieblingsstücke, wie die Vater-Unser-Messe von Lorenz Maierhofer, die sie 2011 im Rahmen eines Chorprojekts zusammen mit dem Wellheimer und Hüttinger Kirchenchor einstudiert haben. „Jahre kommen, Jahre gehen“ ist ebenfalls ein Dauerbrenner, der laut Heigl berührt: „Mittlerweile sind viele in unserem Chor über 60 Jahre alt, ich denke, man blickt dann schon in Dankbarkeit auf sein Leben zurück, was in diesem Lied gut zum Ausdruck kommt, wenn es dort heißt ‚Zeit ist ein Geschenk‘.“ Ebenfalls im Repertoire ist das „Lied zur Schwarzen Madonna von Tschenstochau“. Als Pater Zdzislaw Szmeichel aus Polen vor rund 20 Jahren Pfarrer in Ochsenfeld war, „hat er das Lied immer voller Begeisterung auf Polnisch gesungen, also in der Originalversion“, weiß die Chorleiterin zu berichten. 

Dritter Akteur in der Pfarrei ist der Kinderchor Smarties. Beim Konzert in St. Nikolaus hatten die jungen Sänger allerdings ihren vorerst letzten Auftritt. Zum Abschied erklangen noch einmal „We are the World“ von Michael Jackson und „Welche Farbe hat die Welt“ von Drafi Deutscher. Aus beruflichen Gründen legt Chorleiterin Melanie Kral-Hummel drei Jahre nach der Gründung aktuell eine Pause ein. 

Engagierte Leiterin

Ein Kirchenchor, der auf 77 Jahre zurückblicken kann und trotzdem noch jugendlich frisch ist, plus eine Singgruppe für Kinder und eine weitere für Jugendliche: Auch Böhmfeld hat einiges zu bieten, was Kirchenmusik angeht. Neben den drei Chören gibt es noch eine Bläsergruppe, die Bonifatiusbläser unter der Leitung von Ursula Ritthaler, bei der viele Jugendliche mitwirken. Und schließlich formiert sich immer wieder der Spontanchor zur Gestaltung pfarrlicher Ereignisse unter der Leitung von Birgit Dunz.

Sowohl den Kirchenchor wie auch den Kinder- und den Jugendchor leitet Anja Lindner, die aus dem Hunsrück stammt. Schon in ihrer Kindheit und Jugend war sie Sängerin im Kirchenchor. 2001 gründete sie in Böhmfeld einen Gospelchor, der einige Jahre bestand. Dann hatte sie den Wunsch, Mitglied des Eichstätter Domchors zu werden. Im Gespräch mit Domkapellmeister Christian Heiß gab dieser ihr die Empfehlung, Gesangsunterricht zu nehmen. In der Musikpädagogin und Psychotherapeutin Gabriele Schmid fand sie eine erfahrene Lehrerin. Das war im Jahr 2007. Seit dieser Zeit ist Lindner mit den beiden – dem Domkapellmeister und der Musikpädagogin – freundschaftlich verbunden. Ein Jahr später übernahm Lindner die Leitung des Kirchenchors Böhmfeld. Unterstützung gab es von Gabriele Schmid. Zweimal bot sie für den Chor in seinen Anfangsjahren einen Musikworkshop an. Und jährlich nehmen Chormitglieder an den Chortagen des Amts für Kirchenmusik mit Christian Heiß in Hirschberg statt.

Zu einem großen Treffen des Kirchenchors waren beide am 27. Oktober nach Böhmfeld gekommen. Heiß beleuchtete das Thema Kirchenmusik aus verschiedenen Blickwinkeln, und Schmid referierte über die therapeutische Wirkkraft des Singens. In der anschließenden Abendmesse sang der Chor die Messe „Fidem cantemus“ aus der Feder von Christian Heiß, begleitet vom Komponisten persönlich an der Orgel.

Beim Chornachmittag traten auch die Mitglieder des Jugend- und des Kinderchors auf. Den Kinderchor hatte Lindner 2012 ins Leben gerufen. „Der Vorschlag“, so erzählt sie, „kam von Müttern aus dem Pfarrgemeinderat.“ Lindner hatte an der Schule Flötenunterricht gegeben und mit Orff-Instrumenten musiziert. So baten die Eltern sie, einen Kinderchor zu gründen. Benannt hat sie ihn nach ihrem Lieblingsheiligen Franz von Sales. Von der lebensnahen und optimistischen Spiritualität dieses Heiligen sind auch die Lieder geprägt, von denen Lindner viele selbst komponiert hat. Dabei vermittelt sie ihren jungen Sängern immer ein Motto von Franz von Sales, das sie auch selbst sehr geprägt hat: „Alles aus Liebe und nichts aus Zwang.“ Der Kinderchor wuchs schnell, und bald entstand ein eigener Jugendchor. Besonders freut sich Anja Lindner, dass Pfarrer Anton Schatz die Chöre „mit viel Engagement und Freude unterstützt“.

Bericht: Theresia Asbach-Beringer/Raymund Fobes/af, Kirchenzeitung Nr. 47 vom 25 November 2018

Beitrag als PDF

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 50 vom 16.12.2018

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen@kirchenzeitung-eichstaett.de



Bezugspreise (ab Jan. 2018): Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 7,50 € (6,35 € einschl. 7 % MWSt. + 1,15 € Zustellgebühr); durch die Post monatlich 8,25 €; Einzelnummer 1,80 €.