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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

15.09.2021

Die Fähigkeit zu hören und der Mut zu dienen

Wie Christus dient: Gemälde aus der Pfarrkirche in Möhren.

Wie Christus dient: Gemälde aus der Pfarrkirche in Möhren. Foto: Diözesanmuseum

Wer ist größer, schöner, besser und stärker? Wer hat die Nase vorn? Wer wird der Gewinner und wer der Verlierer? Wer hat die besseren Beziehungen? Wer hat mehr Follower, Fans und Parteigänger? Wer ist vorn und oben auf? Wer ist ganz hinten und wer hat das Nachsehen? 

Darum geht es jetzt nicht nur im Wahlkampf. Oft auch im Alltag, im Internet, im Sportgeschehen, in der Wirtschaft oder auch mal bei privaten Streitereien. Warum dieses ewige Hauen und Stechen? Läuft das auch in der Kirche so? 

„Wer bei euch der Erste sein will, der sei der Diener aller!“ So Jesus zu den Jüngern im Evangelium von diesem Sonn-tag. Doch zuvor der krasse Gegensatz. Jesus spricht von seinem bevorstehenden Leiden und Sterben. Die Jünger dagegen davon, wer denn wohl von ihnen der Größte sei. Wie aber sollten sie da die Worte Jesu verstehen können? Wer zieht schon freiwillig den Kürzeren? Wer macht sich schon selber klein, wenn er der Große oder gar der Größte sein könnte? Ist das nicht manchmal auch unser Bestreben? Lieber zu bestimmen als zu dienen? 

Aber kennt man in einer Pfarrei nicht auch das Umgekehrte? Man scheut sich, für leitende Aufgaben zur Verfügung zu stehen, beobachtet aber jene kritisch, die vorne dran sind. Die Ursachen werden heute im Jakobusbrief beschrieben: „Woher kommen die Kriege bei euch? Woher die Streitigkeiten? Doch vom Kampf der Leidenschaften in eurem Inneren.“ Eine solche Einstellung, verbunden mit Eifersucht und Ehrgeiz, bringt nichts. Sie ist sinnlos, nichtig und vergeblich. Denn so sind in einer christlichen Gemeinde kein verträgliches Miteinander und kein gemeinsames Beten möglich. Doch die wirkliche Größe eines Christen und Jüngers erweist sich darin, ob er bereit ist, anderen zu dienen. Das heißt, den Mut zum Dienen zu haben. Es ist auch in der Kirche ein wichtiger Dienst, andere umsichtig zu leiten und klug zu führen? Also zum Beispiel in einer Pfarrgemeinde für Verlässlichkeit, überlegte Entscheidungen und sinnvolle Verteilung von Aufgaben zu sorgen? Dazu braucht es zwei Grundhaltungen: Die eine ist, die Gläubigen mitzunehmen, auf sie zu hören und ihren Überzeugungen mit Respekt zu begegnen. Die andere ist das Beispiel Jesu, die Orientierung an ihm, an seiner Liebe zum Vater und an seinem achtsamen Umgang mit den Menschen. Besonders gegenüber den Kleinen, Schwachen und Kindern. Eine solche Haltung ist ein Segen für die ganze Pfarrei „Denn wer unter euch der Erste sein will, der sei der Diener aller!“

Richard Distler, Pfr. i. R., Nr. 38 vom 19. September 2021– Evangelium: Mk 9, 30–37


25. Sonntag – im Jahreskreis

Solange wir im Gottesdienst nur Zuschauer und Zuhörer sind (wie beim Fernsehen), geschieht mit uns nichts, und wir verstehen den Weg Jesu nicht. Er wartet darauf, dass wir mitgehen, mittragen, mitleiden. Dann beginnen wir ihn zu verstehen.

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