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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

17.11.2021

Das Reich der Wahrheit und des Lebens

Das Kirchenjahr geht zu Ende. Was sehen wir und was beschäftigt uns?

Christkönig-Darstellung in der Filialkirche Christkönig in Obersteinbach. Foto: Kreitmeir

Das Kirchenjahr geht zu Ende. Was sehen wir und was beschäftigt uns? Es sind die bekannten Themen, zum Beispiel Corona. Eine Krankenschwester sagte im Fernsehen: „Draußen wird gejubelt und getanzt und wir hier kämpfen mit dem Tod.“ Dann das Klima, die Spaltung der Gesellschaft, die Migrantenfrage und die Auseinandersetzungen der EU mit zunehmend autokratisch-regierten Staaten.

Da bleiben viele Fragen, da kommt auch unsere moderne Zeit an ihre Grenzen und an Abgründe. Was sind die Lösungen? Und: Hat das alles auch mit Gott und dem Glauben zu tun? 

Sorgen und Abgründe kennt auch das alttestamentliche Buch Daniel, aus dem die Lesung des heutigen Sonntags stammt. Der Seher Daniel sieht aber hinter den Abgründen einen tragenden Grund – den Plan Gottes. Er ahnt, dass etwas Neues kommt, denn Gott Jahwe wird dem Unheil ein Ende bereiten. Er wird sogar alle Gewaltherrscher entmachten. Dazu schickt er einen Bevollmächtigten. Der ist kein Diktator und Autokrat, er gebärdet sich auch nicht wie ein wildes Tier. Er tritt eher „wie ein Menschensohn“ und wie ein verletzlicher Mensch die Herrschaft Gottes an. 

Aber was ist das für eine Herrschaft und was für ein Reich? Es ist, wie es in der Präfation des Christkönigsfestes heißt, ein Reich der Wahrheit und des Lebens, ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens. Kann man mit einem solchen Reich und einem solchen Königtum ohne Gewalt, ohne Divisionen und Autokraten einen Staat machen? 

Damit konfrontiert im Sonntagsevangelium auch Jesus den Pilatus. Was für ein Bild! Auf der einen Seite der Statthalter der Weltmacht Rom, der wankelmütige Politiker Pilatus. Ihm gegenüber Jesus Christus, der ohnmächtige und geschundene Menschensohn und Gottessohn. Da muss selbst Pilatus gestehen: „Ecce homo“ – „Seht, welch ein Mensch!“ Ausgerechnet diesem Menschen wird alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Ihm, der von sich in seiner tiefsten Erniedrigung sagt: „Ja, ich bin ein König, aber mein Königtum ist nicht von dieser Welt und dazu bin ich in die Welt gekommen!“ 

Was heißt das? Als dieser sonderbare König verkörpert Christus Gottes befreiende und heilende Macht. Er verkörpert das Reich Gottes. Kann das sein: Gottes Reich und Herrschaft jetzt schon unter uns wirksam? 

Ja, wirksam da, wo wir wachsam unterwegs sind zu unseren Mitmenschen. Wo wir feinfühlig, aufmerksam und tatkräftig Gutes tun. Wirksam dort, wo wir uns zuinnerst anrühren lassen vom Wort Gottes, wo wir den zweifelhaften autokratischen Herrschaften, denen wir die Besatzungsmacht über unsere Herzen eingeräumt haben, den Laufpass geben. Ja, da ist Gott da, er unser König, und wir sind frei!            

Richard Distler, Pfr. i. R., Nr. 47 vom 21. November 2021 – Evangelium (Joh 18, 33b–37)


Christkönigssonntag

Hochfest

Es gibt die Wahrheit, die mehr ist als die Summe aller Wahrheiten. Sie ist größer als wir, wir können nur an ihr teilhaben, indem wir in sie eintreten; sie ist der Raum der größeren Wirklichkeit, sie macht uns frei. Es ist die Wahrheit Gottes, die Helle seiner Heiligkeit, die Macht seiner Treue. Die Wahrheit ist sichtbar erschienen: Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.

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