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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

04.05.2022

Die Schafe folgen der Stimme des Hirten

Auf ein Wort: Die Schafe folgender Stimme des Hirten

Die Schafe folgen der Stimme des Hirten. Foto: Heberling

Besonders schmeichelhaft scheint es janicht zu sein, wenn Jesus uns heute mit Schafen vergleicht. Was Jesus aber mit diesem Vergleich zeigen will, ist das besondere Verhältnis des Hirten zu jedem einzelnen seiner Schafe. Erst neulich habe ich eine Geschichte gelesen, in der berichtet wird, dass ein Hirte eines Tages feststellen musste, dass seine ganze Schafherde verschwunden war. Nach vergeblicher Suche ging er zur Polizei, die kurz darauf erfuhr, dass 5.000 Schafe mit der Bahn ins Ausland gebracht werden sollten. Der Hirte kam, als die Schafe verladen wurden. Während sie an ihm vorbeizogen, rief er immer wieder einen Lockruf. Da geschah etwas ganz Erstaunliches: Da und dort brachen ein paar Schafe aus und liefen zu dem Hirten. Immer mehr Tiere kamen zu ihm, am Ende drängten sich alle seine Schafe aufgeregt um ihn. Sie hatten die Stimme ihres Hirten erkannt und folgten ihr.

Genauso charakterisiert Jesus seine Schafe im Evangelium: „Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir.“ Es geht also um das Kennen und das Hören auf die Stimme des Hirten und um das Folgen auf seinen Ruf. Doch schon das Hören auf die Stimme Gottes stellt uns vor eine Herausforderung. Wir sind in unserem Alltag meist im Stress, umgeben von einer Vielzahl von Stimmen und oft überfordert, die Stimme Gottes herauszuhören. Voraussetzung dafür ist, die Stimme Gottes gut zu kennen. Genau wie ein Schaf sich den Lockruf des Hirten zu eigen macht, also eine gewisse Zeit mit dem Hirten verbringt, so dürfen auch wir uns Zeit nehmen, um Jesus, unseren guten Hirten, seine Sorge und Liebe kennenzulernen. Das Kennenlernen geschieht dabei weniger durch das Studium der Fakten über Jesus, sondern vielmehr durch das Beisammensein mit ihm.

Vielleicht können wir uns tatsächlich täglich eine Zeit der Stille, des persönlichen Gebets nehmen, in der wir auf Gott hören und ihm unser Herz öffnen, was gar keiner Worte bedarf? Vielleicht lesen wir jeden Tag einen Abschnitt des Heiligen Schrift und betrachten ihn einige Minuten in Stille. Dann werden wir erfahren, dass Jesus durch diese Stelle ganz persönlich auch in unser konkretes Leben spricht. Das zweite Merkmal der Schafe ist nicht weniger herausfordernd: Die Schafe folgen der Stimme des Hirten. Sie machen sich keine Gedanken, wieso man jetzt schon von der fetten Weide gehen muss, wohin man geht, oder wo eine bessere Weide zu finden wäre – sie vertrauen dem Hirten und folgen ihm. Das ist es, was uns oft so schwerfällt: Jesus zu folgen und in den Plan Gottes einzustimmen, insbesondere wenn dieser von unseren eigenen Plänen abweicht. Die Voraussetzung für das Folgen ist: Der Hirte kennt die Schafe. Jesus kennt uns besser als wir uns selbst – und liebt uns mehr, als wir es je könnten. Der Herr hat Größeres und Besseres mit uns vor, als wir es uns vorstellen könnten. Mit diesem Wissen können wir uns dem guten Hirten anvertrauen.

 

 

Dr. Pia Sommer, Nr. 19 vom 8. Mai 2022 - Evangelium (Joh 10, 27–30)


Vierter Sonntag der Osterzeit

Die Kirche Christi hat nur den einen guten Hirten;
sie hört auf die Stimme dessen, der sein Leben für sie dahingab.
Aber dieser Eine hat andere „Hirten“ in seinen Dienst genommen.
„Wer auf euch hört, der hört auf mich.“ –
Das Bildwort vom Hirten ist durch kein anderes zu ersetzen und
wir können es verdeutlichen durch Vorstellungen,
die heutigen Menschen näherliegen:
der gute Kamerad, der treue Freund.
Wer Christus findet, der hat das Leben gewonnen;
Christus hat ihn gefunden und angenommen.

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