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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

25.05.2022

Der Heilige Geist ist das liebende Einssein

Dreifaltigkeitsdarstellung in Leibelbach bei Herrieden

Dreifaltigkeitsdarstellung in Leibelbach bei Herrieden Foto: Keitmeir

Pfingsten steht unmittelbar vor der Tür – das heutige Evangelium scheint damit allerdings nicht viel zu tun zu haben. Doch auch wenn der Heilige Geist mit keinem Wort erwähnt wird, ist er der eigentliche Mittelpunkt, um den sich heute alles dreht.

Jesus bittet den Vater in diesem Abschnitt aus den sogenannten Abschiedsreden immer wieder um Einheit, und zwar nicht nur um eine äußerliche, sondern um eine Einheit, die durch ein gegenseitiges Ineinander-Sein charakterisiert ist. Wenn man die Verse langsam liest, merkt man, dass nahezu jede genannte Person in der anderen ist: Christus ist im Vater, der Vater in Christus, wir sind in beiden und Christus ist in uns. Es ist also eine zutiefst innerliche Einheit. Zwei Merkmale zeichnen diese Einheit aus: Zum einen schenken sich die Personen der jeweils anderen ganz hin, so dass sie in der anderen Person sind. Und zum Zweiten sind die Personen jeweils bereit, die Selbsthingabe der anderen Person zu empfangen, so dass die andere Person in ihnen ist. Und genau das ist das Wesen der Liebe: die restlose Selbsthingabe und die Fähigkeit, den anderen ganz in sich aufzunehmen. In genau diesem Vorgang der gegenseitigen Hingabe besteht das innerste Leben der Drei-faltigkeit, und genau diese Einheit von Vater und Sohn ist der Heilige Geist. Der Heilige Geist ist die Gemeinschaft von Vater und Sohn, er ist das „Wir von Vater und Sohn“, wie es der Theologe Heribert Mühlen einmal ausdrückt hat.

In unserem Evangelium wird aber auch der Mensch in diese Einheit miteinbezogen: Christus bittet um das Einssein der Menschen mit Gott und der Menschen untereinander, was für uns vielleicht normal klingt, es der Sache nach aber ganz und gar nicht ist. Wenn Jesus um diese Einheit des Menschen in Gott bittet, dann bittet er sozusagen um die Aufnahme des Menschen in das innergöttliche dreifaltige Leben, das heißt um die Vergöttlichung des Menschen. Jesus erbittet also für den Menschen nicht nur die Erlösung als Mensch, so ähnlich wie er eben vor dem Sündenfall war, sondern viel mehr: Er erbittet uns göttliches ewiges Leben. 

Und wenn wir weiterlesen, sehen wir, dass uns dies bereits geschenkt ist. Jesus teilt uns dieselbe Herrlichkeit mit, die er vom Vater erhalten hat. Und auch der Vater steht dem Sohn nicht nach, denn wir dürfen heute den unglaublichen Satz hören, dass der Vater uns mit derselben Liebe liebt wie seinen Sohn. Wir sind also von den göttlichen Personen mit jeweils derselben Gabe bedacht, mit der sich der Vater und der Sohn einander beschenken! Und diese gegenseitige Gabe, die gegenseitige Liebe, ist nichts anderes als der Heilige Geist. Der Heilige Geist ist das liebende Einssein. Sein Wesen ist es, Einheit der Personen zu schaffen. Und hier sehen wir nun, dass der Heilige Geist der Mittelpunkt des heutigen Evangeliums ist. Bitten wir in der Vorbereitung auf Pfingsten um ein offenes Herz für die Liebe Gottes, den Heiligen Geist, den Gott uns schenken will und der die Einheit mit Gott und den Menschen schafft. Diese Liebe dürfen wir uns schenken lassen – und diese Liebe schafft die Einheit, die wir ersehnen.

Dr. Pia Sommer, Nr. 22 vom 29. Mai 2022 - Evangelium  (Joh 17, 20-26)


Siebter Sonntag der Osterzeit

„Herrlichkeit“ ist für uns heute ein schwieriges Wort. „Herrlichkeit Gottes“ meint die sichtbare,
erfahrbare Offenbarung seiner Größe und Heiligkeit. Jesus konnte sagen:
„Wer mich sieht, der sieht auch meinen Vater“. Weil der Vater auf Jesus mit unendlicher Liebe schaut,
wird auch seine Menschheit vom Licht Gottes verklärt. Die Fülle Gottes wohnt in ihm.
Und wenn wir in seiner Liebe bleiben, bleibt er in uns. Seine Liebe aber verpflichtet uns zur Einheit.
Darin wird Gott „verherrlicht“: sichtbar und erfahrbar in dieser Welt.

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