Zum Inhalt springen

Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

14.07.2017

Dem Wort den Boden bereiten

Foto: Erich Kraus

Ich war im 13. Schuljahr und besuchte mit meiner Klasse einen Berufsinformationsabend. In mehreren Räumen waren Tische aufgestellt, an denen Vertreter verschiedener Berufsgruppen saßen. Interessenten konnten sich dazu setzen und Fragen stellen. Etwas ratlos setzte ich mich zu einem Mann, der ganz allein an seinem Tisch saß und fragte ihn nach seinem Beruf. Er war Pastoralreferent. Nach unserem Gespräch fühlte ich, dass in mir eine Saite zu klingen begonnen hatte, die ich bisher noch nicht kannte. Auf dem Heimweg sagte ich meiner Freundin: „Ich glaube, das ist es. Ich möchte Theologie studieren und Pastoralreferentin werden.“ Jene Saite, die an diesem Abend in mir angerührt wurde, hat seither nicht mehr aufgehört zu klingen. Auch wenn es 16 Jahre dauerte, bis ich mich Pastoralreferentin nennen durfte, begleitet mich die Melodie der Worte dieses Abends auf der Wegstrecke und hat auch heute noch einen Zauber in ihrem Klang.

Vielleicht kennen Sie ähnliche Situationen aus Ihrem Leben: Ein einfaches Wort kann Entscheidungen beeinflussen, Lebenswege verändern. Von der ein oder anderen zufälligen Begegnung merken wir im Nachhinein, dass sie uns wirklich „zugefallen“ ist: Plötzlich war für eine verzwickte Sache eine Lösung erkennbar, fast erstorbener Lebensmut erblühte neu.

Oft überkommt einen dann große Dankbarkeit: Was wäre gewesen, wenn ich diese Person nicht getroffen hätte, wenn ich fünf Minuten später aus dem Haus gegangen wäre? Dabei braucht es für diese Begegnung nicht nur den Menschen, der die entscheidenden Worte spricht, sondern auch denjenigen, der den Worten in sich Raum schenkt, sie auf „guten Boden“ fallen lässt und ihnen Zeit zum Wachsen und Reifen gibt. 

Manches Mal wundere ich mich: Da werden besondere kirchliche Anlässe mit Aufwand vorbereitet, die passenden Worte werden mit Bedacht gewählt, um möglichst viele Menschen vom Evangelium Jesu zu begeistern – und nach diesem Ereignis scheint es, als hätte sich nichts verändert im Leben der Menschen, von der Begeisterung ist kaum mehr etwas zu spüren. Es bleibt vielleicht noch eine Erinnerung an einen besonderen Tag, der einem gut getan hat. Waren die Worte doch nicht so gut gewählt? Oder war der Boden doch nicht so fruchtbar, wie man angenommen hatte? 

Wir dürfen dabei nicht vergessen: In Jesu Gleichnis braucht es nicht nur den, der das Wort sät und den, der dem Wort guten Boden gibt. Es braucht auch den, der es durch Regen, Schnee und Sonne wachsen lässt. Dies kann jedoch kein Mensch, trotz aller Mühen, leisten. Diese Aufgabe kommt Gott zu. Durch ihn wird manches Wort zur Blüte und werden Lebensmelodien zum Klingen gebracht – dann, wenn die Zeit dafür gereift ist. Dies kann entlastend für uns sein, dass wir nicht ahnen können, wann ein gesätes Wort Wurzeln zu schlagen beginnt.

Dennoch bin ich überzeugt, dass wir nicht nachlassen dürfen in unserem Suchen und Ringen nach – neuen – Worten und Formen, die das Wort Gottes in unserer Mitte erblühen lassen. Dabei sollten wir uns daran erinnern, dass auch wir selbst es sind, die dem Wort Gottes oftmals einen zu einfachen, felsigen oder dornigen Boden bieten. Deshalb sind wir darauf angewiesen, dass unser Boden regelmäßig aufgelockert wird durch einen Geist, der bereit ist, sich infrage stellen zu lassen und sich öffnen zu lassen für etwas, das über unseren Verstand hinausgeht und nur mit dem Herzen begriffen werden kann.

Cordula Klenk, Kirchenzeitung Nr. 29 vom 16. Juli 2017

Dr. Cordula Klenk. Foto: Anita Hirschbeck

Dr. Cordula Klenk stammt aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Sie studierte Diplomtheologie  und Lehramt Religionslehre und Musik für  die Realschule. Nach ihrer Zeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Religionspädagogik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt promovierte sie 2005 in katholischer Theologie. Von 2013-16 war sie Pastoralassistentin in Weißenburg, St. Willibald. Seit Juli dieses  Jahres arbeitet sie als Referentin für die Flüchtlingshilfe im Malteser-Diözesanverband.

Lesungen zum 15. Sonntag im Jahreskreis am 16. Juli 2017

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen@kirchenzeitung-eichstaett.de



Bezugspreise: Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 7,00 € (5,90 € einschl. 7 % MWSt. + 1,10 € Zustellgebühr); durch die Post monatlich 7,80 €; Einzelnummer 1,70 €.