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Serie: Lebensfragen - Lebenshilfe

08.04.2016

Das wichtigste „Zauberwort“ in unserem Leben

Alle guten Gaben, alles was wir haben, kommt oh Gott von Dir. Wir danken Dir dafür.“ Immer wenn wir dieses Tischgebet im Kreise der Familie sprechen, wird mir klar: Das wichtigste „Zauberwort“ in unserem Leben heißt „Danke“. Wie bedeutsam es ist, Worte des Dankes rechtzeitig auszusprechen, las ich kürzlich in Hape Kerkeling’s berührendem Buch „Der Junge muss mal an die frische Luft“. Auf die Frage seiner Oma, „Lieber Himmel, wie hast du das bloß geschafft, mein Junge?“, antwortete der erfolgreiche Entertainer – leider erst zeitversetzt einige Jahre nach deren Tod: „Durch dich habe ich das geschafft, Oma. Du hast mir alle Steine aus dem Weg geräumt!“

Unter Dankbarkeit versteht man einen Zustand, in dem man zu schätzen weiß, dass einem jemand ein positives Gefühl durch eine immaterielle oder materielle Zuwendung geschenkt hat. Dankbarkeit ist somit meist an eine Bedingung geknüpft, kann aber auch bedingungslos – aufgrund einer „inneren Haltung“ – erfolgen. Man kann dem Göttlichen und den Menschen gegenüber dankbar sein. Bei nicht wenigen Personen ist das Verhältnis zur Dankbarkeit belastet. So erinnern sich manche nur ungern an den strengen elterlichen Appell „Sag schön ‚Danke‘ zur Tante!“ und verbinden Dankbarkeit mit erzwungener Anpassung und Unterwürfigkeit.

Derzeit verweisen zahlreiche Forschungsergebnisse aus der Psychologie darauf hin, dass Dankbarkeit eine hervorragende Voraussetzung für ein glückliches und gesundes Leben ist. In einem Experiment teilten beispielsweise die US-amerikanischen Psychologen Robert Emmons und Michael McCullough ihre Versuchsteilnehmer in zwei Gruppen ein. Die einen ließen sie nachsinnen, wofür sie in ihrem Leben dankbar sind. Die anderen sollten einfach an irgendetwas denken. Diese kurzen Reflexionsübungen wiederholten die Forscher jede Woche, ganze zehn Wochen lang. Das Ergebnis des Versuchs überraschte selbst die Wissenschaftler: Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigten die Dankbaren über den gesamten Zeitraum des Experimentes mehr Motivation und mehr Optimismus. Auch ihre Gesundheitswerte verbesserten sich. Kurz: Die regelmäßigen, dankbaren Gedanken machten die Versuchspersonen glücklicher und gesünder. Dieser Effekt hielt bei den Versuchspersonen nach dem Experiment besonders dann noch lange an, wenn diese sich angewöhnten, regelmäßig einmal in der Woche ein Dankbarkeitstagebuch zu führen.

Wenn wir Dankbarkeit praktizieren, wird unsere Perspektive auf das alltägliche Geschehen verändert. Die positiven Dinge des Lebens treten in den Vordergrund, die negativen in den Hintergrund. Ein Beispiel: Die negativen Gedanken wegen eines Streites mit seinem Partner am Abend können durch den Gedanken, dass viele Menschen eine ganze Menge dafür geben würden, einen so engagierten Partner an der Seite zu haben, der sich auch noch die Zeit nimmt, mit einem zu streiten, in den Hintergrund treten.

Kraft der Dankbarkeit

Wer dankbar ist, so die Psychologin Sonja Lyumbomirsky, kann positive Erfahrungen mehr genießen und erlebt weniger negative Gefühle wie Ärger, Eifersucht oder Schuld. Sein Selbstwertgefühl steigt und er kann leichter mit Belastungen umgehen. Wer dankbar ist, verhält sich auch hilfsbereiter. Dies wiederum stärkt seine sozialen Beziehungen – übrigens sogar dann, wenn er seine Dankbarkeit nicht zum Ausdruck bringt, sondern nur still darüber nachdenkt oder schreibt.

Liebe Leserinnen und Leser, nutzen Sie die Kraft der Dankbarkeit für Ihre Partnerschaft. Der erste Schritt ist die Wahrnehmung der Dankbarkeit, der zweite deren Mitteilung an den Partner. Im Folgenden möchte ich Ihnen zwei Übungen zum Thema „Den Blick bewusst auf das Positive in Ihrer Beziehung lenken“ vorstellen: 1. Machen Sie es sich zur Gewohnheit, ca. einmal in der Woche allein in einer ruhigen Stunde mindestens drei Dinge aufzuschreiben, die Ihnen an Ihrem Partner gut gefallen. 2. Machen Sie es sich ebenfalls zu einer weiteren Gewohnheit, sich am Ende des Tages einige Minuten darauf zu besinnen, was Sie am Zusammensein mit Ihrem Partner genossen haben? Überlegen Sie, wann Sie Ihm dies mitteilen werden. An dieser Stelle möchte ich noch auf den dritten Schritt, auf die sicherlich freudige Annahme des Dankes, hinweisen. Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Durchführung der Übungen. Sie werden sehen, Dankbarkeit belebt Ihre Beziehung und lässt sich trainieren.

Dr. Gerhard Nechwatal, Kirchenzeitung vom 10. April 2016

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 32/33 vom 12./19.08.2018

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