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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

15.06.2022

Jesus lädt uns alle zur Nachfolge ein

Jesus lädt uns alle zur Nachfolge ein

Jesus lädt uns alle zur Nachfolge ein. Foto: Lauerer

Das heutige Evangelium scheint voll von Widersprüchlichkeiten: Zunächst geht es um die Frage, wer Jesus ist. Anders als die Leute erkennen die Jünger Jesus als den Messias Gottes. Doch statt zu bitten, seine wahre Identität bekannt zu machen, verbietet Jesus den Jüngern dies weiterzusagen. Danach kommt das Paradox, dass dieser lang erwartete Messias nicht in Ehren empfangen, sondern von denreligiösen Autoritäten verworfen und letztlich getötet wird. Anschließend lädt Jesus alle ein, ihm als Jünger zu folgen, doch wirbt er dafür nicht mit schönen Versprechungen, sondern zeigt einen beschwerlichen Weg der Nachfolge auf. Und schließlich folgen die seltsamen Worte von dem Leben, das man gewinnt, wenn man es zu verlieren scheint. Es ist immer wieder hilfreich, sich diese „Logik“ Gottes vor Augen zu führen, weil Gott oft so anders handelt als wir Menschen. Versuchen wir nun, einen dieser Widersprüche zu beleuchten.

Nachdem Jesus schonungslos aufgezeigt hat, wie er behandelt werden wird, lädt er ausdrücklich alle, also nicht nur seine Jünger, zur Nachfolge ein: „Wer mein Jünger sein will …“ Es geht also um eine bewusste Entscheidung, sein Leben mit Christus zu gestalten. Dabei ist es durchaus herausfordernd, sich diese Einladung Jesu auch selbst zusprechen zu lassen, denn auch wir sind damit gemeint. Können wir uns für diese Nachfolge entscheiden? Jesus nennt drei Merkmale eines Jüngers: Selbstverleugnung, das tägliche Tragen seines Kreuzes und die Nachfolge – und das klingt in unseren Ohren nicht besonders verlockend. Was heißt das? Selbstverleugnung bedeutet nicht, die eigene Identität, das Menschliche ablegen zu müssen. Die Gnade baut auf der Natur auf, so lautet ein bekannter Grundsatz. Jüngersein kann nie am Menschsein vorbeigehen, sondern bringt es zur Vollendung. Gott selbst ist ja Mensch geworden. Doch gibt es in unserem Inneren Egoismus und ungeordnete Leidenschaften, die zwar nicht ab-„getötet“, aber doch in die rechten Bahnen gelenkt werden müssen, so dass im Herzen des Menschen Raum für die wahre Liebe ist und er Herr über seine Triebe wird. Zudem ist ein Vertrauen auf die Leitung Gottes inbegriffen, der mit unserem Leben Größeres vorhat, als wir es uns selbst vorstellen könnten. Selbstverleugnung bedeutet also in erster Linie ein Ja zur wahren Selbstverwirklichung als Mensch und als erwähltes Kind Gottes zu sprechen.

Das zweite Merkmal ist das Auf-sich-Nehmen des täglichen Kreuzes, das uns in Familie, Arbeit und anderen Bereichen erwartet. Dabei ist entscheidend, dass es nicht um ein gezwungenes Hinterherschleifen geht, sondern um ein bewusstes Umfangen des „Kreuzes“, das uns in Gestalt einer anstehenden Aufgabe, des unangenehmen Termins oder des nervigen Mitmenschen begegnet. Wenn wir mit dieser liebenden Haltung in den Tag gehen, werden wir schnell erfahren, wie viel Frieden und Freude damit verbunden sind.

Nachfolge schließlich bedeutet, sich die Haltungen, die Worte, die Gesinnung Jesu innerlich anzueignen und so zu handeln, wie Jesus in dieser Situation gehandelt hätte. Die Voraussetzung ist das gute Kennen Jesu wie bei einem guten Freund. Und das ist wohl das Entscheidende: Der Jünger ist zu dieser Vertrautheit mit Jesus eingeladen, um gemeinsam mit ihm sein Leben zu gestalten.

Dr. Pia Sommer, Nr. 25 vom 19. Juni 2022 - Evangelium (Lk 9, 18–24)


12. Sonntag im Jahreskreis

„Die Leute“ wissen von Jesus, dass er ein ungewöhnlicher Mensch ist.
„Ihr aber“: Was wissen die Jünger?
Wer nach Jesus fragt, wird vor eine Entscheidung gestellt.
Und die Antwort kann nicht ein bloßes Wort sein.
An Jesus als den „Messias Gottes“, den von Gott gesandten Retter,
glauben kann nur, wer bereit ist, ihm auf seinem Weg zu folgen.

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