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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

07.07.2021

Aussendung – eine Frage des Vertrauens

Was ist für eine „erfolgreiche“ Verbreitung des Evangeliums notwendig? Materielle Mittel? Eine Marketingstrategie? Ausgezeichnet ausgebildete Fachleute? Wenn wir das Evangelium betrachten, merken wir, dass Jesus andere Schwerpunkte setzt, andere Anweisungen gibt und andere Personen wählt, als wir selbst oder so mancher Unternehmensberater und Coach es machen würde, um die Botschaft Christi zu verbreiten.

Das Grundlegende für eine erfolgreiche Verbreitung des Evangeliums steht bereits ganz am Anfang des heutigen Evangeliums: Jesus rief die Jünger zu sich. Ausgangspunkt und Voraussetzung für die Verbreitung des Evangeliums ist zunächst immer das „Bei-Jesus-Sein“ der Jünger. Die Jünger haben Jesus zum Mittelpunkt ihres Lebens gemacht und sind ihm nachgefolgt. Sie haben ihn, seine Worte und seine Haltungen kennengelernt. Sie versuchen den Lebensstil Jesu nachzuahmen. Sie genießen das Beisammensein mit ihm, weil er ihrem Leben Sinn und Erfüllung schenkt.

Auch jeden Einzelnen von uns ruft Jesus zu sich: Wir dürfen Jesus immer besser und persönlich kennenlernen, etwa im einfachen Gespräch mit ihm oder in der Lesung des Evangeliums. Wir glauben ja, dass Jesus lebt – auch wenn wir ihn manchmal wie einen Verstorbenen behandeln. Lassen wir Jesus immer mehr in unseren Alltag eintreten und bei uns bleiben, damit auch wir immer mehr vom Lebensstil Christi durchdrungen werden, um seine Zeugen sein zu können.

Nachdem Jesus seine Jünger zu sich gerufen hat, sendet er diese Jünger aus und gibt ihnen die Vollmacht, unreine Geister auszutreiben und Kranke zu heilen. Die Jünger sind also im Auftrag Christi unterwegs und er stattet sie mit allem hierfür Notwendigem aus. Er gibt ihnen Vollmacht, so dass durch die Jünger Großes geschehen kann. Sicherlich stellen die Jünger für diesen Auftrag auch ihre eigenen Begabungen und Fähigkeiten zur Verfügung, aber das eigentlich Entscheidende wirkt Gott – durch sie hindurch.

Wie oft erstaunen wir, wenn wir hören, was „normale“ Menschen für den Herrn vollbringen. Wer hat nicht schon erlebt, dass das schlichte und vielleicht sogar stotternd vorgetragene Zeugnis eines „einfachen“ Christen viel tiefer die Herzen berührt als ein glänzend theologischer Vortrag? Auch wir dürfen uns als Getaufte von Christus gesendet wissen. Er stattet auch uns mit dem Notwendigen aus. Er will durch uns wirken, wenn wir uns ihm zur Verfügung stellen. Das fällt uns aber oft schwer. Hier gilt es sich frei zu machen, von der Angst vor Versagen, von einem falschen Leistungsdenken, vom eigenen Perfektionismus, und sich zu öffnen für das Wirken Gottes, der die Herzen der Menschen berühren kann – auch heute durch uns.

Interessant ist bei der Aussendung aber noch ein weiterer Aspekt: Jesus gibt den Jüngern genaue Anweisungen für ihre notwendige Ausrüstung und ihr Verhalten unterwegs. Er weist sie an, nichts – nicht einmal Brot oder Geld – mitzunehmen, nur einen Wanderstab. Sicherlich ist das den Jüngern nicht leicht gefallen, sich gänzlich Gott und seiner Vorsehung anzuvertrauen. Das Entscheidende bei der Verkündigung sind also nicht materielle Mittel, sondern die Botschaft Christi selbst und Zeugen, die von der Botschaft entflammt sind und sich auf dieses Abenteuer des Vertrauens auf Gott einlassen. Wagen auch wir öfter einmal, unsere Sicherheitszone zu verlassen und Gottes Wirken Raum in unserem Leben zu geben. Dann werden auch wir Großes erfahren.

Pia Sommer, Nr. 28 vom 11. Juli 2021 - Evangelium: Mk 6, 7-13


Fünfzehnter Sonntag im Jahreskeis

Wer sich in der Welt durchsetzen will, braucht Macht; er muss stärker sein als andere. Die Macht hat vielerlei Gestalten: Energie, Geld, Intelligenz, Beziehungen, Organisation, Waffen. Der Jünger Jesu hat aber nicht den Auftrag, sich durchzusetzen, sondern er soll das Wort Gottes weitersagen und Zeuge Gottes sein in dieser Welt; er soll der Kraft Gottes Raum geben in seinem eigenen Leben. Die Menschen werden seinem Wort nur glauben, wenn sie es als gelebte Wahrheit sehen.

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