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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

27.04.2022

Es gibt ein Leben nach dem Scheitern

Petrus hatte oft das „Herz auf der Zunge“. Als einzigen der Apostel hat Jesus ihn einmal Satan genannt, weil Petrus sich mit der Leidensankündigung seines Herrn und Meisters absolut nicht anfreunden konnte. Und vor Jesu‘ Martyrium sagte Petrus: „Wenn alle einmal dich verlassen, ich nie!“ Da hatte er den Mund sehr voll genommen, denn beim Test dieser Zusage fällt er voll durch! Er haut ab, als es gefährlich wird, und als eine Frau ihm ins Gesicht sagt: „Auch du warst bei Jesus“, gibt er prompt zurück: „Ich kenne ihn nicht!“ Drei Jahre mit Jesus zusammen, einen Treueschwur geleistet, zuvor schon von Jesus im Abendmahlsaal auf diesen Verrat vorbereitet, wird Petrus zu einem Verräter. Eine solch illoyale Haltung würde heute jeder Arbeitgeber mit Rausschmiss beantworten.

Bei einem Berufungswochenende mit Jugendlichen und Ordenschristen diskutierten wir heiß über die Kriterien einer Priesterund Ordensberufung. Was dann in diesem Kriterienkatalog aufgestellt wurde, konnte sich sehen lassen. Eine ältere Ordensfrau schwieg die ganze Zeit. Zum Schluss meldete sie sich zu Wort und sagte: „Eigentlich könnt ihr diese Kriterien alle vergessen. Es kommt einzig und allein darauf an, ob ich Jesus liebe“. Hat sie damit nicht „den Nagel auf den Kopf getroffen“?

Diese Liebe, die sie meint, haben wir nicht aus uns selbst. „Gott hat uns zuerst geliebt“, schreibt Johannes in einem Brief. So hat er die Liebesfähigkeit in uns implantiert. Er hat uns ein „Herz gegeben“. Und diese Liebe Gottes ist so unwiderruflich, dass Paulus sagen konnte: „Nichts kann uns trennen von der Liebe, die Gott zu uns hat“ (Röm 8, 38).

Jesus hat auch Petrus nicht fallen lassen. Wir hören nicht einmal einen Vorwurf an ihn. Er stellt keine Entlassungsurkunde aus, sondern bittet ihn, nachdem er ihm bestätigt hat, dass er ihn liebe, das beste Zeugnis für Hirtentauglichkeit aus, indem er ihn bittet: „Weide meine Schafe“.

Von Jesus hat Petrus gelernt: Es gibt auch ein Leben nach dem Scheitern. Augustinus hat dieses jesuanische System wirklich durchschaut und daraus gefolgert: „Hasse die Sünde, aber liebe den Sünder!“ Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie wir als Kirche dastünden, wenn wir dieser augustinischen Weisung folgen würden.

Die Jünger Jesu waren Männer, die zutiefst erfahren haben, wie es mit der Vergebung Gottes steht. Ist es zu viel gesagt, wenn ich daraus herleite, dass gerade diese Erfahrung sie erst recht hirtentauglich gemacht hat? Und hat nicht Jesus gesagt: „Ich bin nicht gekommen die Gerechten zu rufen, sondern die Sünder!“ Haben wir dann nicht die besten Voraussetzungen?

Ich verstehe immer besser, warum Dietrich Bonhoeffer in seinem Pfarrerseminar die Beichte eingeführt hat. Er lebte aus der tiefen Überzeugung, dass „dem, der einmal erfahren hat, dass Gott ihm vergibt, jede Sucht, zu richten, vergeht. Der will nur noch gütig sein!“

Pater Josef Lienhard, Nr. 18 vom 1. Mai 2022 - Evangelium (Joh 20, 19–31)


Dritter Sonntag der Osterzeit

An Jesus Christus,
den Auferstandenen,
als an den einen Herrn zu glauben war nie selbstverständlich.
Das Erstaunliche ist im Grunde nicht der Unglaube,
sondern der Glaube: die Tatsache,
dass es Menschen gibt,
die sich für Christus entscheiden – weil er ihnen begegnet ist.

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