Zum Inhalt springen

Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

21.07.2021

Gesättigt vom Brot und vom Wort

Die Begebenheit des heutigen Evangelientextes haben alle vier Evangelisten festgehalten. Das zeigt die große Bedeutung, die die biblischen Verfasser dieser „Brotrede“ gegeben haben.

Und doch hatte ich bei meinen Predigten über diese Stelle immer wieder Probleme, weil ich so viele Fragen hatte, auf die ich keine Antwort wusste. Wie konnte Jesus ohne Lautsprecher 5.000 Männer und die gleiche Anzahl an Frauen und Kindern akustisch erreichen? Warum hatten diese Blödmänner kein Brot mitgenommen? Warum hat nur der Kleine, der vielleicht nicht einmal auf drei zählen konnte, so viele Brote und Fische mitgenommen? Welche Bäcker oder Fischer hätte für alle diese Leute liefern können? Bei so vielen Fragen, die ich hatte, musste meine Predigt mehr als unbefriedigend ausgefallen sein. Was müssen Menschen ertragen, wenn wir Prediger ihnen so eine unfertige und ungenießbare geistige Kost vorsetzen? Vielleicht haben meine Zuhörer nach der Predigt wie Goethes „Faust“ gedacht: „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube!“

Und diese Ratlosigkeit und all die Fragen blieben so lange, bis ich in einem der Bücher („Jesus braucht Kleinbauern“) des begnadeten geistlichen Schriftstellers P. Reinhard Körner auf eine Erklärung dieser Stelle stieß, die mit einem Schlag meine Zweifel ausräumte.

Er schreibt: „Mit Sicherheit hat Markus (Johannes auch) noch gewusst, was die Erzähler mit den fünf Broten und den zwei Fischen meinten. Fünf Brote und zwei Fische, das war nämlich eine ganz bekannte Redewendung im Volk Israel. Die „fünf Brote“ waren die fünf Bücher Mose, der Hauptteil des Alten Testaments. Und „zwei Fische“ das war ein Bild für die vielen weiteren Schriften des Alten Testamentes: der eine Fisch stand für die Schriften der Propheten und der andere für die biblischen Geschichts- und Weisheitsbücher.

Wenn Jesus den Menschen die fünf Brote und zwei Fische reicht, wenn er die Bibel auslegt und über Gott und das Leben spricht, dann ist das wirklich Nahrung für jeden. Sein Brot gibt allen Menschen Kraft: Alle aßen und wurden satt. Es bleiben sogar noch zwölf Körbe voll übrig – die Zwölf steht in der Zahlensymbolik der Bibel für die ganze Menschheit.

Und so meint Jesus, wenn er sagt: Gebt ihr ihnen zu essen, dass sie (und auch wir) seine Worte weiter geben müssen, weil es den geistlichen Hunger der Menschen stillt! Paulus muss das voll gecheckt haben, wenn er dann folgerichtig schreibt: „Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!“ Und um dieses Brot reißen sich auch heute die Menschen. Allen Unkenrufen zum Trotz. Dürfen wir ihnen dann Steine statt Brot, oder verschimmeltes, vergiftetes und ungenießbares Brot geben? Und wie genieß- oder ungenießbar sind unsere Predigten?

Warum habe ich so lange gebraucht, um diese Stelle zu verstehen? Mir ging es wie einem Chinesen, der auch keine Ahnung hat, was ein Herrgottswinkel bedeutet. Und so lange ihm das niemand erklärt, versteht er nur „Bahnhof“.

Und so finde ich es tragisch, dass der Priester die falsche Übersetzung der Bitte am Ende des Gottesdienstes auch noch weitergibt: „Gehet hin in Frieden!“. Obwohl es im Lateinischen „Ite missa est“ heißt, was so viel bedeutet wie: Gehet, es ist Sendung! Wir sagen den Menschen wahrheitswidrig „Gehet hin in Frieden!“ Eigentlich müssten wir sagen: „Auf die Plätze fertig los!“ Wir haben ja etwas gehört, das wir anderen nicht vorenthalten dürfen. Geht jetzt auf Sendung und sagte es allen weiter, was ihr gehört und erfahren habt! Es ist eine Kost, eine Vollwertkost, die uns Leben in Fülle schenkt, wie Johannes schreibt. Oder glauben wir, dass nur „Bier müde Männer munter macht“? Und das auch noch am Stammtisch unterm Herrgottswinkel.

P. Josef Lienhard Nr. 30 vom 25. Juli 2021 – Evangelium: Joh 6, 1-15


Siebzehnter Sonntag im Jahreskeis

Wir glauben, dass Christus als Retter und Erlöser gekommen ist. In der Welt sehen wir jedoch immer noch Not: Hunger, Ungerechtigkeit, Hass, und Tod. Auch in unseren Gemeinden stehen wir vor ungelösten Fragen. Das Licht Christi leuchtet, aber es leuchtet in der Finsternis, und es gibt leuchtende Menschen, mitten unter uns; wir müssen sie nur sehen. Sie sind Boten und Zeugen des liebenden Gottes. Christus ist mitten unter uns, mitten in unserer Not. Damit aber ist alles anders geworden.

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de

Bezugspreise (ab Jan. 2021):
Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 8,80 €
(7,60 € einschl. 7 % MWSt. + 1,20 € Zustellgebühr);
durch die Post monatlich 9,55 €;
Einzelnummer 2,20 €.