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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

08.12.2021

Innehalten und sich von Gott anschauen lassen

Innehalten und sich von Gott anschauen lassen

Innehalten und sich von Gott anschauen lassen Foto: Erich Kraus

Ich sage es dir noch einmal ...“ – viele von uns werden diesen Satz aus dem eigenen Leben, aus ihrer Kindheit, von den Eltern oder Lehrern gesprochen, kennen. Oder dieser Satz fiel in einem Gespräch mit einem guten Freund, der mich kritisch auf etwas aufmerksam machen wollte. Die Aussage „Ich sage es dir noch einmal“, will mit Nachdruck betonen, dass es wirklich um eine wichtige Sache geht, die Beachtung finden muss. 

In der 2. Lesung dieses dritten Advent-sonntags kommt das gleich zu Beginn zum Ausdruck: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit. Noch einmal sage ich: Freut euch“! (Phil 4, 4) Hier geht es nicht bloß um ein Gefühl von Freude, das bei verschiedenen Gelegenheiten wie Partys, Festen oder ähnlichem aufkommen kann, sondern hier geht es um einen Kernbereich des Christentums, um die Freude, die uns Christen zu eigen sein sollte, weil wir von Gott geliebt und erlöst sind.

„Freut euch!“ – das ist leichter gesagt als getan. Es ist leider so, dass uns die Alltagsprobleme, die kleinen täglichen „Kämpfe“ und die oft vielfältigen Herausforderungen nach unten ziehen. Und aktuell kommt noch die schwierige Corona-Situation hinzu. Angesichts steigender Infektionszahlen drohen weitere Beschränkungen. Das drückt auf unser Gemüt und lässt schwerlich Freude aufkommen. Was tun? Es hilft bestimmt nicht weiter, den Kopf in den Sand zu stecken und Trübsal zu blasen. Im Gegenteil, es gilt Wege zu suchen, die der Freude den Weg bereiten.

Der römische Philosoph Seneca hat einmal sinngemäß gesagt: Willst du Freude erfahren, dann liebe! Er verweist damit auf eine wichtige Quelle der Freude, die tätige Nächstenliebe. Wie sehr Nächstenliebe froh machen kann, hat die bereits verstorbene und heiliggesprochene Mutter Teresa vorgelebt. Das Lächeln auf ihrem Gesicht war nicht aufgesetzt, sondern kam von innen heraus. Sie erfuhr in ihrem Tun für Andere eine tiefe Erfüllung und Glück. Davon handelt dieses Zitat von ihr: „Wir werden nie wissen, wie viel Gutes ein einfaches Lächeln vollbringen kann. Wir sprechen von unserem guten und verständnisvollen Gott; sind wir der lebendige Beweis dafür? Es sollte niemals jemand zu dir kommen, ohne dass er dich glücklicher wieder verlässt und es ihm besser geht. In den Barackenvierteln sind wir das Licht der Güte Gottes. Die Freundlichkeit ist der Beginn der Heiligkeit.“ Diese Worte sprechen für sich und wollen im Leben vollzogen werden. Die Adventszeit ist eine Chance, jeden Tag in kleinen Schritten der Freude den Weg zu bereiten.

Und dann gilt es, zum Thema Freude noch etwas zu bedenken. Die Freude, die aus dem Inneren kommt, hat mit Gott zu tun. Kirchenväter wie der heilige Augustinus weisen uns darauf hin, dass die Freude ein Geschenk ist und dass sie im Ausruhen bei Gott wächst. Ausruhen bei Gott – was ist damit gemeint? Es braucht auf jeden Fall Zeit und Ruhe, sich der Nähe Gottes zu vergewissern und sein Leben von Gott anschauen zu lassen. Dabei ist es lohnend, sich zu fragen: Wo habe ich in vielleicht kleinen Dingen Gottes Liebe gespürt? Da können einem ein Gespräch, eine Begegnung, Gebet und Gottesdienst, ein Ereignis oder auch ein inneres Ergriffensein einfallen. Gönnen wir uns in diesen adventlichen Tagen Zeit, sich von Gott anschauen zu lassen; denn bei ihm ist die Quelle der Freude

Dompropst Alfred Rottler, Nr. 50 vom 12. Dezember 2021 – Evangelium (Lk 3, 10–18)


3. Adventssonntag

Nicht jeden Tag sind wir in freudiger Stimmung, auch nicht jeden Sonntag.
Wenn wir Lieder der Freude singen,
ist es oft nur unsere Stimme, die zu singen versucht.
Wo ist das Herz? Wo ist der Geist Gottes?
Es gibt auch die hohen Zeiten, Stunden,
wo wir spüren, dass Gott wirklich in unserer Mitte ist.
Und wenn wir selber ganz da sind,
können wir uns einfach und unmittelbar zu ihm hinwenden.
Da ist die Freude mehr als nur eine Stimmung,
sie ist Gabe des anwesenden Gottes.

Ausgabe Nr. 33/34 vom 14./21. August 2022

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