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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

05.01.2022

Durch die Taufe „Kind Gottes“ werden

Durch die Taufe „Kind Gottes“ werden

Die Taufe Jesu in der Nikolaus-Kirche von Pfraunfeld. Foto: Erich Kraus

Warum wird Jesus getauft? Haben Sie sich das auch schon einmal gefragt? Noch dazu, wenn es „nur“ die Taufe des Johannes war, also eine Taufe zum Zeichen der Umkehr und Buße. Wovon sollte sich Jesus bekehren, der ja Sohn Gottes ist? Die Taufe Jesu ist erneut eine Tat, die wir an Jesu Stelle wohl wegrationalisiert hätten, da sie unnötig und überflüssig scheint, ganz abgesehen davon, dass sie ihn in ein falsches Licht stellt. 

Lukas berichtet uns im Evangelium vom heutigen Sonntag, dass sich Jesus „zusammen mit dem ganzen Volk“ taufen ließ. Jesus, der bisher noch nicht öffentlich aufgetreten ist, ist einer von vielen, ohne erkennbaren äußeren Unterschied. Er reiht sich unerkannt in die Reihe der Sünder ein, die für die Taufe des Johannes anstehen und macht sich in allem den Sündern gleich – er, der ohne Schuld ist. Warum? 

Die Kirchenväter haben die Taufe Jesu tiefsinnig ausgelegt: Es geht Jesus nicht um ein Zeichen der Buße, ganz im Gegenteil. Jesus taucht in dasselbe Wasser des Jordan ein, in dem die Sehnsucht so vieler Menschen steckt, sich von ihren Sünden zu befreien, was vor der Erlösung durch Jesus Christus aber nicht möglich war. Auch wenn Jesus äußerlich wie die anderen im Wasser untergetaucht wird, so ist das Geschehen, das sich dort ereignet, von den übrigen Taufen grundsätzlich verschieden. Jesus wird nicht von den Sünden reingewaschen, sondern im Gegenteil: Durch das Hinabtauchen in das Wasser nimmt Jesus symbolisch die Sünde der ganzen Menschheit auf sich und heiligt sozusagen das Wasser. Wenn man diesen Gedanken weiterführt, dann ist es interessant zu wissen, dass der Jordan unterhalb des Meeresspiegels liegt. Jesus steigt also wortwörtlich in die Tiefe der Menschheit, der Sündhaftigkeit, hinab, um uns daraus zu befreien. 

Ein weiteres lehrt uns diese Schriftstelle: die Wahrhaftigkeit dem gegenüber, was man ist und welche Aufgaben man hat, ganz unabhängig davon, ob die Meinung der Menschen so oder anders ist. Das gilt zum einen für Johannes dem Täufer: Viele halten ihn für den Messias. Johannes aber sonnt sich nicht in diesem Ruhm, sondern bekennt in Aufrichtigkeit seine Aufgabe als Vorläufer dessen, dem „die Riemen der Sandalen zu lösen“ er nicht würdig ist. 

Und auch Jesus kümmert sich nicht, was die anderen Menschen von ihm denken. Er pocht nicht darauf, dass er eigentlich gar nicht zu den Sündern gehört und dass er die Taufe gar nicht nötig hätte. Er wird „zusammen mit dem ganzen Volk“ getauft. Alle Umstehenden müssen davon ausgehen, dass auch Jesus „ganz normal“ ist. 

Wie anders ist da unser Verhalten. Wie oft sind wir von den anderen abhängig, wie oft bestimmt der Gedanke, was die anderen vielleicht von uns denken könnten unser Tun und raubt uns den Frieden? Der heilige Pfarrer von Ars hat einmal gesagt: „Wir sind das, was wir vor Gott sind. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.“ Wie gut tut es, sich dies immer wieder bewusst zu machen. Jesus kümmert sich nicht um die Meinung der anderen und um eine Richtigstellung. Die Bestätigung und Offenbarung als Sohn Gottes besorgt nicht er selbst, sondern Gottvater. Der Himmel öffnet sich und Jesus wird als der geliebte Sohn offenbart. Durch die Taufe sind auch wir Kinder Gottes geworden – und das ist es, was letztlich zählt.

Pia Sommer Nr. 2 vom 9. Januar 2022 – Evangelium (Lk 3, 15–16. 21–22)


Taufe des Herrn

Auch die Taufe Jesu ist ein Epiphaniegeschehen:
Aufleuchten des sich offenbarenden Gottes.
Der Vater nennt Jesus, der sich in die Reihe der Sünder gestellt hat, seinen geliebten Sohn.
Der Geist Gottes ruht auf ihm, er wird ihn in die Wüste hinausführen,
dann nach Galiläa, Jerusalem, Golgota.
In der Kraft dieses Geistes wird Jesus sich als Opfer darbringen
für die Sünde der Welt.

Ausgabe Nr. 33/34 vom 14./21. August 2022

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