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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

11.05.2022

Gott selbst schafft das Neue

„Seht, ich mache alles neu.“ (Offb 21, 5a)

„Liebet einander! ...“ – Fußwaschung im Eichstätter Dom. Foto: pde/Staudt

Erneuerung, Neuwerdung, Neugestaltung, Innovation, das sind Begriffe, die neugierig machen und nach vorne blicken lassen. Mit dem Vorgang, der dahinter steht, verbinden wir Hoffnung und Zukunftsfähigkeit. Und viele denken: Gerade in unserer Zeit des Umbruchs brauchen wir das, offen sein für Neues, kreativ nach vorne denken, sich auf eine Erneuerung einlassen. Genau diese Thematik klingt in der zweiten Lesung vom heutigen Sonntag an: „Seht, ich mache alles neu.“ (Offb 21, 5a)

Da wird von einer großartigen Vision gesprochen: Der Seher beschreibt einen neuen Himmel und eine neue Erde. Er sieht das neue Jerusalem von Gott her aus dem Himmel herabkommen. Und er hört eine Stimme, die sagt: Seht, Gottes Wohnung unter den Menschen. Er nimmt wahr, dass Gott mitten in der Welt, bei den Menschen ist und dass Gott und sein Volk in einem Bund zueinander stehen.

Dieses großartige Neue kann der Mensch nicht selber machen, es ist vielmehr Gottes Geschenk. Gott selbst schafft das Neue. Dieses Wort von der Neuwerdung durch Gott ist uns zu allen Zeiten zugesagt, auch heute, wo soviel Umbruch, Veränderung, Unfriede und Angst da sind. Da hinein wird uns dieses Wort der Hoffnung gesagt: Durch alles Dunkel wird Licht kommen, beim allem Abbruch wird es Aufbruch geben, trotz aller Enttäuschung wird Hoffnung wachsen. Gott selbst wird es schaffen.

Man braucht schon ein ungemein großes Vertrauen, um glauben zu können, dass Gott auch heute neues schaffen will in einer Zeit, in der unweit von uns ein schrecklicher Krieg tobt, in dem viele Menschen zu Tode kommen. Da ist ein großer Glaube gefragt, der die Zuversicht hat, dass Gott auch heute Herr der Geschichte ist und in einer total verfahrenen Situation immer noch Auswege kennt und Wege in die Zukunft weisen will.

Vor wenigen Wochen haben wir Ostern gefeiert, ein Fest der Neuwerdung in der Person Jesu Christi. Er hat den Tod überwunden und in seiner Auferstehung den Weg zum Leben eröffnet. Das haben die Apostel in der Begegnung mit dem Auferstandenen bald begriffen: Es gibt von Jesus Christus her ein neues Leben, das den Tod überwindet. Von ihm her gibt es Zukunft und Hoffnung und sogar Leben in Fülle. Denn er ist ein Gott des Lebens.

Im heutigen Evangelium ist auch von etwas Neuem die Rede, von einem neuen Gebot. Jesus sagt: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebet einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.“ Jesus sagt dieses Wort, nachdem er den Jüngern die Füße gewachsen hat. Er macht sich selber zum Maßstab des Liebesgebotes und setzt damit die Messlatte ganz schön hoch. Nächstenliebe allein genügt nicht, sondern Nächstenliebe so wie sie Jesus vorgelebt hat. Und dazu gehört auch die Feindesliebe. Der Herr hat am Kreuz seinen Henkern vergeben. Das Wort von der Feindes-liebe bekommt angesichts eines Krieges in unserer Nachbarschaft besondere Brisanz und fordert enorm heraus. Den Feind, der einem grausam zusetzt, zu lieben, ist menschlich gesehen eine Überforderung. Es geht nur mit Hilfe der Gnade Gottes. Und es braucht vor allem das Gebet für den, der leidet, aber auch für den, der Unrecht tut. So hat schon der heilige Stephanus kurz vor seinem Tod gebetet: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an“ (Apg 7, 60).

Dompropst Alfred Rottler, Nr. 20 vom 15. Mai 2022 - Evangelium (Joh 13, 31–33a. 34–35)


Fünfter Sonntag der Osterzeit

Nach fast zwei Jahrtausenden christlicher Mission,
Predigt, Lehre, Erziehung und Kultur:
sind die Menschen besser geworden, glücklicher, menschlicher?
Ist wenigstens bei den Christen etwas von der Kraft der Auferstehung,
vom Glanz der neuen Schöpfung zu sehen?
Viele Zeitgenossen werden eher mit Nein als mit Ja antworten,
und sie reden vom anbrechenden nachchristlichen Zeitalter.
Es gibt auf die gestellte Frage keine allgemeingültige Antwort.
Die Antwort, die uns angeht,
ist eine Forderung: das Gebot ist immer noch neu:
Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.

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