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Serie: Lebensfragen - Lebenshilfe

06.05.2016

Auf die Stimmung kommt es an

Unsere innere Stimmungslage beeinflusst uns das ganze Leben lang. Ist sie gut, bringen  wir uns mit Freude und Kreativität in das familiäre, freundschaftliche und berufliche Miteinander ein. Ist sie schlecht, empfinden wir viele Anforderungen des Alltags als unangenehm und als große Last. In unterschiedlichem Ausmaß lassen wir uns auch von äußeren Stimmungssituationen beeinflussen. Vor einiger Zeit schilderte mir Jochen (32) in einem Beratungsgespräch, dass ihn die angespannte Stimmung beim letzten Weihnachtsbesuch bei seinen Eltern weit weniger belastete, als seine gleichaltrige  Frau Christa. Da für deren Wohlbefinden eine liebevolle und harmonische Stimmung in der Familie äußerst wichtig ist, wurde sie durch das zurückhaltende Verhalten ihrer Schwiegereltern stark verunsichert.

Unter einer Stimmung versteht man in der Psychologie ein Hintergrundgefühl, das sich über die Zeit hält. Im Gegensatz zu Emotionen, welche stets eine erkennbare Ursache haben, kommen Stimmungen oft wie ein überraschender Wind ohne einen eindeutigen Auslösereiz auf, sind flüchtig und schwer greifbar.

Im Hinblick auf das Zusammenleben in einer Liebesbeziehung erweitert Berit Brockhausen in ihrem spannenden Buch „Du hast Recht und ich meine Ruhe? Effektive Beziehungsstrategien für Konfliktscheue“ das Thema  „gute Stimmung“ durch ein engagiertes Plädoyer für die Bedeutung der Harmonie in einer Partnerschaft. Ihrer Ansicht nach wurde das menschliche Bedürfnis nach Harmonie in den letzten Jahren nicht besonders ernst  genommen, ja sogar als Persönlichkeitsschwäche („Du bist ja harmoniesüchtig“) abgetan. Im Folgenden stelle ich Ihnen einige Gedanken der Autorin vor:

Harmonie-Bedürfnis

So schön eine immerwährende Harmonie auch wäre, jede Beziehung hat gute und schlechte  Zeiten. Die Harmonie in einer Partnerschaft zeigt sich für Brockhausen besonders in dem positiven Zusammenklang der beiden Partner, der durch Gefühle von Zusammengehörigkeit, Liebe, Nähe, Gemeinsamkeit und Stimmigkeit spürbar wird. Ein Beispiel aus der Musik: Auf der Basis von zwei gut gestimmten Gitarren kann beim Auftritt eines Gitarrenduos ein harmonischer Zusammenklang entstehen. Sind die beiden Gitarren nicht gut gestimmt, ist ein disharmonischer Vortrag die Folge. Um die Harmonie in einer Beziehung zu pflegen, gilt es nach Brockhausen auf folgende vier Harmoniestrategien zu achten: 1. Stehen Sie zu Ihrer inneren Haltung nach dem Motto „Ja, ich habe das Bedürfnis nach Harmonie und guter Stimmung“ 2. Üben Sie, Ihre eigene Stimmung wahrzunehmen. Je achtsamer Sie mit sich selbst umgehen, desto besser ist die Stimmung in Ihrer Beziehung. 3. Stimmen Sie sich aufeinander ein. Finden Sie heraus, was Ihr Partner möchte. Stimmen Sie sich auf einen „Paarton“ ein, der für Sie beide passt. 4. Stimmen Sie sich miteinander ab. Einigen Sie sich, wie Sie die notwendigen Vorbereitungen für das Erreichen eines gemeinsamen Zieles aufteilen.

Zum Abschluss möchte ich Ihnen ein eindrucksvolles Bild vorstellen, das ich in dem Buch von Brockhausen gefunden habe: „Das Bild vom Wasser und den Steinen bedeutet“, so die Autorin, „dass sich ungelöste Konflikte wie große, unverrückbare Steine im Flussbett ihrer Liebe befinden. Diese stören Sie jedes Mal, wenn Sie den Fluss befahren wollen. Nicht selten kommt es zu Verletzungen und manchmal drohen die Steine sogar, Ihr Beziehungsboot zum Kentern zu bringen. Leider lassen sich diese im Moment nicht beseitigen. Deshalb müssen Sie unbedingt auf den Wasserstand Ihres Liebes-Flusses achten. Je mehr Wasser er führt, desto leichter wird es, den großen Steinen – also den ungelösten  Konflikten – auszuweichen oder über sie hinwegzugleiten. Ganz anders ist es dagegen bei Niedrigwasser. Dann werden Sie auf diesem Fluss sowohl an die großen als auch an die vielen kleinen Steine stoßen. Das Ziel ist nun, viel Wasser über die Steine zu bringen. Erhöhen Sie den emotionalen Wasserstand in Ihrer Beziehung. Fördern Sie die gute Stimmung und Harmonie in Ihrer Partnerschaft, beispielsweise durch die Anwendung der vier Harmoniestrategien. Tun Sie ganz bewusst Dinge, die Sie beide als schön empfinden. So fällt es Ihnen leichter, die negativen Auswirkungen von ungelösten Konflikten auszuhalten“.

Dr. Gerhard Nechwatal, Kirchenzeitung vom 8. Mai 2016

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 46 vom 18.11.2018

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