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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

12.05.2021

Jesu Einheit mit dem Vater – unser Vorbild

Auf ein Wort: Jesu innige Beziehung zum Vater

Jesu innige Beziehung zum Vater – Darstellung    vom Hochaltar der Pfarrkirche St. Nikolaus in Nassenfels.                               Foto: Kreitmeir

Abschiednehmen fällt uns meist schwer. Es macht das Herz traurig. Allzu stark sind oft die Bindungen an unsere Lieben. Denn unser Herz hängt an denen, mit denen wir jahrelang beisammen waren. Beim Abschied sind wenige Worte oft ganz wichtig. Es können Worte wie die von Eltern sein, die tief ins Herz treffen. Worte, an die wir uns oft ein Leben lang erinnern.

Auch Jesus hinterlässt heute im Evangelium seinen Jüngern bewegende Abschiedsworte. Was ist ihm dabei wichtig? Wichtig ist ihm die innigste Liebesbeziehung zum Vater. In diese wollte er auch seine Jünger und Freunde mit hineinnehmen. Wichtig ist ihm, dass die Jünger an seiner Freundschaft und Sendung festhalten. Ohne diesen Halt können sie in der Welt nicht bestehen. Deshalb ist ihm das inständige Gebet für die Seinen eine Herzensangelegenheit.

Ist nicht die Schwerkraft der Welt, die die Jünger damals und uns Christen heute von Gott und Jesus wegzieht, oft allzu gewaltig? Sind nicht die Kräfte des Bösen – und damit meint das Johannesevangelium die Bedrohung des Glaubens – auch heute allzu mächtig? Ist nicht für manche derzeit das Davonlaufen statt Standzuhalten allzu verführerisch? „Aber wohin laufen sie denn?“ So vor kurzem die Frage eines Kommentators in der Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“.

Demgegenüber legt Jesus Wert auf das Bleiben, auf das Zusammenstehen und Zusammenhalten und vor allem auf die Einheit: „Vater bewahre sie in deinem Namen, damit sie eins sind wie wir!“ Aber schaffen wir Christen das überhaupt, eine solche Einheit zu leben wie die zwischen Jesus und dem Vater? Eine Einheit, die ihn sogar über den Abgrund des Todes in die Herrlichkeit der Auferstehung getragen hat? Ist eine solche Einheit nicht unerreichbar und unmöglich? Verlieren wir uns nicht lieber in Spaltung, Eigeninteresse und Trennung?

Jesu Einheit mit dem Vater ist unser Vorbild. Und wie könnte also – wenigstens schrittweise – die Einheit von uns Christen möglich werden? Es sind zwei Vermächtnisse, die Jesus den Jüngern hinterlässt: Es ist das Festhalten an seinem Wort: „Vater, ich habe ihnen dein Wort gegeben!“ Und es ist das Sich-Hineinziehen-lassen der Jünger in die Hingabe Jesu an den Vater, das Eintauchen in die Sphäre Gottes. Diese bewahrt die Jünger vor „dem Bösen“. Darauf spielt er selbst an, wenn er sagt: „Ich heilige mich für sie, damit auch sie in Wahrheit geheiligt sind.“ Letztlich geschieht das in der Feier der Eucharistie. Das also ist das Vermächtnis Jesu an die Jünger bis heute. Je mehr wir am Wort Gottes festhalten, eintauchen in das „Bad der Liebe Christi“ und sie einander weiterschenken, umso mehr wächst auch die Einheit.

Richard Distler, Pfr. i. R., Nr. 20 vom 16. Mai 2021 - Evangelium: Joh 17, 6a.11b–19


Siebter Sonntag der Osterzeit

Die Freude ist wie die Liebe: Sie will über die Zeit hinaus dauern und „bleiben“. Das sagen uns die Lesungen aus dem Johannesevangelium und den Johannesbriefen. Unser Herz stimmt zu, und unser Glaube bestätigt es auch dann, wenn unsere Erfahrung Widerspruch anmeldet. Gott nimmt uns an; er liebt uns mit göttlichem Ernst und mit göttlicher Freude, auch mit Geduld und Erbarmen.

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