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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

08.09.2017

Die Liebe schuldet ihr einander immer

In Berlin zeigt eine „Schuldenuhr“ den aktuellen Stand der Staatsverschuldung Deutschlands an. Sie beträgt derzeit knapp zwei Billionen Euro. Etwas übersichtlicher wird diese astronomische Summe, wenn sie auf die Pro-Kopf-Verschuldung umgerechnet wird. Denn Deutschland ist ja keine anonyme Größe, sondern das sind die Bürger; jeder einzelne steht für seinen Staat mit etwa 24.000 Euro in der Kreide.

Würde der heilige Paulus heute leben, würde er angesichts dieser Fakten vielleicht seine Mahnung wiederholen, die die zweite Lesung dieses Sonntags beinhaltet: „Bleibt niemand etwas schuldig!“ Wenn ihr von jemand Geld geliehen habt, dann gehört das immer noch ihm. Gebt es ihm zurück. 

„Bleibt niemand etwas schuldig“ heißt aber beispielsweise auch: Gebt dem anderen den Dank, der ihm gehört, wenn er euch einen Gefallen getan hat. Und dann erst ist die Angelegenheit erledigt.

Nur eine Angelegenheit ist niemals erledigt, schreibt Paulus: „Die Liebe schuldet ihr einander immer.“ Im Blick auf die Liebe könnt ihr nie sagen: Jetzt habe ich genug geliebt! Die Liebe bleibt, solange ihr lebt, eure beständige Aufgabe. Mit der Liebe seid ihr nie fertig. Die Pro-Kopf-Verschuldung bei der Liebe ist unendlich, sie kann und soll nicht abgebaut werden – und im Gegensatz zu den eingangs erwähnten Staatsschulden ist das gut so.

Liebe ist, um nochmals einen Begriff aus der Finanzwelt zu bemühen, kein Soll, das ich tilgen muss, damit es irgendwann erledigt ist – so in der Art: Wie viel Liebe hast du mir geschenkt? So viel bekommst du von mir zurück. Oder: Gestern habe ich dich lieb gehabt. Das muss für diese Woche reichen!

Liebe ist immer ein Haben: etwas, über das ich verfüge und das ich verschenken darf. Wer liebt, fragt: Was kann ich heute für dich tun, damit es dir gut geht in meiner Nähe? Was kann ich dir sagen, das dich freut? Wie kann ich dir zeigen, dass du wertvoll für mich bist? Wie kann ich dir helfen, wie dich unterstützen?

Zwei Aspekte, die auch zur Liebe dazugehören, nennt Jesus im heutigen Evangelium: Faires Streiten und Versöhnen. 

Wenn du ein Problem mit jemand anderem hast, sagt Jesus, dann versuche, die Angelegenheit unter vier Augen zu lösen. Kommst du im Vier-Augen-Gespräch nicht weiter, ziehe einen Zeugen hinzu. Bringt auch das nichts, besprich die Sache in der Gemeinde. Vielleicht findet die Gemeinde einen Weg, das Problem zu lösen. Doch wenn auch das nicht klappt, geh auf Abstand zu deinem Gegner, denn das Problem zwischen euch würde euch kaputt machen. Weiter spricht Jesus vom Binden und Lösen: Wenn du zu deinem Kontrahenten auf Abstand gegangen bist, aber später merkst, dass der wieder auf dich zugeht und einen Neuanfang sucht, löse die Funkstille, löse die Feindschaft. Versöhne dich mit ihm und knüpfe ein neues Band des Miteinanders zwischen euch.

Paulus hat recht, wenn er schreibt: „Die Liebe schuldet ihr einander immer.“ Die Liebe ist der wertvollste Haben-Posten eures Lebens. Solange ihr lebt, dürft ihr mit dem Lieben nicht aufhören, doch anfangen solltet ihr an jedem neuen Tag.

Matthias Blaha, Kirchenzeitung Nr. 37 vom 10. September 2017

Matthias Blaha. Foto: Anika Taiber-Groh

Matthias Blaha wurde 1970 in Würzburg  geboren. Er studierte Theologie und erhielt 1996 die Priesterweihe. Nach Vertretungen in Altdorf bei Nürnberg und im Klinikum Ingolstadt wurde er Kaplan in Hilpoltstein. 1998 wechselte er nach Ingolstadt, St. Pius. Von 2000 bis 2002 war er zum weiterführenden Studium freigestellt, übernahm 2002 die Leitung der Pfarreien Nassenfels und Egweil. Seit 2008 ist er Pfarrer in Ingolstadt, St. Anton. Blaha spricht im Hörfunk und ist Autor der in der KiZ  erscheinenden Reihe „Ein Bild – ein Wort – ein Mensch der dahintersteht“.

Lesungen zum 23. Sonntag im Jahreskreis

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