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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

10.08.2022

Eine Beziehung zu Jesus pflegen

Wer wird gerettet werden? Wie viele kommen in den Himmel? Diese Fragewird heute Jesus vorgelegt – und nicht beantwortet. Wie so oft sehen wir, dass Jesus diese allgemeine Frage ins Persönliche wendet.

Es ist nicht unsere Aufgabe, uns in Spekulationen zu verlieren und sich auszumalen, was wäre, wenn dies oder wenn jenes geschieht. Jesus antwortet dem Fragesteller mit dem Aufruf, jetzt das Notwendige zu tun, jetzt entsprechend zu leben, um gerettet zu werden.

Bemüht euch mit allen Kräften durch die enge Tür zu gelangen! Im griechischen Original lesen wir sogar: Kämpft! Das mag uns vielleicht etwas verwundern und irritieren. Die Rettung erfolgt nicht einfach automatisch, sondern erfordert unsere Anstrengung und Mühe. Wir haben keinen Freischein für den Himmel, der nichts mit unserem Leben und unseren Taten zu tun hat. Jesus ruft uns in unserem Leben, in diesem Augenblick, zur Entscheidung für Gott auf; zur Entscheidung, das Leben nach dem Vorbild Jesu auszurichten und so schon jetzt ein Leben in Fülle und Frieden zu leben.

Für wie viele Dinge sind wir bereit, uns immensen Anstrengungen und Mühen zu unterziehen – für den Sport, die Schönheit oder den Beruf. Wieso mühen wir uns nicht um das ewige Leben, das ewiges Glück, die ewige Freude? Es benötigt Anstrengung, das Leben zu ordnen, dem Egoismus und der Bequemlichkeit den Kampf anzusagen und der Liebe zu Gott und den Menschen immer mehr Raum zu geben. Es erfordert Mühe und Kampf, die Geltungssucht und den Stolz, das eigene Ego so klein zu machen, dass man durch die enge Türe passt. Aber diese Mühe lohnt sich. Der Himmel ist ja nicht der Himmel des Münchner Engels Aloisius, sondern besteht letztlich aus Beziehung zu Gott und den anderen Geschöpfen. Und so sind wir aufgerufen, in diesem Leben zu lernen und einzuüben, wie man Gott und die Nächsten – und sich selbst – wahrhaftig liebt. Wir hören im Evangelium vom heutigen Sonntag, wie Jesus weiter erklärt, dass die Menschen, die nicht durch die enge Türe gegangen sind, nicht zum Festmahl hineingelassen werden. Es reicht nicht – und das sind harte Worte – dabei gewesen zu sein, Jesus zugehört, mit ihm gegessen und getrunken zu haben. Was aber ist dann notwendig? Entscheidend ist, dass es nicht bei einer äußerlichen Mahlgemeinschaft mit Jesus bleibt, einem äußerlichen Hören seiner Worte, einem äußerlichen Vollziehen von Gebeten, Riten, Bräuchen etc. Entscheidend ist, dass unser Herz dabei ist, dass wir in unserem Leben eine tatsächliche Beziehung zu Jesus pflegen, ihn  kennen und seine Lehren in die Tat umsetzen. Geraten wir mit diesen Gedanken aber nicht wieder in eine irrige Annahme, dass wir uns den Himmel selbst durch unsere Werke verdienen müssen? Diese Ansicht ist von der Kirche immer wieder als falsch zurückgewiesen worden, denn genau in diesem Punkt liegt eine der frohen Botschaften des Christentums: Wir müssen uns nicht selbst erlösen. Anders als in anderen Religionen müssen und können wir uns den Himmel nicht durch Askese und gute Werke verdienen und unsere Sünde selber wiedergutmachen. Die Aufgabe der Erlösung von Sünde und Schuld hat Gott für uns übernommen. Wir sind aufgefordert, diese Erlösung anzunehmen, mit der Kraft Gottes mitzuwirken und sie in unserem Leben Frucht bringen zu lassen. Der heilige Augustinus hat den bekannten Spruch geprägt: Gott, der dich ohne dich geschaffen hat, rettet dich nicht ohne dich. Und so liegt es also an uns, uns von Gott erretten zu lassen – und dabei mitzuwirken.

Dr. Pia Sommer

Nr. 34 vom 21. August 2022 - Evangelium (Lk 13, 22–30)


21. Sonntag im Jahreskreis

Bewegt uns die Frage noch, ob wir gerettet werden,
und die Frage, ob es viele oder wenige sind, die gerettet werden im Gericht Gottes?
Es gibt über zwei Milliarden Christen,
aber die Welt ist voll Hass und Angst,
die Christen nicht ausgenommen.
Angst vor dem Leben, vor der Zukunft, vor den Menschen.
„Aber hin und wieder gibt es einen Christen,
und wo er auftritt, gerät die Welt in Staunen“,
sagte einmal ein unfreundlicher Kritiker des Christentums.
Hin und wieder gibt es einen Christen.

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