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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

26.10.2021

Gott bringt die Liebe in Fluss

Der Pelikan, Symbol Christi und der Nächstenliebe

Der Pelikan, Symbol Christi und der Nächstenliebe – Fahne in der Pfarrkirche Heilig Kreuz in Rednitzhembach. Foto: Kreitmeir

Kaum zu glauben: Mitten im Neuen Testament steht ein querstehender Block. Keiner kommt an ihm vorbei. Keiner kann sich von ihm dispensieren: Es ist das Doppelgebot der Liebe. Gleichsam die Mitte unseres Glaubens und Herzens. Aber ist dieses Gebot nicht etwas zu utopisch, zu radikal, fast übergroß? Verspricht man da nicht zu viel? Wer schafft das schon, jeden Menschen so zu lieben wie sich selbst? Muss ich da nicht ganz viel aufgeben und mich zu sehr zurücknehmen? Wo bleibt dann die Selbstliebe, also der Selbststand und die Selbstannahme, von der Jesus ebenfalls spricht?

Doch wie ist das mit der Selbstliebe? Ist sie nur Egoismus oder ist sie das Ja zum eigenen Wert und zur eigenen Würde, die jeder Mensch vor Gott hat? Wer sich aber selbst als etwas Wertvolles sieht, kann auch den andern annehmen und ihn sogar lieben. Und dann noch dieses Versprechen, Gott zu lieben aus ganzem Herzen und mit ganzer Kraft? Aber dazu braucht es die Sehnsucht nach Gott. Wann aber erwächst in uns diese Sehnsucht? Womöglich dann, wenn wir spüren, menschliche Liebe ist zwar wertvoll und wichtig. Sie kann aber nicht die letzte Erfüllung sein, denn manchmal ist sie brüchig und enttäuschend.

Unsere Sehnsucht nach Liebe aber ist nahezu unendlich. Die aber kann uns nur Gott schenken. Denn wer Gott zu lieben versucht, in dem bringt Gott die Liebe in Fluss, so ausgetrocknet und dürr unser Herzensgrund auch sein mag.

Den Weg zu diesem Fluss hat uns Jesus gezeigt. Er hat uns gezeigt, dass die Liebe kein Gebot ist, sondern Geschenk, Gabe und Gnade. Mehr noch: Er erwies uns eine Liebe, die bis zum Äußersten ging. Da kommen jetzt auch wir Menschen mit ins Spiel. So sehr geliebt zu werden, braucht unsere Antwort, es braucht unsere freie Entscheidung und unser Ja-Wort. Es braucht die Offenheit des Herzens und die Bereitschaft zur Nächstenliebe.

Es liegt vor allem an uns, der göttlichen Liebe Raum und Platz zu geben. Sie in uns und in anderen fließen zu lassen. Es liegt an uns, sie stärker sein zu lassen als Abneigungen, Aggressionen, Lieblosigkeiten, Feindseligkeiten, Hassgefühle, schlechte Erfahrungen und Enttäuschungen. Denn die Liebe fängt damit an, dass wir an die Liebe Gottes glauben. Die aber überfordert nicht, sie entlastet. Sie ist jene, die alles erträgt, alles glaubt, alles hofft und allem standhält, wie Paulus im 1. Korintherbrief schreibt. Doch wer sich darauf einlässt, der kann im Laufe seines Lebens selbst zu einem Liebenden werden.

Richard Distler, Pfr. i. R.. Nr. 44 vom 31. Oktober 2021 – Evangelium (Mk 12, 28b–34)


31. Sonntag – im Jahreskreis

Um ein Christ zu sein, genügt es nicht, anständig zu sein und rechtschaffen seine Pflicht zu tun.
Das tun auch andere. Die große Wahrheit im Leben eines Christen ist Christus selbst:
Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott (Credo).
Und das große Gebot ist die Liebe.
Sie kann durch nichts anderes ersetzt werden.

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