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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

19.10.2022

Erlösung als unverdientes Geschenk Gottes

Erlösung als unverdientes Geschenk Gottes

Erlösung als unverdientes Geschenk Gottes      Foto: pixabay

Ich danke dir, Gott, dass ich nicht so bin wie die anderen.“ Ist das nicht eine Haltung, die wir als Christen gelegentlich einnehmen? Wir glauben, dass Gott mit uns zufrieden sein müsste und auch die Mitmenschen unsere Leistungen bewundern sollten. Es ist sicherlich richtig, dass wir für alle Gaben und Dinge, die wir bewerkstelligen, dankbar sein sollen. Doch verbirgt sich hier die Gefahr, dass wir nur auf uns und unsere Leistungen und Fähigkeiten vertrauen und sie vor Gott aufrechnen. 

Durch unsere Werke meinen wir, einen Anspruch zu haben, dass Gott uns nun einen Lohn geben wird, den wir mit unseren Werken ja verdient haben. Wir machen uns sozusagen zu gleichberechtigten Partnern Gottes und vergessen, dass wir als seine Geschöpfe alles aus seiner Hand empfangen und dass es bei Gott um etwas ganz anderes als Leistung geht. 

Eng mit dieser Selbstgerechtigkeit verbunden ist eine zweite Haltung, die im heutigen Evangelium ebenfalls aufscheint: Die Verachtung derjenigen, die nicht so viel aufweisen können wie wir, oder die vielleicht anderen Lebensentwürfen folgen. Wir setzen unsere „Gerechtigkeit“ als Maßstab an die anderen an und verachten sie, wenn sie nicht mit uns Schritt halten können. Wie gut, dass Gott und seine Auffassung von Gerechtigkeit anders ist. 

Im Evangelium hören wir heute von zwei unterschiedlichen Männern, die dasselbe Ziel verfolgen: Sie wollen zu Gott im Tempel beten und sein Erbarmen erlangen. Ihre Herangehensweise ist dabei unterschiedlich. Der Pharisäer trägt Gott vor, wie viele Werke er vollbringt. Er sieht auch vor Gott nicht seine Unzulänglichkeit und erwartet von Gott gar keine Hilfe, weil er es selbst zu schaffen glaubt. Der Zöllner dagegen ist sich angesichts seines Lebens bewusst, dass er absolut auf Gott angewiesen ist. Er erwartet alles von ihm – und empfängt so Barmherzigkeit. Nur der Zöllner, der ein Sünder war, geht als Gerechtfertigter nach Hause, nicht aber der Pharisäer. 

Die Rechtfertigung ist ein Geschenk von Gott und lässt sich nicht durch Leistung verdienen. Jeden Tag dürfen auch wir neu lernen, dass wir alles von Gott erwarten dürfen und nichts leisten müssen. Unsere Werke sollen immer mehr Ausdruck der Liebe werden und nicht eine Leistung, mit der wir vor Gott bestehen wollen. 

Wenn die Erlösung ein unverdientes Geschenk ist, dann kann sie jedem geschenkt werden, auch denen, bei denen wir es nicht erwarten würden. Gerade am Weltmissionssonntag ist es gut zu reflektieren, mit welchen Blicken und Gedanken wir den „anderen“ Menschen begegnen, die eine andere Lebenseinstellung oder einen anderen Glauben haben. Schauen wir auf sie herab? Als Christen sind wir aufgerufen, mit allen Menschen in Kontakt zu treten, doch nicht vom hohen Ross herab, sondern mit dem Bewusstsein, dass alle Menschen von Gott geliebt sind. Vielleicht warten sie auf ein liebes Wort, auf ein Lächeln, auf jemanden, der ein echtes Interesse an ihnen hat, an ihren Freuden und Nöten. 

Tragen wir die Liebe Christi durch unser Leben und die Freude über die „unverdiente“ Erlösung in die Welt hinaus. Vielleicht kann uns das bekannte Sprichwort dabei eine Hilfe sein: Rede nicht über Gott, wenn du nicht gefragt wirst, aber lebe so, dass man dich fragt. 

Dr. Pia Sommer, Nr. 43 vom 23. Oktober 2022 - Evangelium (Lk 18, 9–14)


30. Sonntag im Jahreskreis

Gott ist groß. Aber seine Größe ist nicht wie eine abweisende Grenze.
Er lässt es sich gefallen, dass Menschen über ihn reden und dass sie zu ihm reden;
auch dass wir Dummes sagen, etwa:
Ich danke dir, dass ich nicht bin wie dieser Pharisäer.
Gott wartet darauf, dass wir still werden und unsere Armut begreifen.

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