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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

02.06.2021

Das Böse erkennen und ihm entgegentreten

Hoch oben stehen sie, in luftiger Höhe, als Wasserspeier an den Außenfassaden von Kathedralen. Diese fratzenhaften Teufelsfiguren, kunstvoll in Stein gehauen. Der Film „Der Glöckner von Notre Dame“ hat sie uns anschaulich gemacht. Im Mittelalter bannte man das Dämonische in Stein. Es sollte dem Heiligtum nicht schaden und außerhalb festgemacht werden. 

An verschiedenen Stellen der Heiligen Schrift wird Jesus unmittelbar mit dem Bösen konfrontiert. Etwa bei seiner Versuchung durch den Teufel in der Wüste. Oder – im Evangelium vom heutigen Sonntag – im Streitgespräch mit den Schriftgelehrten und mit seinen Angehörigen. 

Der Vorwurf ist brutal und geht an die Substanz: „Er ist vom Beelzebul, vom Satan besessen!“ Da werden schwere Geschütze aufgefahren. Die ganze Sendung Jesu soll torpediert werden. Doch im Gegensatz dazu läuft ihm die Masse nach. Wunder passieren: Kranke und Besessene werden geheilt. Das ruft die Führer des Volkes auf den Plan, sogar die eigene Familie: Was ist denn los mit diesem Jesus? Kommt er wirklich von Gott? Oder hat er es vielleicht mit dem Satan zu tun? Ist er gar „von Sinnen“, also verrückt? 

Doch Jesus macht keinen Rückzieher. Er provoziert seine Gegner mit der Frage: „Wie kann der Satan den Satan austreiben?“ Seine Antwort sagt klar: Wenn er die Dämonen austreibt, dann muss er doch viel stärker sein als Satan, der Anführer der Dämonen. Dann steht hinter ihm eine viel größere Macht. Die aber ist die Macht Gottes, Gott selbst. 

Faszinierend wie Jesus seinen Weg geht. Bei ihm steht Gott im Mittelpunkt und der Kampf für das Reich Gottes. Davon lässt er sich durch nichts abbringen. Letztlich endet sein Weg am Kreuz. Sein Kreuzestod und seine Auferstehung werden zum Sturz Satans, wenn er in einer Vision in Lk 10, 18 zu den Jüngern sagt: „Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen!“ 

Was ist das Böse? Woher kommt es? Es ist oft kaum zu durchschauen. Wir erleben Hass, Hetze, Terror, Gewalt, Bosheit, Intrigen und Verachtung. Doch wie frei sind wir selber, das Böse zu erkennen und ihm entgegen zu treten? Es ist dann möglich, wenn wir – im Blick auf den Text der ersten Lesung – auf die Stimme Gottes hören: Adam, wo bist du? Mensch, wo bist du? Kennst du dein eigenes Versagen? Du kannst nicht immer nur auf andere verweisen. 

Böses erkennen wir dann, wenn wir die Kraft des Heiligen Geistes einlassen. Und wenn wir wie Jesus auf die Macht des Reiches Gottes setzen, auf eine starke Gottesbeziehung. Denn die ist stärker als alles Böse. Sie wird Sieger sein und uns inneren Frieden schenken.

 

Richard Distler, Pfr. i. R., Nr. 23 vom 6. Juni 2021 - Evangelium: Mk 3, 20-35


Zehnter Sonntag im Jahreskeis

Es gibt das Böse, und es gibt den Bösen. Jesus hat mit dem Bösen gerechnet und ist ihm in vielfacher Gestalt begegnet: dem Dämon der Stummheit, der Unreinheit, der Lüge, des Hasses. Wir tun gut daran, mit dem Bösen zu rechnen, auch wenn er in unserem Jahrhundert andere Gestalten annimmt. Wir wissen aber, dass Jesus der Stärkere ist.

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