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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

01.06.2022

Der Geist ermöglicht Verständigung

Die Herabkunft des Heiligen Geistes wird in den Evangelientexten mit starken Bildern beschrieben: von Feuerzungen und Sturmgebraus ist die Rede. Das sind Bilder für Energie, Dynamik, Bewegung, Veränderung und im übertragenen Sinn auch für Be-Geisterung. Keine Frage, diese bildhafte Schilderung vom Kommen des Heiligen Geistes will ausdrücken, dass da etwas Gewaltiges passiert ist, dass da ein Bewegung, eine Dynamik in die junge Kirche gekommen ist, die sie einen großen Sprung nach vorne gebracht hat. 

Pater Alfred Delp drückt es so aus: „Da sind äußere Zeichen und innere Wunder passiert, die die Menschen verwandelt haben, sodass verschreckte Jünger Zeugnis gaben und über Nacht zu anderen Menschen wurden.“

Wir müssen bedenken: Der Geist trifft auf Jünger, die in der Krise sind: geschockt, ernüchtert, ängstlich und frustriert – aber immer noch mit einem Funken Hoffnung in ihrem Herzen. Der Tod Jesu am Karfreitag hat sie ganz und gar aus der Bahn geworfen und so haben sie sich in den Abendmahlsaal zurückgezogen aus Furcht vor den Juden.

Auch wir leben in einer Krisenzeit. Die Corona-Krise ist Gott sei Dank etwas am Abklingen. Doch die Klimakrise beschäftigt die ganze Menschheit und es ist schnelles Handeln angesagt. Der Krieg in der Ukraine löst zumindest bei den Menschen in Europa Angst und Verunsicherung aus. Wir ahnen, dass wir noch manche Folgen dieses Krieges zu spüren bekommen werden wie Teuerung, Knappheit von Getreide und Probleme im Bereich der Energieversorgung. All das treibt uns um und lässt uns zumindest teilweise bang in die Zukunft schauen.

Dahinein feiern wir Pfingsten und erhoffen das Pfingstwunder. Es möge uns ähnlich wie den Jüngern damals ergehen, es möge uns der Heilige Geist mit seiner Kraft und Dynamik erfassen, damit wir eine innere Liebe spüren, die alles Verstehen übersteigt, eine Hoffnung, die viel größer ist als wir zu ahnen vermögen, eine Begeisterung, die trotz der vielen Krisen neue Wege zu gehen bereit ist.

Die Lesung des Tages aus der Apostelgeschichte berichtet uns, dass bei der Herabkunft des Heiligen Geistes an Pfingsten Kommunikation gelingt. Menschen verschiedener Herkunft können die Apostel in ihrer Muttersprache hören und verstehen (Apg 2, 6-10). Der Geist ermöglicht in der Vielfalt der Sprachen die Einheit im Verstehen: Die verschiedenen Volksgruppen können das, was gesagt wird, begreifen und aufnehmen. Der Geist ermöglicht Verständigung.

Im Pfingstbericht wird uns ein enorm wichtiger Vorgang geschildert. Es gibt eine Verständigung, eine Kommunikation trotz aller Sprachprobleme, und bei aller 
Unterschiedlichkeit. 

Das ist heute von ebenso großer Bedeutung sowohl gesellschaftlich als auch kirchlich. Wichtig ist, im Vertrauen auf den Heiligen Geist miteinander ins Gespräch zu kommen, selbst wenn die Meinungen und Positionen unterschiedlich, vielleicht sogar konträr sind. Und wenn man ins Streiten kommt, darf man das Gespräch nicht abreißen lassen, sondern gerade dann gilt es, weiter miteinander zu ringen, miteinander um den Heiligen Geist zu beten und nach Kompromissen und Klärungen zu suchen, auch wenn es mühsam ist. 

Der heilige Augustinus hat es sinngemäß so ausgedrückt: Möge der Geist Gottes bewirken, dass sich die Herzen in der Liebe und die Geister (= Gedanken) in der Wahrheit einen.

Dompropst Alfred Rottler, Nr. 23 vom 5. Juni 2022 - Evangelium (Joh 20, 19-23)


Pfingstsonntag

Der Heilige Geist ist das innerste Geheimnis Gottes und er ist die letzte,
äußerste Gabe Gottes für die Welt.
Er erneuert die Schöpfung von innen her, er lässt nichts so, wie es war.
Wer an die Kraft dieses Geistes glaubt und um sein Kommen bittet,
muss wissen, dass er die göttliche Unruhe herbeiruft.

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