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Serie: Lebensfragen - Lebenshilfe

04.12.2015

Stille Zeichen der Liebe

Langsam schiebt sie ihre Hand über den Tisch, ergreift die Hand des Moderators. Zuvor hatte  Reinhold Beckmann die ältere Dame gefragt, wie sie mit ihrem Mann umgegangen ist, wenn er von Sorgen erfüllt heimkam und wie sie ihm mit ihrer Liebe in solchen schicksalsschweren  Momenten helfen konnte. ‚Mit dieser Geste, allein mit dieser Geste‘, sagte Loki Schmidt, und dann sagte sie noch, dass dieses Hineinschmiegen der einen Hand in die andere völlig genug gewesen sei, dass damit eigentlich  alles gesagt wurde".

Für Peter Bachér, der diese Szene aus einer vor vielen Jahren ausgestrahlten Fernsehsendung schildert, entschlüsselt diese  kleine zärtliche Geste der Frau  des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt ungewollt, wie es möglich war, 68 Ehejahre "bei höchster körperlicher und seelischer Belastung miteinander verbunden zu sein". Zu dem ohne Worte stattfindenden Informationsaustausch über Gesten, Blicke etc. – im Fachjargon "nonverbale Kommunikation" genannt – möchte ich Ihnen im Folgenden einige Gedanken vorstellen.

In den letzten Jahren haben Wissenschaftler zahlreiche Hinweise dafür gefunden, dass der über die Körpersprache stattfindende zwischenmenschliche Austausch mindestens so bedeutsam ist wie die Verständigung über Worte. Schon beim fürsorglichen Umgang einer Mutter mit ihrem Säugling können wir sehen, dass die Grundlage für die positive Resonanz zwischen beiden – neben dem Hin und Her verschiedener Laute (Ei, Oh, Da  etc.) – überwiegend auf dem  unbewussten Austausch von  Blicken, Gesten und Berührungen beruht. Wenn sich beide in ihrem gemeinsamen "Tanz" spiegelbildlich ergänzen, wird dadurch beim Baby die Entwicklung seines Spiegelnervenzellenystems angeregt. Die sogenannten Spiegelneuronen befähigen es, empfangene Signale aufzunehmen und durch Imitation über die Mimik, Hand- und Körperbewegungen zurück zu spiegeln. Entwickelt eine Person in ihrem Leben ein gutes Einfühlungsvermögen in andere Personen, so geschieht dies immer auf der Basis einer guten Ausstattung an Spiegelneuronen. 

Die Körpersprache

Vier Faktoren, die unsere  nonverbale Kommunikation, beziehungsweise unsere Körpersprache bestimmen, stelle ich  Ihnen nun vor:

  1. Der Blick: Ein chinesisches Sprichwort sagt: "Der Blick ist das zweite Rückgrat". Über den Blick ist es möglich, ohne körperliche Berührung Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen. Geflirtet wird nahezu immer über den Augenkontakt.
  2. Die Mimik: Von 20 verschiedenen Gesichtsmuskeln sind 17 für den Ausdruck (Lachen etc.) vorgesehen. Die Mimik zeigt das Grundgefühl  eines Menschen an.
  3. Die Gestik: Während kraftvolle Gesten oft ein Beleg für die Selbstsicherheit  einer Person sind, weisen nervöse Gesten auf eine etwaige Unsicherheit hin.
  4. Die Körperhaltung: Eine aufrechte Haltung  gilt allgemein als Signal für ein  gesundes Selbstwertgefühl.

Wenden wir uns noch einmal der eingangs schon angesprochenen Bedeutung der Kommunikation ohne Worte für das Zusammenleben in einer Liebesbeziehung zu. Hans Jellouschek fand dafür folgende Worte: "Wenn ich spüre, wie meine Partnerin meine Hand berührt, vermittelt sie mir: ‚Ich mag dich‘. Ein  kleines Lächeln zwischendurch lässt eine innige Verbindung zwischen uns entstehen. Sie schaut mich an und ich spüre in  ihrem Blick Zuneigung und Sympathie. Solche kleine Zeichen  sind mindestens so wichtig wie  verbale Bezeugungen, und jedes  Paar sollte hier sein eigenes  unverwechselbares Repertoire entwickeln und pflegen". Liebe  Leserinnen und Leser, ich wünsche  Ihnen von Herzen, dass Sie in  der Adventszeit und an den Weihnachtsfeiertagen achtsam bleiben für das Geben und Empfangen  der stillen Zeichen der Liebe.

Dr. Gerhard Nechwatal, Kirchenzeitung vom 6. Dezember 2015

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 48 vom 29.11.2020

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