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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

01.12.2021

Bekleidet mit dem Mantel der Gerechtigkeit

Jerusalem, Jerusalem, leg das Gewand der Trauer ab, singe und tanze deinem Gott!

Auf ein Wort: Bekleidet mit dem Mantel der Gerechtigkeit. Foto: pixabay/Bertl

Jerusalem, Jerusalem, leg das Gewand der Trauer ab, singe und tanze deinem Gott!“ – so heißt es in einem modernen geistlichen Lied. Geht nicht unsere Gesellschaft, gehen nicht wir alle, geht nicht auch die Kirche derzeit im Trauergewand? 

Eine Epidemiewelle nach der andern! Dazu Proteste, Unzufriedenheit und Wut, wenig Eintracht, eher Vorwürfe und täglich Streit. Derzeit also viele wie im Trauergewand! Wie aber könnte es abgelegt werden und wer kann uns neu einkleiden? 

Der Prophet Baruch spricht in der ersten Lesung an diesem Sonntag von Gott Jahwe, der sein Volk Israel„in den Mantel der Gerechtigkeit kleidet und der ihm eine herrliche Krone aufsetzt“. Was für ein schönes Bild. Gilt das auch für uns jetzt im Advent 2021? Will denn Gott auch uns mit einem neuen Gewand bekleiden? Möchte er auch uns heimführen aus der Knechtschaft in die Freiheit, aus der Fremde in die Heimat, aus der Trauer in die Freude und aus dem Leid ins Glück? 

Wo leben wir in der Fremde? Nach welcher Heimat sehnen wir uns? Sind wir uns nicht manchmal selber fremd? Kann diese Welt unsere endgültige Heimat sein? Und wer wäre dann unser Fremdenführer, der uns eine neue Perspektive zeigt? Auf einen solchen Fremdenführer weist uns heute am 2. Advent Johannes der Täufer hin. Er kündet uns von einem Fremden, der zu uns unterwegs ist, vom Heil, das von Gott kommt und von einer geheimnisvollen Stimme, die in der Wüste ruft. Aus der Sicht des Johannes ist es die Stimme des Messias, für uns ist es Jesus Christus. Wie aber kann er uns heimführen und uns Hoffnung und Trost geben? Die Antwort liegt in der Botschaft des Täufers und in der von Jesus: „Kehrt um, das Krumme werde gerade und das Unebene soll ebener Weg werden!“ Das Ende der Trauer also und Freude dort, wo wir dem ewig liebenden Gott eine Straße in unsere Herzen und in unsere Welt bauen. Wo wir es zulassen, dass er uns herausholt aus unserem Schmerz, aus unserer Verlorenheit und aus unserer Gefangenschaft in Gram und Groll. Wo wir es zulassen, dass er jetzt im Advent alle Dürrezonen bei uns selbst und in der Kirche wieder fruchtbar macht.

Dann werden wir unsere eigenen Schwächen erkennen und wir werden uns gegenseitig viel verzeihen zu können. Dann beginnen wir, wie es der Prophet Baruch ankündigt, zu strahlen und zu leuchten. Wir werden gar zu königlichen Menschen. Was für eine Verheißung! 

Richard Distler, Pfr. i. R., Nr. 49 vom 5. Dezember 2021 – Evangelium (Lk 3, 1–6)


Zweiter Adventssonntag

Ein Christ in dieser Welt ist nicht ein verlorener Einzelgänger.
Er steht in der Gemeinschaft glaubender und hoffender Menschen.
Er weiß sich verantwortlich für sie und für alle Menschen.
Denn für alle Menschen will Gott Rettung, Freiheit, Freude.
Und jeder kann jedem ein Helfer sein.

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