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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

16.06.2021

Gott ist auch im Boot unseres Lebens

Gott ist auch im Boot unseres Lebens

KiZ: Auf ein Wort: Gott ist auch im Boot unseres Lebens.                                         Foto: pixabay

Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?“, so fragt der Herr heute im Evangelium, das uns von einer bedrängenden Not der Jünger berichtet: Es ist Abend und die Jünger befinden sich mit Jesus in einem Boot auf dem See, als plötzlich ein heftiger Wirbelsturm aufkommt. Das Boot ist bereits mit Wasser gefüllt, es besteht also akute Lebensgefahr. In dieser Situation wecken die Jünger Jesus auf, der im hinteren Teil des Bootes schläft: „Kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?“

Wie gut kennen wir diese Situation auch in unserem eigenen Leben, wenn alles bedrohlich und dunkel scheint; wenn die Stürme des Lebens uns durcheinanderwirbeln und drohen, alles zu zerstören; wenn uns das Wasser bis zum Hals steht und wir weder ein noch aus wissen. Und doch dürfen wir gewiss sein: Gott ist auch im Boot unseres Lebens, selbst wenn wir uns seiner nicht erinnern und nicht mit ihm rechnen. Er hat uns seine Gegenwart bis zum Ende der Zeiten zugesagt. Er ist der Jahwe, der „Ich bin da“. Er „schläft“ sozusagen in einem Winkel unseres Lebens, bis wir uns in der äußersten Not auf ihn besinnen und zu ihm schreien: Gott, wo bist du? Dann kann er als der lebendige und mächtige Gott auch in unser Leben eintreten. Er kann die Stürme und die Unruhe in unseren Herzen stillen.

Wenn wir auf das Evangelium blicken, ist es aufschlussreich zu überlegen, wieso die Jünger erst in der äußersten Not zu Jesus kommen, als das Boot schon am Versinken ist. Viele der Jünger waren Fischer und kannten sich mit der Seefahrt aus. Sie waren sozusagen Profis, die wissen, wie man sich in Seenot zu verhalten hat. Erst als sie mit ihrem Können am Ende sind, erinnern sie sich an Jesus, der unbemerkt schläft, und wecken ihn. Die Jünger vertrauen in dieser Situation nur auf sich selbst, auf ihre eigene Kraft, ihr Können und ihr Wissen. Jesus mag gut reden, ja sogar Wunder vollbringen können, aber von Booten und der See versteht er wohl wenig, so mögen die Jünger gedacht haben.

Kennen wir das nicht auch? Natürlich glauben wir an Jesus und seine Macht. Aber in einigen Bereichen unseres Lebens kennen wir uns, so meinen wir, besser als Jesus aus. Schließlich wissen wir genau, wie mit bestimmten Personen umzugehen ist, wie gewisse Geschäfte abzuwickeln sind, wie man sich geschickt zu verhalten hat. Da hat Jesus nicht so viel Ahnung. Da brauchen wir ihn nicht. Da vergessen wir ihn oder trauen ihm nichts zu. Erst wenn wir scheitern und in großer Not sind, erinnern wir uns an Jesus, der „schläft“. Vielleicht ist es gut, sich selbst einmal zu fragen, ob Jesus in meinem ganzen Leben anwesend sein darf, oder ob ich ihn auf die Kirche und Gebetszeiten beschränke. Traue ich Jesus etwas zu, rechne ich mit ihm – auch in meinem Alltag, meiner Erholung, meiner Arbeit, meinen Freundschaften? Darf er auch hier Anteil an meinem Leben nehmen und mir beistehen?

Jesus fragt uns: „Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?“ Auch wir haben vielerlei Ängste: Angst um die Gesundheit; Angst, zu versagen; Angst, nicht geliebt zu werden ... Übergeben wir Jesus unsere Angst, damit er sie, wie den Sturm überwinde und alles, was uns widerfährt, zum Guten wende. Mit Jesus im Leben werden wir, trotz der Stürme unseres Lebens, Frieden finden.

Pia Sommer, Nr. 25 vom 20. Juni 2021 - Evangelium: Mk 4, 35–41


Zwölfter Sonntag im Jahreskeis

Jesus hat in Gleichnissen gesprochen und er hat Wunder getan. Auch seine Wunder sind Gleichnisse, Zeichen. Das Wunder ist erst zu Ende getan, wenn das gemeinte Zeichen gesehen wird. Die Frage, ob die Wunder Jesu wirklich so geschehen sind, wie uns berichtet wird, ist nur eine Teilfrage. Die Wahrheit dieser Wunder reicht viel tiefer als nur in die historische Vergangenheit; sie berührt die Tiefen Gottes.

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