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13.12.2019

Zwei Jahrzehnte am Puls der Zeit Organisatoren des Fiegenstaller Forums beenden ihre Arbeit / Schwerpunkt nachhaltiges Leben

Ich seh uns heut noch, wie wir in der Scheune beieinander sitzen und überlegen“, erinnert sich Lisa Amon. Damals, Ende der 1990er-Jahre, dachte sie mit Simone Birkel und Martin Schneider darüber nach, wie man das frisch eröffnete Jugend- und Bildungshaus der Katholischen Landjugend (KLJB) in Fiegenstall bei Weißenburg mit Leben füllen könnte. „Wie können wir es zu einem Gewinn für die Region machen und uns ins kulturelle Leben einbringen?“ ...

Ein ökologisch vorbildlich sanierter Pfarrhof aus dem 17. Jahrhundert.

Heimat der Landjugend und des Fiegenstaller Forums: Ein ökologisch vorbildlich sanierter Pfarrhof aus dem 17. Jahrhundert. Foto: Seibold

fasst sie die damalige Ausgangsfrage zusammen. „Und da ist uns die Idee mit dem Forum gekommen.“

Bewusst habe man nicht nur Jugendliche ansprechen wollen, sondern alle Altersgruppen und alle, die sich schon damals, vor mehr als 20 Jahren, für nachhaltiges Handeln interessierten, sagt Amon, die heute Umweltreferentin der Diözese ist. Im Vorwort des Jahresprogramms 2019 machen die Initiatoren deutlich, dass sich das Fiegenstaller Forum von jeher als „Plattform für eine zukunftsermöglichende Lebenspraxis“ verstanden habe. Und kündigten an: Das Programm wird das letzte in der bisherigen Form sein. 

Angefangen hatte alles in den frühen 1990er-Jahren, als die katholische Landjugend im Bistum nach einem Ort Ausschau hielt, „an dem wir Wurzeln schlagen können“, erinnert sich Amon an ihre aktive KLJB-Zeit. Der damalige KLJB-Diözesanpräses und heutige Dompropst Alfred Rottler brachte schließlich den ehemaligen, seit Jahrzehnten leerstehenden Fiegenstaller Pfarrhof aus dem 17. Jahrhundert ins Spiel. Von Anfang an habe festgestanden, beim Renovieren des denkmalgeschützten Gebäudes kräftig mitzuhelfen und dabei konsequent ökologisch vorzugehen, berichtet Amon. Es sollte ein rein regenerativ versorgtes Haus werden, ergänzt Schneider, heute Referent beim Münchner Diözesanrat. 1991 begann ein ehrenamtliches „Kuratorium Haus Fiegenstall“ mit Planung und Umbau der Anlage, zu der neben dem Pfarrhof auch eine Scheune gehört.

Holz und Juramarmor

Die Zusammenarbeit mit den Leuten von der Landjugend sei für den Architekten durchaus herausfordernd gewesen, erinnert sich Amon, denn „wir haben schon relativ innovative Ideen gehabt“. So entstand mit viel Eigenleistung ein zur Hälfte von Bistum finanziertes Jugend- und Bildungshaus mit Küche, Konferenzraum und Übernachtungsmöglichkeiten für knapp 30 Gäste. Wann immer es ging, wurden natürliche Baustoffe beim Umbau eingesetzt, Holz aus heimischen Wäldern, Juramarmor und Lehm aus der Umgebung. Rechtsträger und Verwalter des neuen Jugendhauses war der Verein der „Freunde und Förderer der KLJB Eichstätt“. 

Bereits wenige Wochen nach der Eröffnung im Juli 1998 machte der Förderverein sein erstes Angebot zur ökologischen Bildung. Unter dem Motto „So kommt die Sonne in die Suppe“ ging es um Kochen mit Solarenergie. 2001 wurde das erste komplette Jahresprogramm präsentiert. Es stand unter dem Motto „Veränderungenverantwortlich gestalten“ und ging auf touristische Entwicklungen im künstlich geschaffenen fränkischen Seenland („Was hat der See mit uns gemacht?“) ebenso ein wie auf den Strukturwandel in der Landwirtschaft, das „Bauernsterben“. Ein Thema, das damals die Gemüter bewegte, der Rinderwahnsinn (BSE), bot Anlass zum Reden über artgerechte Tierhaltung. Die Agenda 21 war ebenso Thema wie die sogenannte Bauwagen-Bewegung von jungen Leuten auf dem Land. Eine vielbeachtete Veranstaltung dazu fand 2004 nicht in Fiegenstall, sondern im Eichstätter Gasthaus „Krone“ statt. 

Unter den Referenten im ersten Jahr war der damalige Abt des Klosters Plankstetten, Gregor Hanke ebenso wie der fränkische Lyriker Fizgerald Kusz. Dass der Bekanntheitsgrad des Fiegenstaller Forums wuchs, lag auch an den festen Zeiten, die bald etabliert wurden: Stets fand die Veranstaltung am ersten Donnerstag im Monat um 19.30 Uhr statt. Müllkonzept und Gentechnik, Konsumverhalten und muslimische Familien auf dem Land – kaum ein gesellschaftspolitisches Thema wurde ausgelassen. „Wir waren immer unserer Zeit voraus“, betont Simone Birkel, heute Dozentin für Jugend- und Schulpastoral an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU).

Chaotischer Alltag

Aber auch Religion und Glaube hatten ihren Platz im Jahresprogramm. So kam der damalige Generalvikar Johann Limbacher zum Diskussionsabend „Kirche ist krass“. Der ehemalige Ökumenebeauftragte Domkapitular Alois Ehrl war auch zu Gast. Pädagogin Birkel, Mutter dreier Kinder, sprach über religiöse Rituale als Oasen im chaotischen Familienalltag. Im ver-gangenen Jahr wurde bei einer Veranstaltung an der KU die Jugendsynode im Vatikan besprochen.

Zum zehnjährigen Bestehen der Vortrags- und Gesprächsreihe nannte der damalige KLJB-Präses Pfarrer Matthias Blaha diese „ein kleines Wunder“ an Konstanz.  Das Forum sei nicht selten Vorreiter für später einsetzende Entwicklungen gewesen. Repair-Cafés, die der Wegwerfmentalität trotzen, sind solch ein Trend, um den es heuer in Fiegenstall unter anderem ging. Amon, Birkel und Andreas Weiß, als Vertreter des Kreisbildungswerks seit sechs Jahren der Dritte im Organisationsbunde, gaben den Forumsfans auch heuer noch viele Denkanstöße mit auf den Weg. Wer auch immer in die Fußstapfen der ehrenamtlichen Organisatoren treten wird (siehe Beitrag S. 4 unten): Die Themen werden nicht ausgehen, sind die drei überzeugt: „Wir leben in spannenden Zeiten“, sagt Amon.

Gabi Gess / Bernd Buchner


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 9 vom 1.3.2020

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