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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

28.09.2022

In die Haltung der Kindschaft eintreten

Stärke unseren Glauben! Wie aktuell ist diese Bitte auch in unserer Zeit.

In die Haltung der Kindschaft eintreten. Foto: epd

Stärke unseren Glauben! Wie aktuell ist diese Bitte auch in unserer Zeit. Werden wir nicht Tag für Tag angefragt, ob wir angesichts der gegenwärtigen Situation der Kirche weiterhin glauben können?

Doch geht es in dieser Bitte um den Glauben in erster Linie nicht um ein bloßes „Dabeibleiben“ oder um den Glauben als einem Fürwahrhalten von Glaubensaussagen. Es geht um einen mutigen und vertrauensvollen Glauben an den lebendigen Gott, der auch heute noch Wunder vollbringen kann, auch in unserem Leben.

Und da merken wir, wie es um unseren eigenen Glauben bestellt ist und wie grundlegend diese Bitte nach der Stärkung des Glaubens ist. Jesus weist oft auf die zentrale Bedeutung des Glaubens hin, etwa wenn er den Glauben als Bedingung für eine Heilung benennt oder aufgrund des Unglaubens in seiner Heimatstadt keine Wunder vollbringen kann. Heute hören wir, dass selbst ein kleiner Glaube Unmögliches bewirken kann.

Doch wie schwer fällt es uns, tatsächlich zu glauben, auf Gott zu vertrauen und ihm etwas zuzutrauen. Wir bauen lieber auf unsere eigenen Fähigkeiten, unser Wissen und Können. Wir verlassen uns auf uns selbst – und Gott ist für uns oft nicht mehr als ein ferner Gott im Himmel, der mit unserem Alltag nur wenig zu tun hat. Bitten wir also wie die Apostel um eine Stärkung unseres Glaubens an Gott, der in unserem Leben lebendig sein will und scheinbar Unmögliches vollbringen kann.

Im zweiten Teil des Evangeliums werden wir auf eine zweite Wahrheit in unserem Leben hingewiesen. Jesus stellt uns, in der Denkart seiner Zeit, einen Sklaven vor Augen, der auch nach mühevoller Arbeit keinen Dank von seinem Herrn erwarten kann, weil er seinem Herrn vollständige Verfügbarkeit schuldet. In einer ähnlichen Situation befinden auch wir uns: Wir haben nichts aus uns selbst. Alles ist uns geschenkt worden, das Leben, die Zeit, unsere Talente. Wir sind immer Gottes Schuldner und können nicht vor ihn treten und meinen, ihm einen großen Dienst erwiesen oder besonders viel Zeit gewidmet zu haben, so dass wir nun eine besondere Belohnung verdient hätten. Es gehört ihm ja alles.

Das heutige Erntedankfest erinnert uns an dieses Sich-vollständig- verdankt-Wissen und lädt zu einem Perspektivwechsel ein. Nicht wir schenken Gott unsere Gaben, unsere Zeit, unseren Einsatz etc. Die Wirklichkeit ist eine andere. Gott schenkt uns alles. In Wirklichkeit tun wir nie genug für Gott, denn er hätte gerechten Anspruch auf all unsere Gaben, auf unser ganzes Leben, unseren vollständigen Dienst, unsere ganze Zeit. Wie gut ist es, dass Gott uns aber nicht als seine unnützen Knechte behandelt, sondern uns seine Freunde nennt und uns zu seinen Kindern gemacht hat. Kinder aber geben Dinge nicht aufgrund einer Schuldigkeit, sie verrichten die anvertrauten Aufgaben nicht aus Pflicht heraus, sondern aus Liebe und Dankbarkeit dem Vater gegenüber, ohne aufzurechnen.

Versuchen auch wir uns immer mehr von der Haltung einer pflichtgemäßen Erledigung und einem Abhaken von (religiösen) Leistungen zu lösen und in die Haltung der Kindschaft einzutreten. Bitten wir neben dem Glauben um ein dankbares Herz und nehmen wir das Erntedankfest zum Anlass, Gott ganz konkret für die vielen scheinbaren Selbstverständlichkeiten in unserem Leben zu danken.

Dr. Pia Sommer, Nr. 40 vom 2. Oktober 2022 - Evangelium (Lk 17, 5–10)


27. Sonntag im Jahreskreis

Glauben hat mit Vertrauen und mit Treue zu tun.
Dem Freund glaube ich, dass er die Wahrheit sagt.
Ich traue seinem Wort, denn ich kenne ihn.
Gott ist treu, und was er tut, ist wahr.
Er schuldet mir keinen Lohn und keine Erklärung.
Er führt und fordert, entscheidet und richtet.
Er ist der Herr, aber auch wie ein Freund, der gibt und hilft.

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