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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

08.04.2016

Hinweis auf ein Leben in Fülle

Es ist eine ganz eigenartige Stimmung, in die uns das Evangelium des 3. Sonntags nach Ostern versetzt. Von der eigentlichen Auferstehung Jesu können die Evangelien nur wenig berichten, dafür aber dokumentieren sie umso eifriger die Erzählungen von den Erscheinungen des Auferstandenen. So berichtet auch der Evangelist Johannes ausführlich über die Selbstoffenbarung des Auferstandenen am See von Tiberias. Tiberias – am See Genesareth gelegen, ist die Heimat vieler Jünger Jesu. Dorthin sind sie zurück gekehrt nach den erschreckenden Ereignissen in Jerusalem. Nach ihrer Rückkehr haben sie ihre alltägliche Arbeit der Fischerei wieder aufgenommen. Ein Sinnbild für eine gewisse Ratlosigkeit unter ihnen. Was sollten sie auch tun? Die Kreuzigung und die kurz darauf erfolgte Auferstehung ihres Meisters wollte zunächst verkraftet und verstanden werden. Ob und wie es mit der Botschaft Jesu überhaupt weiter gehen konnte, das wusste von den Jüngern damals wohl niemand so recht. Was also liegt näher, als erst einmal nach Hause zu gehen und abzuwarten? Und was hilft besser gegen die eigene Hilflosigkeit, als erst einmal die gewohnten Tätigkeiten wieder aufzunehmen. Sieben Jünger nennt der Evangelienausschnitt, die sich zusammen tun, um der notwendigen Arbeit des Fischfangs nachzugehen. Wie mühsam das Geschäft des Fischens ist, wird deutlich an der Vergeblichkeit ihrer Aktion. Sie sind des Nachts unterwegs auf dem See, doch sie fangen nichts. Zwischen Nacht und Morgendämmerung zeigt sich ihnen dann der Auferstandene am Ufer des Sees – doch noch wissen sie nicht, dass es tatsächlich Jesus ist. Zwischen Nacht und Morgendämmerung. Diese Zeitangabe meint nicht nur die Uhrzeit, sondern spielt metaphorisch an auf den Zustand, in dem sich die Jünger befinden. Wie zwischen Tag und Nacht sind sie seit dem Geschehen in Jerusalem unterwegs, ohne zu verstehen oder klar sehen können. Jetzt dämmert ihnen zwar die Gestalt Jesu, aber sie können ihn noch nicht erkennen. Erst ein Wortwechsel bringt mehr Licht ins Dunkel. Auf Geheiß des Mannes am Ufer werfen sie das Netz noch einmal auf der rechten, das heißt richtigen, Seite des Bootes aus und können es ob der Fülle an Fischen nicht wieder einholen. Da geht es dem Lieblingsjünger Jesu auf: Diese unerwartete Fülle ist eine Verheißung! Waren es bei der Brotvermehrung nur wenige Fische, die allerdings zum Teilen reichten, so ist jetzt nach der Auferstehung der Hinweis auf ein Leben in Fülle in Ewigkeit gegeben.

Mitten in der Arbeit, mitten im anstrengenden Alltag erkennt dieser eine Jünger: es ist der Herr! Simon Petrus wirft sich voller Glück und Sehnsucht in den See, um schwimmend das Ufer zu erreichen. In der direkten Begegnung mit dem Mann am Ufer, fragt keiner der Jünger, ob es tatsächlich Jesus sei. Mit einem Mal wissen die Jünger, wer vor ihnen steht. Dieses Wissen führt auf einmal zu einem wunderschönen Dialog zwischen Petrus und Jesus. Auf die dreimalige Frage Jesu an Petrus, ob er ihn liebe, antwortet Petrus jeweils: Ja Herr, du weißt es doch. Es ist dieses gegenseitige Wissen, das aus der Beziehung zueinander kommt. In der liebenden Beziehung zueinander wird klar, was Auferstehung meint: der einzige „Beweis“ für den Sieg über den Tod ist das beziehungshafte Wissen umeinander. Denn die echte und glaubwürdige Beziehung bleibt – auch über schwere Krisen und sogar den Tod hinaus.    

Dr. Bettina-Sophia Karwath, Kirchenzeitung vom 10. April 2016

Dr. Bettina-Sophia Karwath wurde 1966 in Nürnberg geboren.  Sie studierte in Bamberg, Rom und Würzburg Theologie, Philosophie und Psychologie und promovierte sich mit einer Arbeit über Simone Weil. Sie war Lehrbeauftragte an der Uni Würzburg, Religionslehrerin und kennt die katholische Verbandsarbeit durch ihre Tätigkeit beim kfd. Bevor sie in diesem Jahr Theologische Referentin im diözesanen Tagungshaus Schloss Hirschberg wurde, war sie acht Jahre lang wissenschaftliche Mitarbeiterin am "Lehrhaus für Psychologie und Spiritualität" in Marktheidenfeld.

Lesungen zum dritten Sonntag der Osterzeit am 10. April 2016

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