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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

25.08.2021

Das Erwecken des göttlichen Funkens

Glaube und Religion sind mehr als nur die Beachtung von ...

Das Erwecken des göttlichen Funkens. Foto: pixabay

Heute Abend besuche ich mich selbst. Mal schauen, ob ich zuhause bin“ – so soll einst Karl Valentin gescherzt haben. Womöglich war es aber auch mehr als nur ein Scherz. Denn: Sich selbst zu besuchen, sich anzuschauen und zu fragen, ob ich wirklich der bin, der ich sein könnte, ob ich bei mir selbst daheim bin – das kann durchaus vernünftig sein. Lassen wir uns nicht allzu oft von außen steuern, von Geboten, Gesetzen, Vorschriften, Paragraphen oder Menschensatzungen, wie es im heutigen Evangelientext heißt? Denken wir doch nur an die nicht immer einsichtigen Corona-Regeln.

Glaube und Religion sind mehr als nur die Beachtung von religiösen Geboten oder Anstandsregeln, mehr als nur Hilfen bei der Erziehung oder die Anpassung an das, was alle anstandshalber sagen, denken und tun. Religiöse Regeln und Vorschriften, wie etwa die Zehn Gebote, können Leitplanken sein, an denen man sich orientieren kann. Sie dürfen nicht die Fahrt unseres Lebens und die uns von Gott geschenkte Freiheit, auch nicht unsere eigene Originalität, unterdrücken oder gar zerstören. Ständiger Druck von oben oder außen kann im Menschen Schaden anrichten in Form von Rachegefühlen, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Neid und Unvernunft. All das zerstört das Herz des Menschen. Da ist es durchaus vernünftig, „sich mal selbst zu besuchen“ und sich auch mal im eigenen Innern umzuschauen. Denn wenn ich ganz bei mir bin, dann kann ich auch dem Nächsten unvoreingenommen, ehrlich, offen und herzlich begegnen. Dann spüre ich bald, was er braucht, wer er ist und was ihm guttut.

Letztlich geht es darum, zu erkennen, was die Mitte des eigenen Seins ausmacht, so dass ich im tiefsten Inneren auch Gott finden kann. Genau darauf zielt heute Jesu Streitgespräch mit den Schriftgelehrten und Pharisäern, wenn er sie auf das Innere, auf das Herz des Menschen verweist.

Jesus wertschätzte jedes Kind, jeden Kranken oder Behinderten, auch den Sünder und erweckte in Vielen die Würde der Gotteskindschaft. Er suchte nach dem Heiligen und Göttlichen im Herzen der Menschen. Das war sein Evangelium, seine frohe Botschaft, erlösend für jeden Einzelnen und die ganze Menschheit: Das Erwecken des göttlichen Funkens im Menschen, in Ihnen, Dir und mir, den wir Auferstehung und Reich Gottes nennen, ewiges Leben und Hoffnung über den Tod hinaus.

Richard Distler, Pfr. i. R; Nr. 35 vom 29. August 2021– Evangelium: Mk 7, 1–8.14–15.21–23


22. Sonntag – im Jahreskreis

Jesus hat mit großer Freiheit nach dem Ursprung der Gesetzesvorschriften gefragt:
Gotteswille oder Menschensatzung.
Die Gesetze Gottes sind – das ist die Überraschung –
viel menschlicher als die Satzungen der Menschen.
Es gibt aber Menschen, die sich lieber hinter Gesetzen und Vorschriften verstecken,
als in Freiheit nach dem Willen Gottes zu fragen.
Wer in die Schule Jesu geht, lernt die Freiheit.

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