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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

14.10.2016

Gott ist für alle Menschen da

Foto: Kreitmeir

Foto: Kreitmeir

Das Evangelium des Kirchweihsonntags weist uns darauf hin, wozu Kirche eigentlich da ist. Auf die Frage der Juden, ob Jesus der Messias sei, sagt dieser eindeutig: Ich bin der Sohn Gottes, der Sohn meines Vaters. Diese Antwort ist Maßstab für unsere Kirche.

Immer wieder wird zur Zeit darauf hingewiesen, dass Kirchenbauten in unserem Land zerfallen oder dass Kirchengemeinden Schwierigkeiten haben, ihre Kirchen- und Pfarrgebäude zu erhalten. Dies ist ein äußeres Anzeichen dafür, dass es nicht selbstverständlich ist, kirchliches Leben in unserem Land am Leben zu halten. „Kirche“ steht dabei nicht nur für gläubiges Gebetsleben, sondern auch für ein Kulturgut.

In östlichen Gefilden der Bundesrepublik setzen sich vor allem nichtgetaufte Bundesbürgerinnen und Bundesbürger ein für den Erhalt christlicher Symbole und Bauten. So erzählte mir der neue Bischof von Dresden, dass ein nichtgetaufter Politiker aus Sachsen sich persönlich dafür einsetzte, dass auf der zu restaurierenden Augustusbrücke wieder ein Kreuz installiert werden solle. Ebenso gibt es in anderen Gebieten Mecklenburg-Vorpommerns private Initiativen von Nichtgetauften, die sich für den Erhalt der Kirchenbauten einsetzen. Der Kirchenbau gilt in vielen Gegenden noch als einziges Zeichen der Kunst, das auch in ländlichen Bereichen sichtbar und wertvoll ist. Das ist sehr schön und auch überraschend. Selbst dort, wo die Kirchenbesuche minimal sind, ist das äußere Signal der Kirche von Bedeutung.

Doch wird das ausreichen? Das zweite Vatikanum spricht in seiner Kirchenkonstitution „Lumen Gentium“ von der Kirche als Sakrament. Kirche ist also nicht nur ein Ort, wo Menschen Sakramente empfangen, wie die Taufe, das Ehe- oder Bußsakrament. Kirche ist selber Heilmittel für Menschen, die auf der Suche sind nach dem Sinn ihres Lebens.

Diese geistliche Existenz der Kirche hat ihre Auswirkung auf alle Menschen. Im Johannesevangelium beschreibt Jesus diese Auswirkung folgendermaßen: Niemand kann einen Menschen, der guten Willens ist, der Hand Gottes entreißen. Wie ein Hirte sich seiner Schafe annimmt, so nimmt sich Gott dieser Menschen an. In jedem Menschen ist Gott Mensch geworden, nicht nur in den Getauften, drauf weist die Antrittsenzyklika von Johannes Paul II. „Redemptor hominis“ hin. Zurückweisen kann dieses Glück jeder, aber erlöst sind grundsätzlich alle Menschen.

Der Auftrag der Kirche besteht in dieser Frohen Botschaft. Gott ist für alle Menschen da und hat seinen Sohn für alle Menschen hingegeben. Ebenso ist auch die Kirche für alle Menschen da, ob sie nun getauft sind oder nicht. Das ist mehr als ein Kunst- oder Kulturgut. Bei allen ehrbaren Versuchen, die Gebäude unserer Kirchen zu erhalten – wertvoll im eigentlichen Sinn ist der Inhalt, den wir als Kirche zu verkünden haben. Jedes Menschenleben ist vor Gott unendlich wertvoll und sinnvoll. Dieses Kulturgut unseres Glaubens gilt es sichtbar zu machen und empor zu halten, denn es ist der eigentliche Grund und Boden, auf dem unsere Kirchenbauten stehen. 

Dr. Bettina-Sophia Karwath, Kirchenzeitung vom 16.10.2016

Dr. Bettina-Sophia Karwath wurde 1966 in Nürnberg geboren.  Sie studierte in Bamberg, Rom und Würzburg Theologie, Philosophie und Psychologie und promovierte sich mit einer Arbeit über Simone Weil. Sie war Lehrbeauftragte an der Uni Würzburg, Religionslehrerin und kennt die katholische Verbandsarbeit durch ihre Tätigkeit beim kfd. Bevor sie in diesem Jahr Theologische Referentin im diözesanen Tagungshaus Schloss Hirschberg wurde, war sie acht Jahre lang wissenschaftliche Mitarbeiterin am "Lehrhaus für Psychologie und Spiritualität" in Marktheidenfeld.

Lesungen zum 29. Sonntag im Jahreskreis am 16. Oktober 2016

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