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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

20.04.2016

Gutes tun und einander gut tun

Sonnwendfeuer

Jesus erinnert in seiner Abschiedsrede an die intensivsten Stunden seines Zusammenseins mit den Jüngern, als auf dem Berg sein Gesicht die wie Sonne leuchtete und sein Innerstes, sein Wesen, das Licht Gottes durchgebrochen war. Ebenso denkt er an die Rückkehr der Jünger, als er, von grenzenloser Freude hingerissen, Gott lobt.

Diese Ereignisse stehen hinter den Worten: „Der Menschensohn ist verherrlicht“ (Joh 13, 31). Es ist das innere Erfüllt-sein, das Göttliche in ihm, Kraft und Energie, die nach außen drängen als bedingungsloses Ja zu jedem Menschen und jedem lebenden Wesen. Auf diesem Hintergrund wird verständlich, dass Jesus von einem neuen Gebot, dem der Liebe spricht. Aus der inneren Fülle heraus zu jedem gut zu sein – das ist es.

Unsere Not mit dem Liebesgebot besteht zum größten Teil darin, dass von uns scheinbar etwas verlangt wird, was wir nicht können. Wir meinen, wir müssten ab sofort auch alle die mögen, die uns unsympathisch sind, müssten bei einem Streit immer nachgeben, das angetane Unrecht und die Verletzungen einfach vergessen. Außerdem sollten wir eigentlich unser ganzes Vermögen den Hungernden spenden und sowieso im Hinblick auf die Not immer ein schlechtes Gewissen haben. Im Grunde ist dies aber ein Missverständnis.

Es ist, als ob der dritte Schritt vor dem ersten gefordert wäre. Zunächst geht es darum, dass es in uns selbst gut wird. Erst dann können wir auch anderen gegenüber so sein. Wir sollten nicht nur Gutes tun, noch wichtiger ist, dass wir einander gut tun.

Denken wir noch einmal an die Verklärung Jesu, die Petrus veranlasste zu sagen: „Hier ist gut sein“ (Mt 17,4). Der erste Schritt des Liebesgebotes besteht demzufolge darin, dass wir uns um unser eigenes Heilsein kümmern. Solange wir verletzt, missmutig, verwirrt, kraftlos und lahm sind, können wir nicht verzeihen und vergessen, können wir auf niemand in Offenheit zugehen und sind zu keiner Tat in reiner Freude fähig.

Darum sagt Jesus: „Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit“ (Mt 6,33), damit meint er: Zunächst sollten wir mit uns selbst ins Reine kommen und den Anschluss an die erfüllende Kraft Gottes finden. Dann geht alles von selbst, denn Liebe ist etwas, das aus Freude geschieht, nicht aus bloßem Pflichtbewusstsein, nicht aus Verkrampfung und Überanstrengung.
Es gilt, die innere Stärke und Größe zu gewinnen, die den Zwang aufhebt, einander das Leben schwer zu machen. Man hat es dann nicht mehr nötig, um Vorteile zu kämpfen und mit gleicher Münze heimzuzahlen.

Es ist logisch, dass Menschen, die nicht vom Mangel, sondern von der Fülle geprägt sind, anders miteinander umgehen. Dies war so bei den ersten Christen. Deshalb wurde die Liebe ihr Erkennungszeichen. In späteren Zeiten ist dieses arg verblasst. Im Hinblick auf die Geschichte haben es die leicht, die das Gegenteil behaupten. Jedoch finden wir durchaus Menschen, die Jesus und sein Gebot verstanden haben.

Vom heiligen Franziskus und von vielen anderen wird gesagt, dass sie vom Geiste und von der Gesinnung Jesu ergriffen waren, eine Erfahrung welche alle anderen Begehrlichkeiten wie in Nichts auflöst. Auf diesem Erlebnisgrund ging er zu den Aussätzigen. Es wurde ihm zur Freude für Seele und Leib. Liebe ist wie ein Funken, der zündet. So ist es bei jeder menschlichen Liebe und erst recht bei der Liebe Gottes. Unsere erste Aufgabe besteht darin, alles zu tun, damit daraus ein Feuer wird.

P. Guido Kreppold OFMCap, Kirchenzeitung vom 24. April 2016

P. Guido Kreppold OFMCap wurde 1939 geboren. Der Ordenspriester und Diplompsychologe war unter anderem als Religionslehrer und Jugendseelsorger im Einsatz. Seit Ende der 1970er-Jahre hat er sich als Prediger, Referent und Autor einen Namen gemacht. Nach Lebens- und Arbeitsstationen in Mainburg, Würzburg, Aschaffenburg und Augsburg, wirkte der Kapuziner mit dem Themenschwerpunkten therapeutische Seelsorge und spiritueller Bildung in Eichstätt und seit 2012 in Ingolstadt.

Lesungen zum fünften Sonntag der Osterzeit am 24. April 2016

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