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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

29.09.2021

Jesus, die Kinder und das Reich Gottes

Im Reich Gottes ist manches anders als wir Menschen es uns denken, wünschen und als gerecht empfinden. Es gelten andere Regeln, die Zugehörigkeit erfolgt nach anderen Kriterien, die Größe jedes Einzelnen wird nach anderen Maßstäben beurteilt, was nicht selten Unverständnis und Kritik von Außenstehenden hervorruft. 

Im Evangelium vom heutigen Sonntag hören wir, dass auch die Jünger Jesu so manches vom Reich Gottes noch nicht verstanden haben und Jesus sogar unwillig wird, als man einige Kinder von ihm fernhielt. Die Jünger hatten dabei sicherlich nur das Bestefür Jesus im Sinn: Er sollte sich wohl einfach erholen und nicht wegen unwichtigen Angelegenheiten gestört werden. Und sie haben nach der Rüge wohl die Welt nicht mehr verstanden. 

Vielleicht kann uns dieses Verhalten Jesu zu einer ersten Anfrage an uns selbst anregen. Gibt es auch in meinem Leben Gewohnheiten oder Situationen, in denen ich etwas „Heiliges“ hüte, es aber dadurch an der Liebe zu den Mitmenschen fehlen lasse, weil ich sie unwirsch abfertige? 

Die Jünger weisen die Kinder ab – wahrscheinlich hätten sie aber vermeintlich wichtigere Personen zu Jesus vorgelassen. Wie oft lassen auch wir uns von den Äußerlichkeiten täuschen. Laut Jesus sind es ja gerade diese Kinder, die in ihrer Einfachheit und Aufrichtigkeit bereits mehr vom Reich Gottes verstehen als Gelehrte. 

Jesus führt den Gedanken noch weiter aus: „Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“ Die Haltungen des Kindes sind also für den Eintritt in das Reich Gottes wesentlich. Was aber ist damit gemeint? 

Im Wörtchen „annehmen“ scheint bereits ein wesentlicher Aspekt enthalten zu sein. Können wir Dinge – und gerade im geistlichen Bereich – wirklich annehmen wie ein Kind? Ein Kind empfängt die Gabe von seiner Mutter ganz selbstverständlich. Es empfängt ohne Hintergedanken, ohne Sorgen, ohne schlechtes Gewissen, weil es Kind ist und für ein Kind gesorgt werden muss. 

Fällt es uns nicht oft schwer, etwas zu empfangen ohne etwas dafür zu geben? Meinen wir nicht, dadurch in eine Abhängigkeit zu geraten, unsere Freiheit einzubüßen, weil wir nun jemanden etwas verdanken? Kratzt es nicht an unserem Stolz, wenn wir zugeben, dass wir manche Dinge nicht schaffen, dass wir schwach und hilfsbedürftig sind und auf Hilfe von außen angewiesen? 

Vielleicht müssen wir gerade diese Haltung des Annehmens wieder neu von Kindern lernen. Wir dürfen uns von Gott als seine Kinder beschenken lassen, ohne etwas zu leisten. Doch benötigen wir für den Empfang der Gaben, für das Annehmen des Reiches Gottes, leere Hände. Wir können das Reich Gottes nicht mit unseren Leistungen erkaufen. Wir dürfen eingestehen, dass unsere Kräfte dafür nicht reichen. 

Neben dem Empfangen ist auch die Dankbarkeit über das Empfangene ein wichtiger Punkt. Das Erntedankfest ist ein willkommener Anlass, sich jedes Jahr auch in diese Haltung einzuüben – der Dankbarkeit für die materiellen Dinge, aber auch für die vielen geistlichen Gaben, die Gott uns jeden Tag schenkt. Mit einem Herzen, das die vielen scheinbaren Selbstverständlichkeiten im Alltag achtsam wahrnimmt und dafür dankt – und es tut gut, sich hierfür einmal Zeit zu nehmen – werden wir merken, dass auch die Freude in unser Herz einzieht und unseren Alltag erhellen wird.

Pia Sommer, Nr. 40 vom 3. Oktober 2021– Evangelium: Mk 10, 2-16


27. Sonntag – im Jahreskreis

Die Schöpfung im reinen Naturzustand hat nie existiert: Immer war sie die Schöpfung Gottes.
Nicht von der Erde her und nicht vom Tier her kann der Mensch sich selber wirklich verstehen.
Er ist Gottes liebendes Wort in die geschaffene Welt hinein.
Es bleibt die Frage, was wir Menschen mit dieser Schöpfung machen.

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