Zum Inhalt springen

Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

31.08.2022

In der Nachfolge im Guten nicht müde werden

In der Nachfolge im Guten nicht müde werden Foto: epd

Ich bin über die Worte Jesu geschockt. Diesen Appell hat Jesus an seine Begleiterinnen und Begleiter gerichtet: „Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.“ Fazit: Nichts mehr auf dem Konto, kein Dach über dem Kopf, kein Urlaub!

Aber war Judas nicht der Finanzminister, der die Kasse verwaltete? Haben nicht betuchte Frauen Jesus unterstützt? Und wären Marta und Maria bettelarm gewesen, wie hätten sie dann Jesus und seine hungrigen Jünger satt machen sollen? Und wird nicht Jesus, weil er Feste und Hochzeiten nicht verschmähte, sogar „Fresser und Säufer“ genannt? Immerhin hat Jesus Zachäus nicht für einen Bettelorden gewonnen, sondern ihn zur Einsicht gebracht, ab jetzt die Hälfte seines Vermögens den Armen zu geben, und wenn er in korrupter Weise einen anderen betrogen hat, gibt er ihm das vierfach zurück! Das geht aber nicht, wenn jemand auf seinen ganzen Besitz verzichtet.

In manchen Kirchenliedern nehmen wir den Mund richtig voll. „Mir nach, spricht Christus, unser Held, mir nach ihr Christen alle! Verleugnet euch, verlasst die Welt, folgt meinem Ruf und Schalle!“ Und damit Maria auch nicht zu kurz kommt, singen wir im „Wunderschön prächtige“: „Gut, Blut und Leben will ich dir geben, alles, was immer ich hab, was ich bin, geb ich mit Freude, Maria, dir hin!“ Gäbe es einen Faktencheck, dann würden wir alle 
„rot“ werden.

Schon die Propheten im Alten Testament haben bitter darüber geklagt, dass die Reichen den Armen das Brot wegnehmen. Sie haben den Opferkult verworfen, um nicht den Verdacht zu nähren, dass Gott durch Opfer bestochen werden kann. Hat nicht Jesus die Tische der Händler vor dem Tempel umgestürzt? Er wollte „Barmherzigkeit, nicht Opfer“!

Was Jesus heute im Evangelium propagiert, ist wie eine Schocktherapie. Der Evangelist Matthäus gibt eine ähnliche Szene wieder. Jesus sagt: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Sie aber erschraken noch mehr und sagten zueinander: wer kann dann noch gerettet werden? Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich!“ (Mt 19,25-27)

Wie der Reichtum Menschen zu Hartherzigkeit und Geiz verführen kann, erleben wir in uns und um uns. Kennen wir nicht die Angst vor Flüchtlingen, weil die uns angeblich „die Haare vom Kopf fressen“? Auf der einen Seite sprechen wir Menschen wie Mutter Teresa von Kalkutta heilig, weil sie den Armen dient, und auf der anderen Seite bläst der ehemalige italienische Innenminister Salvini (den rechten Arm mit Rosenkränzen fest umwickelt) zur Hetzjagd auf Ausländer. Wenn das Herz hart wird, geht die Barmherzigkeit „baden“.

Ich glaube nicht, dass Jesus will, dass wir auf Krankenkasse, Lohn oder Rente, auf ein Häuschen und soziale Sicherheit verzichten.Menschen aber dem sicheren Hungertod auszuliefern, passt nicht zur Aufforderung, „Obdachlose aufnehmen, Kranke heilen“, wie es in der Gerichtsrede heißt. Und obendrein wird dieser Dienst zum Gottesdienst: „Was ihr dem Geringsten getan habt, habt ihr mir getan!“

Wir brauchen so einen Stachel im Fleisch, um im Guten nicht müde zu werden. Von Petrus habe ich gelernt: Besser ist noch ein Untauglichkeitsbekenntnis als in die Rolle des strammen Moralisten zu schlüpfen.

Pater Josef Lienhard, Nr. 36 vom 4. September 2022 - Evangelium (Lk 14, 25–33)


23. Sonntag im Jahreskreis

Die Demut hat es mit Gott zu tun, in zweiter Linie mit den Menschen.
Aber nie mit der Dummheit.
Nur der weise gewordene, der klar und reif gewordene Mensch kann demütig sein.
Er geht seinen Weg von Stufe zu Stufe, von Freiheit zu Freiheit,
und so folgt er Jesus nach.

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de

Bezugspreise (ab Jan. 2021):

Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 8,80 € (7,60 € einschl. 7 % MWSt. + 1,20 € Zustellgebühr); durch die Post monatl. 9,55 €; Einzelnummer. 2,20 €.

.

Kündigungen des Abonnements unter Einhaltung der Kündigungsfrist von sechs Wochen zum Quartalsende: ausschließlich schriftlich gegenüber der Willibaldverlag GmbH, der Agentur oder per E-Mail an 

kuendigung(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de

Keine Haftung bei Streik oder Fällen höherer Gewalt.